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AB-Stratege Cornax: "Muster, die für Menschen nicht erkennbar sind"

In illiquiden Anleihemärkten sind Schnelligkeit und ein guter Überblick gefragt. Wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz dabei helfen können, erläutert Peter Cornax, Senior Investment Strategist bei AllianceBernstein (AB), im Interview.

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Peter Cornax
© AB

Peter Cornax, Senior Investment Strategist bei AllianceBernstein (AB), ist davon überzeugt, dass Mensch und Maschine noch viel enger als bisher zusammenarbeiten müssen, weil sich so enorme Vorteile für Asset Manager und ihre Kunden erzielen lassen. Im Interview mit der Redaktion erklärt der AB-Stratege, wie Vermögensverwalter aus seiner Sicht mit Hilfe von Technologie in einem Markt mit einer immer geringer werdenden Liquidität bessere Ergebnisse erzielen und gleichzeitig ihren Anlageprozess verbessern können, weil sich damit Investmentchancen eröffnen, die dem menschlichen Auge andernfalls entgehen könnten.

Wie genau nutzt AB Algorithmen und künstliche Intelligenz bei Anleiheinvestitionen?

Peter Cornax: Wir nutzen sie, um viele Informationen auf einen Blick zu erhalten und zusammenzuführen und um Anleihen schneller und effizienter zu handeln. Diese Fähigkeit wird im gegenwärtigen – und auch im zukünftigen – Marktumfeld zunehmend zu einem Vorteil, da wir Liquidität an den Märkten erkennen und Anleihen schneller kaufen können.

Warum ist das gerade jetzt so wichtig?

Cornax: Liquidität ist seit der globalen Finanzkrise ein kostbares Gut an den Anleihemärkten, besonders für institutionelle Investoren. Diese müssen oft große Summen schnell anlegen. Nach der Finanzkrise haben strengere Kapitalanforderungen den Eigenhandel jedoch eingeschränkt und Banken und andere Marktteilnehmer sind jetzt weniger bereit, in geringer kapitalisierten Märkten aktiv zu werden. Das wiederum kann es institutionellen Anlegern erschweren, größere Anleihepositionen schnell und effizient zu handeln. Vor 2008 haben Börsenmakler diese Bedürfnisse bedient. Doch nun müssen unsere Händler Dutzende von Handelsplätzen überwachen, um Anlagemöglichkeiten für größere Transaktionen zu finden. In illiquiden Märkten sind diese Chancen oft kurzlebig und angesichts der Datenflut kann man sie leicht übersehen. Da kann es schnell passieren, dass die Kurse dem Anleger bereits davongelaufen sind.

Wie können intelligente Technologien dazu beitragen, genau das zu verhindern?

Cornax:: Mit Software, die alle vorhandenen Marktdaten in einer Benutzeroberfläche zusammenfasst, sehen Investmentteams verschiedene Märkte und Börsen auf einen Blick und erhalten die Verfügbarkeit und die Kurse von Anleihen in Echtzeit. So verpassen sie weniger Chancen und können den Handel zum gewünschten Preis ausführen – auch wenn die Liquidität nur kurzzeitig vorhanden ist. Außerdem werden die Prozesse beschleunigt. Es kann nämlich viel Zeit in Anspruch nehmen, einen Auftrag von ausreichender Größe zusammenzusetzen. Ein Beispiel: Um eine Summe von 500 Millionen US-Dollar anzulegen, braucht man 100 bis 200 verschiedene Anleihen. Diese zusammenzustellen und zu kaufen kann Stunden oder gar Tage dauern: Portfoliomanager und Analysten diskutieren über die besten Chancen und Trader müssen bis zu 200 Telefonate führen, um die Verfügbarkeit der potenziellen Investitionen zu ermitteln. Mit den richtigen digitalen Anwendungen können die 500 Millionen US-Dollar dagegen an einem einzigen Tag investiert werden.

Welche Rolle spielt Technologie dabei, die besten Investmentchancen zu finden?

Cornax: Mit digitalisiertem und standardisiertem Credit-Research können Investmentteams den Anlageprozess beschleunigen und verbessern. Fundamentales Research wird objektiver, wenn das Team Anleihen nach mehreren Faktoren standardisiert bewertet und anschließend zu einem Gesamtergebnis aggregiert. So können Analysten, Portfoliomanager und Händler Titel in verschiedenen Branchen und Regionen zeitnah vergleichen. Denn besonders in Extremsituationen können schon Minuten entscheidend sein, etwa wenn die Märkte unerwartet einfrieren.

Aber Digitalisierung ist doch noch nicht alles, oder?

Cornax: Nein, sie ist nur der erste Schritt. Der nächste ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI): Diese ist in der Lage, digitale Informationen über Liquidität und Research zu lesen und zu interpretieren. Im Moment nutzen wir die Software noch überwiegend für alltägliche Aufgaben, etwa für die automatisierte Zusammenstellung von Trades. Doch das Potenzial ist enorm. Denn die Algorithmen lernen durch ständige Datenanalyse. Bereits jetzt gibt es KI-Anwendungen, die aus Tausenden umlaufender Anleihen einige wenige auswählen, die bestimmte Parameter erfüllen, die die Investmentteams zuvor festgelegt haben.

Was kann der nächste Schritt sein?

Cornax: Wir glauben, dass die Software der Zukunft imstande sein wird, Märkte zu beobachten und eigenständig Chancen aufzuzeigen. Denn: Sie kann enorme Datenmengen in Bruchteilen von Sekunden verarbeiten und so Möglichkeiten und Muster identifizieren, die für den Menschen nicht erkennbar sind. Menschliche Entscheidungsträger werden immer die Strategie festlegen und Investitionsentscheidungen treffen. Aber Maschinen werden zweifellos – und eher früher als später – eine wertvolle Ergänzung für menschliche Investmentteams. (hh)

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