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Alternativen zu Negativzinsen

Anleihen mit negativer Rendite machen derzeit einen Betrag von mehr als 16 Billionen US-Dollar und somit einen Anteil von fast 30 Prozent der weltweit an den Märkten gehandelten Staats- und Unternehmensanleihen aus. Für Anleger auf der Suche nach Rendite und Sicherheit ist das ein echtes Problem.

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© Animaflora PicsStock / stock.adobe.com

Die an den Anleihemärkten gebotenen Zinssätze haben ein nicht mehr nachvollziehbares Niveau erreicht, sagen die Experten von Metropole Gestion in Paris. 

Pervertierte Zustände
Im vergangenen Juni war die Emission der eine Rendite von nur einem Prozent bietenden hundertjährigen österreichischen Staatsanleihe mehr als vierfach überzeichnet. Und dabei würde eine Erhöhung der Zinssätze um 100 Basispunkte zu einem sofortigen Kapitalverlust von 40 Prozent führen, wenn das Papier nicht bis zur Fälligkeit gehalten wird... Ebenso entspricht die Zeichnung der Emission einer 30-jährigen deutschen Nullkuponanleihe, die eine negative Rendite von -0,11 Prozent bietet, der absurden Erwartung, dass das nominale deutsche BIP in den nächsten 30 Jahren rückläufig ist. Das während der Krise 2011-2012 dem PIGS-Club (Portugal, Italien, Griechenland, Spanien) zugerechnete Italien bietet nun eine Zehn-Jahres-Rendite von weniger als einem Prozent und liegt damit 50 Basispunkte unter der US-Rendite. Der Begriff des Risiko-Ertrags-Verhältnisses, dieses Grundprinzip der Märkte, scheint ganz einfach bedeutungslos geworden zu sein.

Renditespread zwischen Anleihen und Aktien in Europa auf Höchststand
Die Aktienmärkte konnten insgesamt keinen mit der Schwäche der Zinssätze zusammenhängenden positiven Ausstrahlungseffekt für sich nutzen. Regulatorische Anforderungen und die durch geopolitische Spannungen bedingte Risikoaversion haben die Anleger von einer Anlageklasse abgeschreckt, die Jahr für Jahr weiterhin stabile und attraktive Dividenden bietet. Trotz der schleppenden Konjunktur in Europa liegt die Dividendenrendite des MSCI Europe bei 3,6 Prozent und weist somit einen positiven und beispiellosen Spread von 4,3 Prozent gegenüber der Rendite der deutschen Bundesanleihe auf.

Investmentstile: Growth versus Value  divergiert beträchtlich
Dennoch haben die Risikoaversion und die kontinuierliche Abwärtsbewegung der Zinsen zu einer extremen Polarisierung der Bewertungen zwischen den einzelnen Investmentstilen geführt. Der Unterschied zwischen dem sich auf 10 belaufenden KGV des MSCI Europe Value und dem sich seinem Allzeithoch von fast 19 annähernden KGV des MSCI Europe Growth war abgesehen von der Dotcom-Blase im Jahr 2000 noch nie so hoch wie heute. Dieser seit 3 Jahren stetig zunehmende Bewertungsunterschied lässt sich nicht mit den Unterschieden in der Rentabilität (ROE) oder dem Gewinnwachstum der in diesen Indizes enthaltenen Unternehmen erklären.

Value deutlich unterbewertet
Die historische Unterbewertung des Value-Investmentstils wird auch an den Dividendenrenditen sichtbar, die sich beim MSCI Europe Value auf 5,3 Prozent und beim Teilfonds Metropole Sélection auf 4,8 Prozent belaufen.

Unterbewertung als Puffer für mögliche Rezession
Allerdings muss man die Möglichkeit einer Rezession in Betracht ziehen, deren Wahrscheinlichkeit angesichts der inversen Zinsstrukturkurve in den USA besonders hoch ist. Viele Unternehmen, die die höchsten Dividenden ausschütten, wären im Krisenfall nicht in der Lage, diese zu zahlen. Dabei gibt es jedoch eine ganze Reihe von Unternehmen, welche wir ausgewählt haben, die eine solide Bilanz vorweisen können, sich einem Ansatz der nachhaltigen Unternehmensentwicklung verpflichtet haben und in der Lage sind, Wirtschaftskrisen zu überstehen und selbst im Falle einer Rezession eine attraktive und nachhaltige Dividendenrendite zu gewährleisten. Diese Papiere weisen verglichen mit ihrem industriellen Wert zur Zyklusmitte auch erhebliche Unterbewertungen auf, die bereits das Szenario einer starken Rezession berücksichtigen.

Musterbeispiel für Härte im Nehmen
Dies gilt für SKF, den Weltmarktführer für Kugellager, der bei einer Dividendenrendite von 3,9 Prozent ein Unternehmenswert-Umsatz-Verhältnis von weniger als 1,0 aufweist, was nahezu den niedrigsten Werten der Rezession in 2009 entspricht. Nach der Analyse von Metropole Gestion wäre das Unternehmen in der Lage, bei einer mit 2009 vergleichbaren Rezession und somit bei einem Umsatzrückgang von 20 Prozent eine durch die Cashflow-Generierung abgedeckte Dividendenrendite in Höhe von 2,9 Prozent zu gewährleisten.

Manche Aktien sind auf Rezessionsniveau gepreist
Letztendlich sehen sich viele Anleger offensichtlich zu der nicht risikofreien Strategie gezwungen, in Anleihen mit außergewöhnlich langer Laufzeit zu investieren, die dabei nur lächerlich niedrige oder sogar negative Renditen bieten. Warum also nicht für eine Dauer von fünf Jahren in unterbewertete europäische Aktien investieren, deren Bewertung bereits das Risiko einer (in der Regel nie länger als 2 Jahre dauernden) Rezession berücksichtigt und die selbst am Tiefpunkt des Zyklus eine attraktive Dividende bieten? (kb)

 

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