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Banken warnen: Sind noch nicht bereit für EZB-Klimastresstest

Ein vermeintlicher Meilenstein für die europäische Bankenregulierung droht zum Flop zu werden. Die Geldhäuser warnen, dass sie für die Klimastresstests im nächsten Jahr noch nicht über die nötigen Kundendaten verfügen werden.

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© michael spring / stock.adobe.com

Der nächstes Jahr geplante Klima-Stresstest für Banken wird höchstwahrscheinlich noch wenig Aussagekraft aufweisen. Denn viele Banken verfügen noch nicht über die dafür notwendigen Daten. Das ist das Ergebnis einer von Bloomberg durchgeführten Branchenumfrage, über die der Nachrichtendienst informiert.

Strengere Kapitalanforderungen drohen
Die Europäische Zentralbank hat sich bereits besorgt darüber gezeigt, dass die Kreditwirtschaft schlecht vorbereitet scheint auf den Umbruch durch zunehmend extreme Wetterlagen und immer teurere CO2-Emissionen. Hinter den Kulissen erhöht die EZB den Druck auf die Finanzbranche, so mit dem Prozess vertraute Personen. Es steht viel auf dem Spiel. Banken, die hinterherhinken, riskieren strengere Kapitalanforderungen.

Bankkunden stellen noch keine oder zu wenig Daten zur Verfügung
Eine Umfrage unter 20 großen europäischen Banken zeigt ein einhelliges Ergebnis: die Branche wird bis 2022 wohl kaum soweit sein. Geschuldet sei dies zum großen Teil Kundendaten, die für die Stresstests und die Berechnung der Green Asset Ratio benötigt werden, jedoch erst ein Jahr später verfügbar werden. Die Banken wollen daher die Ergebnisse nicht veröffentlicht sehen.

Das verdeutlicht die Schwierigkeiten der Banken mit dem ehrgeizigen Ziel, Geldströme von Umweltverschmutzern wegzulenken. “Die Banken werden von der Aufsicht ziemlich unter Druck gesetzt im Hinblick auf das, was sie tun müssen, was sie ausweisen müssen, was ihre Pläne sind”, sagt Jo Lock, Finanztrainerin bei Fitch Ratings in London, in einem Interview. “Niemand ist sich wirklich sicher, wo man anfangen soll.”

Lock rät der Branche, sich darauf einzustellen, dass zusätzliche Kapitalanforderungen im Zusammenhang mit Klimarisiken eingeführt werden könnten, etwa in Form eines Aufschlags oder Puffers. Das könnte auf Aktionäre in Form geringerer Dividenden, und auf Kunden als höhere Gebühren oder Kreditkosten durchschlagen. Auch die Finanzierungskosten der Banken selbst könnten steigen.

Es gibt noch viel zum Tun
Die EZB hat deutlich gemacht, dass sie mit den bisherigen Fortschritten nicht zufrieden ist. Präsident Christine Lagarde sagte im Juli, eine “deutliche Mehrheit” der von der EZB beaufsichtigten Banken würden den Erwartungen nicht gerecht. Laut einer EZB-Umfrage entspricht sogar in der Selbsteinschätzung der Banken 90 Prozent ihrer Klimaberichterstattung nicht voll den Erwartungen der Aufsicht.

Die Behörden gehen derweil robust vor, wenn Institute die Sache schleifen lassen, wie nicht zuletzt die Untersuchungen bei der DWS Group wegen angeblich geschönter Behauptungen im Bereich ESG zeigen, die die Aktien der Fondstochter der Deutschen Bank auf Talfahrt schickten.

Für Banken könnte sogar noch mehr auf dem Spiel stehen. Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, der globale Regeln für Kreditgeber festlegt, warnte bereits vor womöglich “erheblichen Kosten und Verlusten” im Zuge neuer Regeln, neuer Technologien und weniger Toleranz gegenüber Umweltsündern.

Stufenweise Einführung wünschenswert
Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde hat Leitlinien für Großbanken zur Offenlegung ihrer ESG-Risiken ab Juni 2022 festgelegt. Die meisten von Bloomberg befragten Banken wünschen sich, dass die Aufsichtsbehörden neue Regeln nach und nach einführen, auch weil es Abstimmungsbedarf mit Vorschriften außerhalb der Europäischen Union gibt.

Mark Nauru, ein Analyst bei Danske Bank, glaubt, es dürfte einige Zeit brauchen, bis die Banken die Risiken im Zusammenhang mit ESG darstellen können. Kreditgeber hätten bislang noch keinen klaren Überblick über die ESG-Eigenschaften ihrer Bücher, geschweige denn die Möglichkeit, diese in Kreditrisiken zu übersetzen. Darin liege die wirklich beängstigende Aufgabe.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hatte im Juli gesagt, die erste Runde an klimabezogenen Stresstests dürfte – aufgrund ihres “vorläufigen Charakters” – noch keine sofortigen Erhöhungen von Kapitalanforderungen rechtfertigen. Banken sollten sich jedoch einstellen auf eine regulatorische Überprüfung ihrer Geschäftsmodelle sowie ihres täglichen Risikomanagements aus dem Blickwinkel des Klimawandels. (aa)

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