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Allianz droht mit Investment-Verkäufen nach neuen Klimazielen

Europas größte Versicherung will die Treibhausgas-Emissionen im eigenen Investment-Portfolio in den nächsten fünf Jahren deutlich senken und sich deswegen auch von Anlagen trennen. Der Rendite soll dies aber nicht schaden, meint Allianz-Vorstand Günther Thallinger.

Günther Thallinger, Vorstandsmitglied bei Allianz SE
Günther Thallinger, Vorstandsmitglied bei Allianz SE
© Allianz SE

Die Allianz will die Treibhausgas-Emissionen ihres Investmentportfolios reduzieren und entsprechende Umschichtungen vornehmen. “Wir werden uns besonders die Investments ansehen, die emissionsintensiv sind. Energieerzeugung und Transport beispielsweise. Oder auch die Autobauer”, sagte Vorstand Günther Thallinger, der das Investment-Management des größten deutschen Versicherers verantwortet, in einem Interview mit Bloomberg. Abstriche bei den Renditen befürchtet er nicht.

Minus 25 Prozent
Demnach soll der Treibhausgas-Ausstoß der Unternehmen, in denen die Allianz über Aktien und Anleihen investiert ist, bis 2025 um 25 Prozent unter das Niveau von 2019 gebracht werden.

Für Immobilien sollen ebenfalls schärfere Emissionsgrenzen gelten, die in Einklang mit dem Klimaziel stünden. Über die Fortschritte wolle der Versicherer jährlich berichten, wie "Reuters" schreibt.

Zusätzlich sollten die Emissionen im operativen Betrieb verglichen mit 2019 um 30 Prozent verringert werden, teilte das Unternehmen weiter mit. Das vergangene Jahr habe gezeigt, dass Märkte und Staaten lernen müssten, mit neuen Risiken wie Pandemien, Klimawandel oder sozialen Unruhen umzugehen, erklärt Allianz-Chef Oliver Bäte.

Diese Vorgaben gelten nur für das eigene 800 Milliarden Euro schwere Portfolio, nicht aber für Anlagen, die der Konzern über seine Töchter Pacific Investment Management und Allianz Global Investors für Dritte verwaltet.

Die Allianz will dabei aktiv auf Unternehmen zugehen und auf Veränderungen drängen. “Es wird auch bestimmte Investments geben, bei denen sich keine ausreichende Entwicklung hin zu unseren Zielen feststellen lässt und bei denen wir dann unsere Anlagen reduzieren müssen. Das ist nicht auszuschließen”, sagte er. “Allerdings denke ich, dass wir unsere Ziele zu einem größeren Teil über Veränderungen in den Unternehmen erreichen, in denen wir schon jetzt investiert sind.”

Wald-Investments
Denkbar sei auch, dass die Allianz Posten ins Buch nimmt, die bereits klimaneutral sind oder einen Beitrag zur Eindämmung der Erderwärmung leisten. Als Beispiel nannte Thallinger Waldflächen.

Von den 2,3 Billionen Euro, die die Allianz zum Ende des dritten Quartals 2020 über ihr Asset Management verwaltete, gehörten ihr rund 600 Milliarden Euro selbst. Zusammen mit weiteren Assets kommt das Unternehmen auf Gesamtanlagen von 800 Milliarden Euro.

Net-Zero Asset Owner Alliance
Die Allianz gehört zu einer Gruppe von Versicherern und Pensionsfonds, die im Rahmen der so genannten Net-Zero Asset Owner Alliance versprochen haben, bis 2050 klimaneutrale Anlageportfolios aufzubauen. Sie folgen damit einem Trend im Asset-Management, Umwelt-, Sozial- und Governance-Fragen bei der Kapitalallokation zu berücksichtigen. Die Mobilisierung der Finanzmärkte beim Klimaschutz war eines der Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015.

Zum Erreichen dieser Ziele muss die Allianz laut Thallinger nicht unbedingt aus einer Branche aussteigen, da die Entwicklungen einzelner Unternehmen innerhalb eines Sektors zum Teil recht unterschiedlich seien. So hätten etwa einige Autobauer schon sehr konkrete Vorstellungen zur Umstellung ihrer Flotten vom Verbrennungsmotor zum Elektromotor vorgelegt, was den Zielen der Allianz näherkomme.

Klimaschutz und Rendite schließen sich nicht zwangsweise aus, sagte Thallinger. Und weiter: “Wir glauben, dass unsere Investments durch den Nachhaltigkeitsansatz besser werden mit Blick auf Risiko und Rendite.” (aa)

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