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Wertpapierleihe ist weniger harmlos als behauptet

Viele Fondsmanager verleihen Aktien aus ihrem Portfolio an andere Finanzakteure. Ihr Tun verteidigen sie mit Verweis auf die geringen Risiken und die zusätzlichen Einnahmen. Doch ein Experte von Baillie Gifford warnt vor verstecken Nebenwirkungen.

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Die bei Fonds oder anderen professionellen Investoren gängige Praxis der Wertpapierleihe birgt viele unerwünschte Nebeneffekte, die übersehen werden. Dies schreibt Scott Nisbett, Partner des Fondsanbieters Baillie Gifford, in einem Positionspapier. Zur Erklärung: Bei der Wertpapierleihe händigen Manager die Papiere, die in ihren Fonds liegen, für eine gewisse Zeit an andere Finanzmarktteilnehmer aus – gegen eine Gebühr. Mit diesen Einnahmen peppen die Portfoliolenker ihre Performance auf. Als Sicherheit erhalten die Fonds für die entliehenen Titel meist Geldmarktpapiere.

Nisbett hat sich das Verfahren genauer angesehen und argumentiert, dass dieses Gebaren eigentlich nicht mit dem Verständnis eines Fondsmanagers als Treuhänder vereinbar sei. Denn ein Teil der Einnahmen aus der Wertpapierleihe fließt gar nicht in das Sondervermögen, stattdessen streichen die Asset Manager die Erträge für sich ein. Obendrein verlangen die Fondsmanager von ihren Anlegern sogar noch eine Gebühr dafür, dass sie die Sicherheit, auch Collateral genannt, auswählen und verwalten. Diese Abgabe sei auch nur "im Kleingedruckten" zu finden, so Nisbett.

Kurzfristigen Spekulanten in die Hände gespielt
Weiterhin widerspreche die Wertpapierleihe der Philosophie von langfristigen Investoren – als die sich Fondsmanager gerne geben. Denn für die Zeit, in der die Aktien verliehen sind, übt der Ausleiher die Stimmrechte aus. Es sei mitunter schwierig für die tatsächlichen Besitzer, die verliehenen Aktien rechtzeitig zum Hauptversammlungstermin zurückzurufen, berichtet Nisbett. Gerade bei kurzfristig anberaumten, außerordentlichen Aktionärstreffen könnten die Papiere nicht immer fristgerecht zurückgefordert werden, um an der Stimmabgabe teilzunehmen.

Dies führe zu der kuriosen Situation, dass über wichtige Fragen, die die Zukunft eines Unternehmens betreffen, nicht die eigentlichen Eigner mitentscheiden, sondern die kurzfristigen Ausleiher. Und zu den Entleihern von Wertpapieren zählen obendrein meist Spekulanten, die auf fallende Aktienkurse wetten. Also gerade diejenigen, die den Niedergang des jeweiligen Unternehmens herbeiwünschen, reden bei wichtigen Entscheidungen mit.

Stimmrechte für Angreifer
Als Beispiel führt der Experte die Aktie des Elektroauto-Herstellers Tesla an, die von Short-Sellern attackiert wurde und wird. Über die Wertpapierleihe räumen ausgerechnet die langfristig orientierten Tesla-Investoren den Zugriff auf das Unternehmen ein. "Da diese zeitweiligen Eigner der Aktie Übles wünschen, halten wir es für überaus irritierend, dass so viele Aktien von Fondsanlegern in solchen Händen landen", wettert Nisbett.

Daneben verweist der Baillie-Gifford-Mann noch auf die Risiken, die mit der Wertpapierleihe einhergehen. So könne die Gegenpartei pleitegehen und sich die Sicherheit als nicht so werthaltig erweisen, wie gedacht. Diese Gefahren seien zwar gering und behrrschbar, räumt Nisbett ein. Doch er stellt diesen Risiken die Einnahmen gegenüber, welche die Wertpapierleihe einbringt.

Magerer Zusatzertrag
Nisbett zieht dazu öffentliche Angaben eines US-Asset-Management-Giganten heran, den er "Rocher-Noir" nennt. Der Schotte rechnet vor, dass mehr als die Hälfte der des Fondssortiments des Branchengiganten weniger als 0,01 Prozent ihrer Rendite durch das Leihgeschäft erzielen. Bei einem Drittel seien es zwischen 0,01 und 0,05 Prozent, nur bei einem Bruchteil der Fonds bezifferten sich die Rendite aus der Leihe auf mehr als 0,1 Prozent. Nisbetts Fazit: Die Wertpapierleihe lohnt sich nicht – zumindest nicht für Fondsanleger. Der staatliche Pensionsfonds Japans, GPIF, zog nun Konsequenzen und hat jüngst entschieden, keine Wertpapierleihe mehr zu betreiben. (ert)

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