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Amundi: Große Performancelücke spricht für Value-Aktien-Exposure

Noch nie war die Performancelücke zwischen US-amerikanischen Wachstumstiteln und Value-Aktien so groß. Warum es langsam Zeit wird umzuschichten, aber Investoren von "Deep Value" beser die Finger lassen sollten, erläutert ein leitender Amundi-Professional.

Marco Pirondini, Leiter Aktien und US-Portfoliomanager bei Amundi
Marco Pirondini, Leiter Aktien und US-Portfoliomanager bei Amundi
© Amundi

Investoren sollten ihr Exposure in US-Value-Aktien erhöhen, meint Marco Pirondini, Leiter Aktien und US-Portfoliomanager bei Amundi. Das Umfeld für Wachstumstitel war bis dato ideal: Die Zinsen sind weiterhin niedrig, und gerade die großen US-Technologieunternehmen haben in den USA und im Ausland immer mehr an Bedeutung gewonnen.

Wind wird sich an Börsen drehen
"Wir halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass dieses ideale Umfeld von Dauer sein wird", erklärt Pirondini. Die Inflation – die seit Jahren praktisch keine Rolle spielt – könnte als Folge der Konjunkturmaßnahmen steigen. Und historisch gesehen hat Value in inflationären Zeiten Growth übertroffen. "So denken wir, dass ausgewählte Value-Aktien hochwertiger Unternehmen, die die aktuell so schwierige Wirtschaftsphase überstehen, von der Erholung der Weltwirtschaft sogar profitieren werden. Eine Erhöhung des Engagements in solche Value-Aktien bei gleichzeitiger Reduktion der Hyper-Wachstumstitel scheint also sinnvoll", empfiehlt Pirondini.

Warum Umschichten Sinn ergeben könnte
Der beispiellose Umfang geld- und fiskalpolitischer Anreize könnte laut Pirondini in den USA zu einem Wiederaufflammen der Inflation führen. Die Value-Indizes sind im Allgemeinen viel stärker von inflationsgetriebenen Aktien abhängig als Growth-Indizes. Zum Beispiel machten die Energie-, Finanz-, Industrie- und Materialsektoren zum 30. September 41 Prozent des Russell 1000-Value-Index aus, im Russell 1000-Growth-Index aber nur 15 Prozent. Ein weiterer Aspekt: Ende Juni waren die Rohstoffpreise so niedrig wie seit mehr als 200 Jahren nicht mehr. Sie könnten zwar noch weiter sinken, doch gestützt durch Konjunkturmaßnahmen und der allmählichen wirtschaftlichen Erholung wohl eher steigen.

Value könnte Growth also endlich wieder überflügeln – auf der anderen Seite stehen allerdings drei Risiken:

1. Die US- und die Weltwirtschaft könnten sich nur langsam von der Pandemie erholen. Die Zinssätze würden niedrig bleiben, die Anleger weiterhin Wachstumswerte bevorzugen.

2. Viele Unternehmen im Value-Universum haben strukturelle Probleme, zum Beispiel Fluggesellschaften oder Kaufhauskonzerne. Diese Entwicklung könnte sich auch nach dem Ende der Pandemie fortsetzen.

3. Und ein Sieg von Biden könnte zu einer stärkeren Regulierung von Branchen wie Energie- und Finanzwirtschaft führen, die derzeit in Value-Indizes eine größere Gewichtung haben als in Growth-Indizes. Auch Wachstumswerte könnten unter einer Biden-Administration wegen einer möglichen Erhöhung der Steuern auf ausländische Einkünfte leiden. Dies könnte sich unverhältnismäßig deutlich auf US-amerikanische Technologieunternehmen auswirken, die bei Wachstumsindizes deutlich höher gewichtet sind.

Value ja, Deep Value nein
Value-Aktien können ein zyklisches Investment in hochwertige Unternehmen bieten, die die schwierige wirtschaftliche Situation wohl überstehen werden; selbst wenn die Erholung der US- und Weltwirtschaft länger dauern sollte als erwartet. Daher ist Pirondini der Ansicht, dass eine Umschichtung des Portfolios in US-Aktien, weg von Hyper-Wachstumstiteln hin zu stabilen, eher defensiven Wachstums- und Value-Werten, vernünftig ist. Deep Value – also stark unterbewertete Aktien – sollten Anleger allerdings eher meiden.

Da die Pandemie das Augenmerk verstärkt auf den Arbeitsmarkt und Sicherheitsfragen gelenkt hat, glaubet Pirondini, dass die erfolgreicheren Investitionsstrategien in diesem Umfeld diejenigen sein werden, die sich auf Nachhaltigkeit konzentrieren; und besonders die, die die ESG-Kriterien berücksichtigen. "Unternehmen könnten so das aktuelle wirtschaftliche Umfeld nicht nur überleben, sondern stärker aus der Pandemie hervorgehen, als sie vor Beginn der Pandemie waren", erklärt Pirondini abschließend. (aa)

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