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Anleihen 2020: Zuflüsse in Spread-Produkte dürften sich fortsetzen

Bei High Yields bevorzugt NN IP liquide Anleihen größerer Firmen, im Investment-Grade-Segment nicht-zyklische Sektoren mit verbesserter oder gleichbleibender Schuldenquote. Bei Green Bonds wiederum erwartet NN IP eine anhaltende strukturelle Unterstützung durch Kundennachfrage und Marktwachstum.

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Edith Siermann, Head of Fixed Income & Responsible Investing bei NN Investment Partners
© NN IP

Zu den Ereignissen, die das Makro-Umfeld 2020 beeinflussen können, zählen die US-Präsidentschaftswahlen, der Wechsel an der EZB-Spitze, der Brexit und anhaltende Zollstreitigkeiten.

Gesuchte Spread-Produkte
Obwohl diese Ereignisse die Volatilität an den Finanzmärkten vermutlich erhöhen werden, bleiben die Spread-Märkte attraktiv, da die Risikobereitschaft weiter durch die globale Liquidität unterstützt wird. Edith Siermann, Head of Fixed Income & Responsible Investing bei NN Investment Partners, führt aus: "Die Risiken für das globale Wachstum könnten durch die Aussichten auf eine weltweite Lockerung der Fiskalpolitik abgemildert werden. In einem Umfeld, das angesichts der großen Menge an negativ verzinslichen Anlagen von der Suche nach Rendite geprägt ist, werden sich nach unserer Ansicht die Zuflüsse in Spread-Produkte voraussichtlich fortsetzen."

Europäische Unternehmensanleihen mit Investment Grade (IG)
Die aktuellen europäischen Makrodaten belasten den Ausblick für die Unternehmensgewinne im kommenden Jahr. Auch die anhaltende Unsicherheit rund um den Brexit ist nach wie vor ein negativer Faktor für die europäischen Märkte. Die Zentralbanken haben inzwischen jedoch ihre Geldpolitik gelockert, und die EZB hat als Reaktion auf die Verschlechterung der Wirtschaftsdaten ein unbefristetes Ankaufprogramm von Wertpapieren angekündigt. Dies hat bereits eine Verbesserung der technischen Bedingungen für IG-Unternehmensanleihen  und steigende Zuflüsse von Institutionellen bewirkt.

Strategien mit ESG-Integration im Aufwind
Die Auswirkungen des schwierigeren Makroumfelds auf die Unternehmensgewinne könnten zu einem moderaten Anstieg des Verschuldungsgrads in zyklischeren Sektoren führen. Siermann dazu: "NN IP geht jedoch nach wie vor davon aus, dass sich die Verschuldung in Europa insgesamt in einem stabilen Rahmen bewegen wird. Wir sehen einen stabilen oder positiven Trend in nicht-zyklischen Sektoren, in denen das Finanzmanagement der Firmen  weiterhin konservativ ist. In diesem sich abschwächenden Wachstumsumfeld bevorzugen wir nicht-zyklische, qualitativ hochwertige Unternehmensanleihen. Darüber hinaus erwarten wir für 2020 ein weiter steigendes Interesse der Anleger an Strategien, die ESG-Faktoren integrieren."

Grüne Anleihen
Die Emission von Green Bonds wird sich im kommenden Jahr weiter beschleunigen, und zwar  von einem geschätzten globalen Marktvolumen von 500 Milliarden Euro Anfang 2020, da Investitionen etwa in saubere Energie zunehmen. Dieses Wachstum wird von staatlicher Seite vorangetrieben: Sowohl Deutschland als auch Italien und Schweden haben bestätigt, dass sie 2020 ein Programm für grüne Anleihen starten werden. Darüber hinaus steigen immer mehr Unternehmen in den Markt für grüne Anleihen ein. Dies ist zum Teil auf eine starke Belebung der Nachfrage zurückzuführen. Gleichzeitig stellen immer mehr Unternehmen auf nachhaltigere Geschäftsmodelle um und möchten ihre neue Strategie mit grünen Anleihen finanzieren, z.B. Automobilhersteller, die auf Elektrofahrzeuge umsteigen. Insgesamt dürfte der globale Markt für grüne Anleihen bis Ende 2020 rund 700 Milliarden Euro erreichen.

