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Berliner Solarisbank erwägt Zukäufe nach möglichem IPO in 2022

​Die Berliner Solarisbank AG, die zuletzt mit 1,4 Milliarden Euro bewertet wurde und ABN Amro Bank NV zu ihren Geldgebern zählt, könnte ihren möglichen Börsengang für weitere Übernahmen ausnutzen. Die Vorbereitungen für das IPO sollen bis zum Sommer abgeschlossen werden.

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© maxsim / stock.adobe.com

Erst vor kurzem hatte die Berliner Solarisbank  mit dem britischen Zahlungsverkehr-Fintech Contis den ersten größeren Zukauf in der Firmengeschichte getätigt. “Ein Börsengang gibt uns eine fungible Währung an die Hand, nämlich Aktien, die wir für weitere Zukäufe nutzen können. Die Optionalität wird größer. Es gibt noch andere Möglichkeiten neben Contis”, sagte CEO Roland Folz im Interview mit Bloomberg. Die Solarisbank ist ein White-Label-Anbieter für Bankdienste, tritt also nicht unter eigener Marke auf.

White-Label-Anbieter für Bankdienste will weitere Take-Overs stemmen
Übernahmen schon in naher Zukunft sind aber unwahrscheinlich, da sich die Bank laut Folz in den nächsten Monaten auf den möglichen IPO fokussieren will. “Vor dem Börsengang müssen wir noch unsere Hausaufgaben machen. Derzeit investieren wir sehr viel in Compliance und Regulierung”, erklärte Folz, der vor seinem Wechsel Managing Director bei der Deutschen Bank war. Rund zehn Prozent der Mitarbeiter seien direkt in diesem Bereich tätig, viele weitere zumindest auch teilweise damit beschäftigt.

Ein gutes Zehntel der Belegschaft mit Compliance und Regulierung beschäftigt
Ärger mit der Aufsicht hatte, unter anderem wegen nicht optimlaer Geldwäschekontrollen, ein anderes stark gewachsenes Berliner Fintech bekommen, die Handy-Bank N26. Im Juni verhängte die Bafin ein Bußgeld wegen verspäteter Verdachtsmeldungen. Zudem begrenzte die Aufsicht die Zahl der Neukunden, die N26 aufnehmen darf, damit die Bank genügend Zeit hat, um an der Beseitigung der Mängel zu arbeiten.

Umbau der Organisations- und Führungsstruktur
Zu den Vorbereitungen der Solarisbank für das IPO zählt auch ein Umbau der Organisations- und Führungsstruktur. “Bisher war sie sehr auf Deutschland ausgerichtet. Künftig wollen wir den Länderorganisationen mehr Verantwortung geben. Sie sind dann selbst für die Gewinn- und Verlustrechnungen in ihren jeweiligen Märkten verantwortlich”, sagte Folz. Außerhalb von Deutschland ist das Unternehmen verstärkt in Spanien, Frankreich und Italien aktiv.

Bewertung von 1,4 Milliarden Euro
Ein Börsengang wäre Folz zufolge wahrscheinlich dann ab dem dritten Quartal 2022 möglich. “Das kann ein klassisches IPO sein oder auch ein Börsengang über ein SPAC”, erklärte er. Zwischen 15 bis 20 solcher Börsenmäntel seien in den vergangenen Monaten bei der Solarisbank vorstellig geworden, um einen Börsengang zu diskutieren. “Wir halten uns auch diese Option weiter offen.” Für einen klassischen Börsengang hat er Amsterdam, London oder Frankfurt im Auge. Diese Orte seien ideal, weil hier das Wachstum von jungen Unternehmen honoriert oder unterstützt werde.

Einhorn-Status
Im Sommer dieses Jahres hatte die Solarisbank bei einer Finanzierungsrunde 190 Millionen Euro eingesammelt und war dabei mit rund 1,4 Milliarden Euro bewertet worden. Sie errang damit Einhorn-Status, so wie zuvor in diesem Jahr auch schon der Broker Trade Republic und das Insurtech Wefox. Folz zufolge wird das eingeworbene Geld “auf jeden Fall” bis zum Börsengang reichen.

Noch nicht profitabel
In diesem Jahr rechnet die Solarisbank mit einem Umsatz von rund 95 Millionen Euro, Contis eingeschlossen. Für 2022 strebt Folz ein Wachstum von weiteren 40 bis 60 Prozent an. Profitabel arbeitet das Unternehmen allerdings nicht. “In den nächsten Jahren ist noch so viel Wachstum für uns möglich, dass Profitablität vorerst nicht im Vordergrund steht. Wir wollen investieren”, sagte der Manager im Talk mit Bloomberg. Dass die Bank wegen der Vorbereitungen auf den Börsengang vorerst von Übernahmen absieht, bewertet er dabei nicht als Hindernis. “Die Zeit läuft uns nicht weg”, sagte er. “Ein Unternehmen, das heute für uns interessant ist, wird hoffentlich auch noch in zwölf Monaten interessant sein.” (kb)

 

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