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Bafin-Chef meldet sich in Garantiezins-Debatte zu Wort

Versicherungsmathematiker fordern schon seit einiger Zeit, dass der Garantiezins bei Lebensversicherungen weiter gesenkt wird. Die Bundesregierung hat eine offizielle Senkung dieses auf 2022 vertagt. Bafin-Präsident Felix Hufeld appelliert nun an die Branche, selber zu handeln.

Felix Hufeld, Präsident der deutschen Finanzaufsichtsbehörde Bafin
Felix Hufeld, Präsident der deutschen Finanzaufsichtsbehörde Bafin
© Günter Menzl / FONDS professionell

Versicherungskunden können mit klassischen Lebenspolicen, die einen Garantiezins bieten, kaum noch Renditen einfahren. Dennoch dürften die ohnehin mickrigen Erträge bei diesen Policen ab 2021 noch weiter sinken – sozusagen mit behördlicher Genehmigung. Felix Hufeld, Präsident der deutschen Finanzaufsicht Bafin, hat auf einer von der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) veranstaltetem Tagung die Branche aufgefordert, sehr genau zu prüfen, ob sie selbst den gesetzlich erlaubten Höchstrechnungszins, der  umgangssprachlich als Garantiezins bezeichnet wird, von 0,9 Prozent anbieten. "Der Höchstrechnungszins ist keine Verpflichtung – auch nicht im Wettbewerb", zitiert ihn die SZ. Damit mischt sich der Bafin-Präsident in eine seit einigen Wochen geführte Debatte um diese maximalen Rendite ein.

Ausgelöst wurde diese durch die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), als sie im Sommer warnte, dass der Zins, mit dem Kunden nach Abzug der Abschluss- und Verwaltungskosten sicher rechnen können,  zum 1. Januar 2021 nicht mehr wie empfohlen von derzeit 0,9 auf 0,5 Prozent gesenkt werden kann – aus organisatorischen Gründen: Dieser wird vom Bundesfinanzministerium (BMF) festgesetzt. und stützt sich auf die Empfehlungen der Finanzaufsicht Bafin und die der Aktuare. Das BMF hatte jedoch bis Mitte September noch keine Entscheidung getroffen, sodass die Versicherer die Änderungen nicht mehr hätten umsetzen können. Jörg Kukies, Staatssekretär im BMF, hat mittlerweile laut eines Berichtes des "Versicherungsjournals" bestätigt, dass der Höchstrechnungszins 2021 bei 0,9 Prozent bleibt.

Aufsicht fordert Versicherer zu Zinsverzicht auf
Die Bafin hatte selber schon angemahnt, dass Versicherer freiwillig geringere Erträge anbieten sollen. Denn der Höchstrechnungszins ist anders als viele denken nicht der Zins den Versicherer ihren Kunden gewähren müssen. Er stellt vielmehr die Obergrenze dar, bis zu der sie gehen dürfen und ist daher ein Mittel, damit die Gesellschaften diese Zusagen nicht zu hoch ansetzen und wegen der niedrigen Zinsen in Finanzprobleme geraten.

Dennoch neigen viele Versicherer aus Wettbewerbsgründen dazu, immer die höchstmögliche Rendite anzubieten. "Daher appellieren wir an die Versicherer, sehr genau die Garantiehöhe abzuwägen, und zwar unabhängig davon, ob und wann der Verordnungsgeber den Höchstrechnungszins ändert", betont Hufeld laut der SZ und verweist darauf, dass 20 Lebensversicherer und 36 Pensionskassen bereits unter intensiverer Aufsicht seiner Behörde stehen.

Eine Reihe von Anbietern hat längst reagiert und hundertprozentige Kapitalgarantien ad acta gelegt. Darunter die Allianz, die ab kommendem Jahr bei ihren Lebensversicherungsverträgen, abgesehen von ein paar Ausnahmen, nicht mehr den Erhalt der Beiträge in voller Höhe garantieren möchte, sondern nur noch wahlweise 90, 80 oder 60 Prozent. Die abgesenkten Garantien sollen dem Versicherer mehr Freiräume bei der Kapitalanlage ermöglichen und Kunden höhere Renditechancen eröffnen. (jb)

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