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Antifragilität, bitte warten! (Kommentar)

Wenn uns die Corona-Krise eines gelehrt hat, dann ist es die Tatsache, dass dem fragilen internationalen Gleichgewicht durch ein simples Virus seine Grenzen aufgezeigt wurden. Trotzdem haben die Staatskanzleien in Europa wenig dazugelernt, wie die jüngste Vergangenheit zeigt.

Lenin-Statue
© Helgo / stock.adobe.com

An Beispielen mangelt es nicht: Betrachten wir nur die überaus suboptimal gelaufene Bestellung von Anti-Covid-Vakzinen durch die Brüsseler Bürokratie. Solidarität, ein sozialistischer Kampfbegriff, der mittlerweile von den konservativen Parteien in Europa fast kritiklos übernommen wurde, ist die oberste Leitschnur im Bestellvorgang. Kein Staat in Europa soll dadurch einen Vorteil  erhalten, alle sollen - offensichtlich gleich wenig - Impfdosen bekommen und sind damit internationalen Wettbewerb, wo es um die Herstellung von Herdenimmunität und die Rückkehr der Gesellschaft in den Normalzustand geht, hoffnungslos von anderen Staaten abgehängt worden. Beim Bestellvorgang zu knausern und dabei auf AstraZenaca mit einem Wirkungsgrad von bloß 70 Prozent zu setzen, war der erste Fehler. Der zweite, wohl auf Druck Frankreichs verordnete war es, Sanofi zu forcieren. 

Survival of the fittest
Israel zeigt der Welt vor, wie man es richtig macht: Vielleicht etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen und dafür als erstes ausreichend Impfdosen zu erhalten, um die eigene Bevölkerung innerhalb weniger Wochen flächendeckend impfen zu können. Der Premier ging dabei vorbildhaft voran. Mittlerweile hat Israel fast ein Viertel seiner Bevölkerung mit einer ersten Dosis durchgeimpft, während man in Deutschland und Österreich per 11.1.2021 noch nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung mit dem Impfstoff versorgt hat. Während die israelische Wirtschaft und Gesellschaft mit Ende des ersten Quartals wieder voll einsatzfähig sein und nicht zuletzt in Flugzeugen abheben wird, bleibt Westeuropa sprichwörtlich noch mindestens ein weiteres Quartal am Boden. Weitere Milliardenschäden in der Wirtschaft sind dadurch vorprogrammiert, die sich hätten verhindern lassen können. Dafür schwadroniert so mancher Politiker in Europa von neuen Steuern, um die "Reichen"- gemeint ist wohl der Mittelstand beziehungsweise das, was von ihm noch übrig ist - für die Krise zahlen zu lassen. 

Solidarität macht arm....
Diese grundlegende Erkenntnis hätten unsere sogenannten "Eliten" als Lehre aus dem realen Sozialismus durchaus mitnehmen können. Doch wer dauernd der Vergemeinschaftung - was für eine hässliche Wortschöpfung - von Währung und Schulden das Wort redet, ist längst in eine neue Form des Sozialismus eingetaucht und hat aus der Geschichte nichts gelernt. Subsidiarität wäre das Gebot der Stunde gewesen. 

.... und Ökosozialismus auch
Eine zunehmende Fragilität erleben wir allerdings auch in der Energiepolitik, wo der Anteil an Erneuerbaren mittlerweile ein Niveau erreicht hat, wo die Versorgungssicherheit und eine stabile Grundlast gefährdet wird. Die als Puffer agierenden konventionellen Kraftwerke werden auf politischen Druck hin abgewrackt und immer weniger, um hier in Krisensituationen noch effizient gegensteuern zu können. Solange es die nötigen riesigen Energiespeicher für Zappelstrom nicht gibt, wird die Energieversorgung immer fragiler. Wer es nicht glaubt beziehungsweise glauben will, dem sei dieser Vortag von Professor Hans-Werner Sinn empfohlen. Vielleicht müssen in Europa einmal für einige Tage die Lichter ausgehen und die letzten Powerbanks geleert sein, damit wieder Vernunft in den Köpfen der vom Zeitgeist Getriebenen einkehrt.

Fazit 
Obwohl uns das Virus eindrucksvoll die Fragilität unseres Wirtschafts- und Gesellschaftsystems vor Augen geführt hat, sind wir nicht willens, die nötigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Anstatt uns in Richtung Antifragilität zu bewegen, rütteln wir an Altbewährten, um es durch Unausgegorenes, Neues zu ersetzen. Wir huldigen der One World-Ideologie, anstatt die eigene Resilienz zu steigern. Wir huldigen falschen Klimagöttinnen, statt den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Wir genieren uns für alte Stärke und suchen unser Heil im Durchschnitt. So ist Europa auf jeden Fall dem Untergang geweiht. (kb)

 

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