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AXA IM: Investoren sollten die Profiteure der Digitalisierung kennen

Der Fondsmanager des AXA WF Framlington Robotech erklärt, wieso die Digitalisierung auf der einen Seite Verbrauchern Macht verleiht – und Unternehmen und damit deren Aktionäre auf der anderen Seite profitieren können. Vor allem eine intelligente Auswertung von Kundendaten erhöht die Gewinne.

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Tom Riley, Fondsmanager des AXA WF Framlington Robotech: "Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Wirtschaft sind komplex und vielseitig. Sie bieten jedoch auch große Chancen für digitale Unternehmen – und für Investoren, die rechtzeitig auf Trends wie etwa Robotik und Automatisierung setzen."
© Axa IM

Investoren unterschätzen vielfach noch immer die Effekte der Digitalisierung. Denn Technologie und Innovation verändern die Wirtschaft auf vielfältige Weise: Sie senken die Markteintrittsbarrieren, eröffnen neue Möglichkeiten, verstärken den Wettbewerb und wirken an sich deflationär. Dieses Phänomen ist weder neu, noch ist die Digitalisierung von diesem ausgenommen. Vielmehr macht sie diesen Trend selbst noch relevanter, da sich die Machtverhältnisse in der digitalen Wirtschaft zum Verbraucher hin verschoben haben. Intelligente Datennutzen kommt aber auch den Kapitalgebern zu gute. Diese Ansicht vertritt Tom Riley, Fondsmanager des AXA WF Framlington Robotech, in einem aktuellen Kommentar.

Deflationärer Druck
„Die digitalen Märkte steigern durch ihre größere Produktvielfalt und die zugleich durchschnittlich niedrigeren Preise die Konsumentenrente. Das heißt: Die Produktpreise liegen unter dem Wert, den die Kunden eigentlich zu zahlen bereit wären.“

Laut der allgemeinen Wirtschaftstheorie führt Innovation zu einer Steigerung der Produktivität. Daneben erhöhen geringere Suchkosten, bessere Informationen und niedrigere Markteintrittsbarrieren den Wettbewerb, was wiederum Preissenkungen zufolge hat. „Dieses Modell erklärt auch das Wachstum des E-Commerce und der digitalen Plattformen insgesamt, da sie die Transparenz erhöht und die Marktfriktionen reduziert haben“, so Riley weiter. „Die Verbraucher sind heute besser informiert, vernetzt und gebildeter denn je. Aus diesem Grund ist es Unternehmen wichtig, die Macht über die Preisbildung zu besitzen – dadurch können sie ihre Gewinnmargen schützen.“

Neue Chancen für Anbieter durch Automatisierung und agilere Prozesse
Aber auch auf der Herstellerseite hat die Digitalisierung laut Riley neue Chancen eröffnet: Die Prozesse werden zunehmend automatisiert, dadurch ergeben sich Kostenvorteile. „Ein Sektor der hiervon stark profitiert hat, ist die Gaming-Industrie: Statt auf den physischen Verkauf von Spielen auf Datenträgern setzt sie heute hauptsächlich auf den digitalen Absatz über Downloads. Dadurch fällt der Umweg über Einzelhändler weg, und die Unternehmen sparen Geld“, sagt Riley. Zudem sei auch der Verkauf von Add-Ons zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden. Das hinter der Spielereihe FIFA stehende Unternehmen Electronic Arts beispielsweise erwirtschafte mittlerweile 60 Prozent seiner Erlöse über digitale Kanäle – eine Vervierfachung seit 2010.

The Winner takes it all
Mittlerweile haben die großen Digitalkonzerne beeindruckende Dimensionen erreicht: Facebook, Netflix und Google machen hinsichtlich ihrer Marktkapitalisierung sieben Prozent des S&P 500 aus, beschäftigen allerdings nur zwei Prozent der Mitarbeiter. „Alle diese heutigen digitalen Großkonzerne haben eine gewisse Monopolstellung und verfolgen auf Innovation und Wachstum ausgerichtete Strategien, um Markteintrittsbarrieren zu schaffen“, so Riley. „Somit besitzen sie auch die Macht über die Preisgestaltung.“

Tiefes Verständnis notwendig
Die Preisbildung und die dahinterstehenden Strategien sind bei digitalen Unternehmen viel komplexer als bei anderen, da ihre Geschäftsmodelle oft vielseitig sind und externe Effekte von verschiedenen Seiten einfließen. Viele Online-Plattformen generieren ihre Einnahmen nicht unbedingt durch die Nutzer selbst, sondern aus anderen Quellen. Hierzu zählen beispielsweise Google oder Facebook, die 88 beziehungsweise 97 Prozent ihres Umsatzes mit Werbung erzielen.

Idealfall für Investoren: Jeder Kunde wird bestmöglich geschröpft
Ein weiterer Vorteil der Digitalisierung sei laut Riley zudem, dass Unternehmen ihre Kunden besser segmentieren und Markttrends effizienter identifizieren können. Kunden seien je nach Erschwinglichkeit und Qualität der Produkte dazu bereit, unterschiedliche Preise zu bezahlen. „Der bilaterale Informationsfluss zwischen Kunden und Unternehmen verbessert die Entscheidungsfindung in Echtzeit und die Möglichkeiten zum Einsatz von Daten für Verhaltensprognosen“, erläutert Riley. „Gerade große Unternehmen verfügen daher über nie dagewesene Möglichkeiten, ihre Preissetzung schnell, flexibel und umfassend zu optimieren.“ Diese Möglichkeiten könnten sogar die mit der Digitalisierung einhergehende Tendenz zur Erhöhung der Konsumentenrente negieren.

Fazit Rileys: "Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Wirtschaft sind komplex und vielseitig. Sie bieten jedoch auch große Chancen für digitale Unternehmen – und für Investoren, die rechtzeitig auf Trends wie etwa Robotik und Automatisierung setzen." (aa)

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