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Wurden CO2-Emissionen nur ins Ausland verlagert?

Die CO2-Emissionen in Deutschland sinken nur, weil wir die Emissionen in ärmere Länder verlagern. So lautet eine immer wieder gehörte These. Doch entspricht diese auch der Wirklichkeit? Das IREF (Institute for Research in Economic and Fiscal Issues) rechnet nach.

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 Fabian Kurz, Ökonom und IREF Senior Fellow
© Fabian Kurz

Schlagzeilen und Artikel wie “CO2-intensive Produktion wandert ins Ausland ab” des Deutschlandfunks oder ”Rechnet sich Deutschland seine CO2-Bilanz schön?” bei der WDR-Sendung Quarks suggerieren dies. Ein Blick auf die Daten kann diesen Mythos allerdings widerlegen, findet Fabian Kurz, Ökonom und IREF Senior Fellow. Er forscht schwerpunktmäßig in den Bereichen Gesundheitspolitik und öffentliche Finanzen.

Konsumbasiert höhere Emissionen
Kern der Kritik sei, dass CO2-Emissionen in der Regel produktionsbasiert gemessen würden. In die deutschen Werte flössen daher Emissionen ein, die bei der Produktion von Gütern in Deutschland entstünden. Die CO2-Emissionen von importierten Waren würden dagegen nicht berücksichtigt.

Zweierlei Betrachungsweisen: produktions- oder konsumorientiert 
Tatsächlich unterscheiden sich die deutschen CO2-Emissionen je nachdem, ob sie produktions- oder konsumorientiert gemessen werden. So lagen die CO2-Emissionen pro Kopf vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019 nach der produktionsbasierten Betrachtungsweise bei 8,5 Tonnen pro Kopf, sagt Kurt. "Die konsumbasierte Berechnung ergibt dagegen einen Wert von 9,9 Tonnen CO2 pro Kopf. Die Kritik erscheint daher zunächst plausibel, da tatsächlich der CO2-Ausstoß konsumbasiert knapp 16 Prozent über der üblichen Berechnungsweise liegt."

Deutschlands CO2-Emissionen sinken
Zwar liegen die konsumbasierten CO2-Emissionen tatsächlich über den produktionsbasierten CO2-Emissionen, doch daraus kann keinesfalls abgeleitet werden, dass die Emissionen über die Zeit nur auf Grund von Verlagerungen sinken würden. Es zeigt sich vielmehr, dass die Emissionen nach beiden Berechnungsverfahren seit der Wiedervereinigung deutlich gesunken sind. Kurt: "So reduzierten sich die produktionsbasierten Pro-Kopf-Emissionen von 13,3 Tonnen im Jahr 1990 auf 8,5 Tonnen im Jahr 2019, eine Reduktion von über einem Drittel. Wäre diese Reduktion vor allem auf CO2-Verlagerungen zurückzuführen gewesen, dann müssten entsprechend die konsumbasierten pro-Kopf-Werte gestiegen sein. Doch das Gegenteil ist der Fall. Auch die konsumbasierten Pro-Kopf-Emissionen sind um ein knappes Drittel gefallen, nämlich von 15 Tonnen auf 9,9 Tonnen."

Erfolgsmodell EU-Emissionshandel
Die Daten zeigen, dass die Reduktion der CO2-Emissionen echte Erfolge sind und bisher die Verlagerung von CO2-Emissionen kaum eine nennenswerte Rolle gespielt haben. Zu diesem Erfolg hat maßgeblich der europäische Zertifikatehandel beigetragen, der unter anderem für die energieintensive Industrie gilt. Dieser stellt sicher, dass die von der Politik vorgegebene Reduktion der CO2-Emissionen in jedem Fall und mit geringstmöglichen Ressourceneinsatz erreicht wird.

Aber Wachsamkeit ist gefragt
Auch wenn bisher CO2-Verlagerungen ins Ausland höchstens eine untergeordnete Rolle gespielt haben, muss dies für die Zukunft nicht gelten. "Je höher die Kosten der CO2-Vermeidung in Deutschland und der EU sind, desto größer wird die Gefahr, dass doch CO2-intensive Produktion ins Ausland verlagert wird. Es ist daher dringend geboten, auf besonders effizienten und damit günstigen Klimaschutz zu setzen, wie etwa durch eine Ausweitung des Zertifikatehandels", findet Fabian Kurz. (kb)

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Über  IREF:
IREF (Institute for Research in Economic and Fiscal Issues) wurde im Jahre 2002 gegründet. Mitglieder der Zivilgesellschaft aus Wissenschaft und Wirtschaft haben IREF ins Leben gerufen, um unabhängiger Forschung zu fiskalischen und wettbewerblichen Fragestellungen eine Plattform zu bieten. IREF ist politisch unabhängig und erfährt keinerlei Förderung durch die öffentliche Hand. Man veröffentlicht wissenschaftliche Studien und Berichte, verlegt Bücher, betreibt eine mehrsprachige Website und vertreibt regelmäßige Newsletter auf Deutsch, Englisch und Französisch. Dabei werden Themen der Fiskal-, Umwelt-, Gesundheits-, Arbeitsmarkt-, Wohnungsmarkt-, Sozial-, und EU-Politik aus der Perspektive von Ökonomen, Soziologen, Rechts- und Politikwissenschaftlern beleuchtet.

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