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29. Alpbacher Finanzsymposium im Zeichen von europäischer Standortpolitik + Fotogalerie

Das mittlerweile 29. Alpbacher Finanzsymposium ist dieses Mal unter dem Motto „Wie Europa Standortvorteile für Unternehmen schaffen will" gestanden.

Vom 7. bis 9. Oktober 2015 trafen beim mittlerweile 29. Alpbacher Finanzsymposium im idyllischen Alpbachtal, dem „Dorf der Denker" in Tirol, rund 500 Unternehmer und Topmanager aus dem Finanzmanagement der österreichischen Wirtschaft zusammen, um den Dialog mit Kollegen aus Wirtschaft und Finanz sowie Politik zu suchen. Das Symposium stand unter dem Motto „Wie Europa Standortvorteile für Unternehmen schaffen will". Fragen wie „Welche Standortvorteile brauchen unsere Unternehmen?" oder "Wieviel (Dis)-Integration braucht die EU?“ sowie „Kapitalmarktunion: Qualitätsverbriefung als Wachstumsmotor?“ standen im Mittelpunkt von Referaten, Roundtables und lebhaften Diskussionen der Teilnehmer untereinander. Die Highlights finden Sie in der Fotogalerie hier.
 
Die Ausgangslage
 
Durch die Geldpolitik der EZB ist mehr als genug Liquidität am Refinanzierungsmarkt für Banken vorhanden, jedoch kommt die Liquidität oft nicht dort an, wo sie benötigt wird. Ganz besonders trifft dies KMUs und Unternehmen in Problemregionen. Jüngste EZB-Umfragen zur Kreditvergabe haben ergeben, dass Banken ihre Vergabestandards für KMUs gelockert haben. Nur sind diese Lockerungen noch nicht ausreichend, ganz besonders dann, wenn Banken durch Basel III dazu verpflichtet sind, Bilanzrisiken zu verringern. Dadurch steht immer weniger Liquidität am Kapitalmarkt zur Verfügung. Der Regulator hat das Problem erkannt und möchte mit der Kapitalmarktunion eine Agenda für Jobs, Wachstum, Fairness und demokratischen Wandel einläutend promoten.
 
Securitisation im Fokus
 
Im Rahmen der Kapitalmarktunion (CMU) will Brüssel den Verbriefungsmarkt ankurbeln. Es scheint evident, dass sich ein wachsendes Europa über Banken derzeit nicht realisieren lässt, der Finanzdienstleistungssektor erscheint dafür prädestiniert. Die letzte Finanzkrise hat Verbriefungen stigmatisiert, warum sollen sie nun Gralsbringer sein? Im Vergleich zu den USA gibt es am Verbriefungsmarkt strukturelle Unterschiede. In Europa ist man deutlich restriktiver, die Verschuldung ist im Schnitt geringer. Mit Blick auf die europäische Lage können ABS-Verbriefungen von Unternehmensforderungen getrost vorgenommen werden. Durch vollständige Übertragung von Risiken (True Sale) könnten diese die Bankbilanzen verlassen. Dadurch würde Kapital frei, das zurück in die Wirtschaft fließen könnte.
 
CMU: Qualitätsverbriefung als Wachstumsmotor?
 
Dr. Hannes Enthofer, Partner, Finance Trainer: “Verbriefungen sind im vorgstellten CMU-Konzept der Eckpfeiler und sollen angekurbelt werden, denn über Bankkredite allein kann Europa nicht ausreichend wachsen. Man muss ein Europa schaffen, das in die Richtung des amerikanischen Marktes geht, in dem viele Kredite verbrieft sind. Wir haben in Europa bis dato andere Strukturen, nicht so viele große Unternehmen, sondern viele KMUs, Mittelständler, Familienunternehmen. Daher erscheint es der EU wichtig, Verbriefungsmöglichkeiten auch für KMUs zu schaffen, damit das Volumen zur Wachstumsfinanzierung aufgebracht werden kann."
 
Roland Faihs, CFO & COO delfortgroup AG, bestätigte, dass die großen Konzerne dank der EZB-Geldschwemme keine Probleme mit Finanzierungen hätten, sehr wohl aber KMUs und hier wieder ganz besonder jene aus Problemregionen: "Diese finden oft keinen Zugang zu Kapital und sind von der Finanzierung regelrecht abgeschnitten. Das Geld kommt derzeit nicht dort an, wo es benötigt wird. Das zweite Problem ist, dass die Banken mit Basel III dazu verpflichtet sind ihre Bilanzen zu verkürzen, und damit Risiko auszunehmen. Das wird dem Kapitalmarkt weiter Mittel entziehen. Somit sind wir in Europa gefordert, den Kapitalmarkt zu stärken und Alternativen zur Bankfinanzierung aufzubauen. Wir haben im Vergleich zu Amerika hier in Europa strukturelle Unterschiede zu beachten.”
 
Ob Europa den Abstand zur USA in Bezug auf alternative Finanzierungsquellen verringern kann, wird die Zukunft zeigen. Eile scheint jedenfalls geboten. (sk/kb)
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