Green Bonds 2020 als Outperformer
Grüne Anleihen werden nächstes Jahr nach Meinung von NN IP vermutlich besser abschneiden als der breite Anleihemarkt. Siermann dazu: "Dies liegt vor allem daran, dass Investitionen in grüne Anleihen eine Möglichkeit darstellen, Unternehmen und Emittenten auszuwählen, die zukunftsorientiert agieren und weniger anfällig für ESG-Risiken sind. Das starke Wachstum des Marktes für grüne Anleihen bietet viele Möglichkeiten, von Neuemissionen zu profitieren."

Schwellenländer und Frontier Markets
Obwohl makroökonomische und politische Risiken weiter virulent sind, sind die Renditen von Schwellenländeranleihen derzeit stabil. Die jüngste Lockerung der Geldpolitik rund um den Globus wird die Schwellenländer nach Ansicht von NN IP kurz- bis mittelfristig weiter unterstützen. "Wir glauben, dass eine erneute Eskalation der Handelsspannungen zwischen den USA und China vermieden wird. Stattdessen erwarten wir, dass beide Länder Zugeständnisse machen und Spannungen abbauen", sagt Siermann.

Leicht abgeschwächte Wachstumsdynamik der Schwellenländer in 2020 erwartet
Für 2020 prognostiziert man bei NN IP trotz der sich insgesamt leicht abschwächenden Wachstumsdynamik der Schwellenländer dennoch ein leicht zunehmendes Wachstumsgefälle zwischen Ihnen und den Industriestaaten. Dies ist vor allem auf die zyklische Dynamik in wichtigen Schwellenländern wie Brasilien zurückzuführen. In China dürfte sich das Wachstum aufgrund eines schwächeren weltwirtschaftlichen Umfelds allerdings weiter verlangsamen. Andererseits sollte sich das durchschnittliche Wachstum in den Frontier Markets von 2020 bis 2024 laut IWF-Weltwirtschaftsausblick von Oktober 2019 auf 3,9 Prozent jährlich beschleunigen. Dieser Wert lag in den vorangegangenen fünf Jahren bei 3,5 Prozent.

Fundamentaldaten der Schwellenländer im Allgemeinen robust
Die meisten Schwellenländer sind in einer relativ gesunden wirtschaftlichen Verfassung, sowohl außenwirtschaftlich als auch im Inland. Sie wachsen in einem Umfeld, das durch eine relativ niedrige Inflation und relativ unterbewertete lokale Währungen gekennzeichnet ist. Zudem waren die Rohstoffpreise, insbesondere für Öl, in den letzten drei Jahren stabil oder steigend. Siermann dazu: "Angesichts der relativ hohen Realrenditen und des günstigen inflationären Umfelds sind wir der Meinung, dass die Zentralbanken der Schwellenländer einen gewissen Spielraum für eine Lockerung ihrer Geldpolitik haben, was das Wirtschaftswachstum ankurbeln könnte. Die Kombination dieser Faktoren sollte sich mittelfristig positiv auf die Wertentwicklung von Schwellenländeranleihen auswirken." Man gehe davon aus, dass sich die Zuflüsse in Schwellenländer in einem Umfeld, das von der Suche nach Rendite geprägt sei, fortsetzen würden. Siermann weiter: "Sehr viele Vermögenswerte aus den Industriestaaten weisen negative Renditen auf, und Hochzinsanleihen aus den Schwellenländern sind attraktiv bewertet. Das gilt insbesondere für entsprechende Staatsanleihen in Hartwährung, für die wir in der kommenden Zeit ein geringeres Nettoangebot erwarten. Dies liegt zum Teil daran, dass viele Länder ihren Kreditbedarf reduzieren möchten (in vielen Fällen im Rahmen eines IWF-Programms) und daher weniger Emissionen vornehmen müssen."

Endzyklische Dynamik 
Für Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern erwartet NN IP eine endzyklische Dynamik, die zuletzt sichtbarer wurde und sich bis ins Jahr 2020 fortsetzen wird. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Emissionen 2020 über überschaubare Laufzeiten verfügt, erwartet NN IP eine höhere Ausfallwahrscheinlichkeit als die derzeit noch sichtbaren Tiefstände. Angesichts der bevorstehenden Wende im Kreditzyklus bevorzugt man bei Corporate Bonds aus den Schwellenländern tendenziell Emittenten von IG-Anleihen gegenüber Hochzins-Emittenten.

