Worüber Nobelpreisträger Robinson am IM-Kongress 2026 referierte
In der ersten Keynote Speech des Institutional Money Kongresses 2026 erörterte der Nobelpreisträger James A. Robinson, von welchen Faktoren der Aufstieg und der Niedergang von Gesellschaften abhängt und welche Implikationen dies auf Länder wie Deutschland hat.

Der erste Tag des 17. Institutional Money Kongresses im Frankfurter Congress Center startete gleich mit einem absoluten Highlight. Der Wirtschaftsnobelpreisträger des Jahres 2024, James A. Robinson, Professor an der University of Chicago, ging in seinem Vortrag mit dem Titel „Why we rise, why we fall“ der für Langfristinvestoren wichtigen Frage nach, warum Gesellschaften an Wohlstand gewinnen, während andere Gesellschaften respektive Länder weniger erfolgreich sind oder gar zu „gescheiterten Staaten“ mutieren.
Laut dem Professor hängt der Erfolg von Gesellschaften unter anderem sehr stark davon ab, inwieweit die einzelnen Bürger ausreichend Anreize haben, nach Erfolg zu streben und damit Wohlstand zu schaffen. Robinson führte in seinem Vortrag als Beispiel den Patentschutz an: Gegen Zahlung einer Gebühr können sich Erfinder ihre Innovationen, die in der Regel viel an Geld und Zeit kosteten, gegen unliebsame Nachahmer juristisch absichern und so von ihren Erfindungen alleine profitieren. Das kommt am Ende des Tages der Gesellschaft als Ganzes zu Gute, weil Innovationen gefördert werden. Voraussetzung dafür ist jedoch eine dahinterstehende Institution, die diesen Rechtsrahmen schafft.
Dieses Beispiel veranschaulicht die Kernbotschaft von Prof. Robinson, für die er seinen Nobelpreis erhalten hat: Der Aufstieg und Fall von Nationen hängen insbesondere von den Ausgestaltungen ihrer Institutionen ab.
Starke Bürger, starker Staat
Wenn Staaten (Institutionen) möglichst vielen ihrer Bürger eine gleiche, faire und freie Teilhabe am Wirtschaftsprozess, aber auch am politischen Entscheidungsprozess ermöglichen („Inklusion“), und dies beispielsweise über starke Eigentumsrechte und Bürgerrechte absichern, werden Staaten immer wohlhabender.
Jene Staaten, die ihre Bürger hingegen von der Teilhabe ausschließen („Exklusion“), verlieren im Laufe der Zeit an wirtschaftlicher Dynamik und Innovationskraft gegenüber ihren Konkurrenten.
Armenhäuser kosten Deutschland Geld
Robinson führte an dieser Stelle das Beispiel Nordkorea an. Dieses Land unterdrückt seine Bevölkerung und gilt als Armenhaus Asiens. Mangels ausreichender Kaufkraft fällt Nordkorea für Exportländer wie Deutschland als Kunde aus. Hätte Nordkorea bessere Institutionen, wäre es reicher und wäre für deutsche Exportunternehmen interessanter.
Wenn man Nordkorea mit seinen schwachen Institutionen seinem unmittelbaren Nachbarn Südkorea gegenüberstellt, zeigt sich Richtigkeit von Robinsons Argumenten.
Im Laufe des weiteren Vortrages wies Robinson u.a. darauf hin, dass institutionelle Veränderungen in der Regel nicht schleichend, sondern meistens über Wellenbewegungen erfolgen. Dabei sind auch „Gegenwellen“ möglich.
Gegenbewegungen
Ein Beispiel dafür könnte der Aufstieg von US-Präsident Donald Trump und seiner „MAGA“-Bewegung sein: Die weiße Arbeiterschaft in den USA konnte statistisch gesehen ihre reale Kaufkraft seit Jahrzehnten nicht, oder nur marginal steigern und fühlt sich von den größten Teilen ihrer Politiker weder gehört noch ernst genommen. Das kann man durchaus als „Exklusion“ betrachten. Schlussendlich resultierte der Frust der wirtschaftlich Abgehängten in zwei überraschen hohen Wahlsiegen von Donald Trump. „Die Demokratie hat in den USA vielen Leuten seit 50 Jahren nur wenig gebracht“, merkte Robinson an.
Im Ergebnis werden die US-Amerikaner ihre derzeitigen institutionellen Probleme aber erfolgreich lösen. Im Unterschied zu früher könnten sich die Amerikaner aber mehr um interne, denn um weltweite Probleme kümmern wollen. Auf diese neue Ära sollten sich Länder wie Deutschland einstellen.
Deutschland hat viele Vorzüge und Chancen
Wirtschaftsprofessor Robinson empfiehlt Deutschland, sich auf seine eigenen Stärken zu konzentrieren und weiterhin auf seine inklusiven Institutionen und Traditionen (zu der auch die soziale Marktwirtschaft gehört), zu vertrauen: „In Deutschland sind wirklich einige Dinge, die es zu einerseits zu bewahren gilt, aber auch neu zu gestalten sind.“
Deutschland wie auch die Eurozone sollten die aktuellen Krisen als Chance sehen und sich neu erfinden. Ein Werkzeug dafür sei die Künstliche Intelligenz, die neue Opportunitäten schafft und Europas Produktivitätsproblem lösen könnte. „Das muss aber in einer arbeitnehmerfreundlichen Weise erfolgen – aber das steckt in Ihrer DNA!“, rief der Professor ins Publikum.
Abschließend empfahl Robinson Deutschland, sich auf der Weltbühne „komplementär“ denn „konfrontativ“ zeigen, um zu reüssieren. (aa)