Globale Hochzinsanleihen
Für den globalen Hochzinsmarkt wird 2020 ein entscheidendes Jahr mit vielen Ereignissen sein, die sich auf die Risikobereitschaft und die Kreditqualität auswirken könnten. Die „bekannten Unbekannten", die die Kreditqualität und die Marktpreise beeinflussen könnten, hängen hauptsächlich mit der Politik und der Gesamtwirtschaft zusammen. In den USA haben die demokratischen Präsidentschaftsvorwahlen das Potential, fast jede Branche zu beeinflussen. Sollte die Senatorin Elizabeth Warren als Kandidatin der Demokraten nominiert werden, würde der Markt damit beginnen, Regulierungsänderungen in Branchen wie Finanzen, Gesundheit und Energie, hauptsächlich negativ einzupreisen. Diese Sektoren machen über 40 Prozent des US-Hochzinsmarktes und damit 30 Prozent des weltweiten Hochzinsmarktes aus.

Welthandel wird auch im nächsten Jahr volatil sein 
Positiv ist, dass diese Volatilität Chancen für aktive Anleger eröffnet. Die Kehrseite ist, dass die anhaltende Unsicherheit auch die Aussichten für das globale Wachstum weiter eintrüben und die Investitionsausgaben der Unternehmen senken wird, vermutet Siermann: "Auch wenn die Fundamentaldaten von Unternehmensanleihen und die technischen Marktfaktoren den Hochzinsmarkt unterstützen dürften, haben wir benachbarte Märkte wie Anleihen mit Investment Grade und den Leveraged-Loan-Markt genau im Auge. Das Hauptaugenmerk legen wir dabei auf das Risiko der Fallen Angels, das durch das schnelle Wachstum von Unternehmensanleihen mit BBB-Rating sowie die schlechtere Bonität und die nachlassende Risikobereitschaft auf dem Leveraged-Loan-Markt hervorgerufen wird.§

Asiatische Hochzinsanleihen bevorzugt
Dies hauptsächlich aufgrund der attraktiven Bewertungen. Siermann führt aus: "Wir mögen auch US-High Yields, da sie bessere Wachstumsaussichten als europäische Papiere haben. Insgesamt haben wir zuletzt unseren Ausblick für Unternehmensanleihen nach unten korrigiert, für 2020 erwarten wir eine Stabilisierung. Wir bevorzugen nach wie vor liquide Anleihen größerer Unternehmen, da das Liquiditätsrisiko bei kleineren Emissionen häufig unzureichend kompensiert wird. Bei Unternehmensanleihen mit niedrigerem Rating sehen wir weniger Chancen. Wir werden die Bewertungen weiterhin genau im Auge behalten, da wir glauben, dass sie wahrscheinlich wie immer über das Ziel hinausschießen – dann wollen wir die sich bietenden Anlagechancen nutzen."

Wandelanleihen
2019 war ein gutes Jahr für Wandelanleihen. Die Indizes für Wandelanleihen haben in US-Dollar hohe einstellige Renditen erzielt. Es gab viele Neuemissionen, und die Bewertungen sind immer noch fair bis relativ günstig. Für 2020 erwartet NN IP, dass dieser Markt weiterhin interessante Anlagemöglichkeiten bietet, da sich der solide Emissionstrend fortsetzen dürfte.  2020 verspricht interessant zu werden, mit den Präsidentschaftswahlen in den USA, einem Führungswechsel bei der EZB, einem wahrscheinlichen Brexit und anhaltenden Zollstreitigkeiten. Obwohl der Ausgang all dieser Ereignisse ungewiss ist, sind Investoren in Wandelanleihen gut positioniert, um die Finanzmärkte, die voraussichtlich volatil bleiben werden, zu meistern. Sie können an den Kursanstiegen von Aktien partizipieren und profitieren gleichzeitig vom für Anleihen typischen Abwärtsschutz. Die relativ starken Kreditkennzahlen von Anleihen mit einem Rating von BB bis BBB, die im Durchschnitt im Anlageuniversum von Wandelanleihen zu finden sind, dürften vor übermäßigen Rücksetzern schützen. (kb)

 

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