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Wenn linke Parteien Wahlen gewinnen, verlieren Aktionäre Milliarden

Ein kürzlich publiziertes Forschungspapier hat untersucht, wie der Ausgang von Parlaments- und Präsidentschaftswahlen weltweit die Finanzmärkte beeinflusst. Das Ergebnis ist im ersten Monat deutlich.

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Ökonom Daniele Girardi, Assistant Professor am Economics Department der University of Massachusetts in Amherst
© Daniele Girardi

Intuitiv haben wir alles es immer schon gewusst: Wenn linke Parteien Wahlen gewinnen, dann gehen die Aktienkurse südwärts. Nun konnte ein Kapitalmarktforscher der Universität Massachusetts diesen bislang nur vermuteten Effekt erstmalig auf globaler Ebene nachweisen.

Ein linker Wahlsieg kostet im Monat nach der Wahl zweistellig Performance
Der Ökonom Daniele Girardi, Assistant Professor am Economics Department der University of Massachusetts in Amherst, hat den Einfluss von 758 Wahlgängen zwischen 1945 und 2018 untersucht. Das Ergebnis seiner soeben im «American Economic Journal: Applied Economics» veröffentlichten Studie mit dem Titel "Partisan Shocks and Financial Markets: Evidence from Close National Elections" fällt klar und statistisch signifikant aus, wie die NZZ schreibt: Im ersten Monat nach einem linken Triumph an der Urne fielen die Kurse im Schnitt um 13 bis 15 Prozent (siehe Grafik) im Vergleich mit Wahlen, bei denen Mitte-rechts-Parteien siegten. Die Aktionäre verlören in der kurzen Frist Milliardenbeträge. Schon am Nachwahltag komme es zu Rückgängen in der Größenordnung fünf bis sieben Prozent. Keinen Effekt habe Girardi hingegen auf die Renditen von Staatsanleihen identifizieren können.

Abnormale Renditen nach linken Wahlsiegen

Quelle: Studie

Es gilt: Je radikaler das Wahlprogramm, desto größer die Kurseinbußen
Historisch gibt es bemerkenswerte Beispiele für große Kurseinbrüche an den Aktienmärkten nach Erfolgen linker Parteien.Man betrachte nur die Wahl von Salvador Allende in Chile im Jahr 1970 oder den Triumph von François Mitterrand 1981, wonach die französische Börse damals innerhalb von zwei Tagen um 20 Prozent zurückfiel. Der Einbruch war unter anderem eine Folge von Mitterrands Wahlkampfankündigung, Schlüsselindustrien zu nationalisieren.

Je interventionistischer, desto stärker fallen die Kurse
Die Abneigung der Börse gegenüber sozialdemokratischen, sozialistischen und ökologischen Parteien ist laut Girardis Studie besonders dann groß, wenn die Gewinnerkoalition eine interventionistische Wirtschaftspolitik verfolgt, tendenziell Steuern erhöht und Eigentumsrechte einschränkt. Auch die Sorge vor einer erhöhten Inflation dürfte eine Rolle spielen.

Umgekehrt gilt: Je marktfreundlicher Mitte-links-Parteien sind, desto weniger gravierend ist der nachfolgende Einbruch. Besonders ausgeprägt ist der Effekt auch in Schwellenländern, wo sich die politische Führung in der Regel weniger institutionelle Schranken für radikale Reformen gegenübersieht.

Erwartungshaltung: Wie knappe Wahlsiege die Börse beeinflussen
In seiner Studie hat sich Girardi auf Parlaments- und Präsidentschaftswahlen mit knappen Resultaten fokussiert. Die Differenz zwischen dem Wähleranteil von Siegern und Verlierern beträgt in diesen Fällen weniger als zehn Prozent. Damit vermeidet er einen Fehler, dem andere Ökonomen in ihren Studien zum Opfer gefallen sind: Bei Wahlen mit klarer  Ergebnisprognose lässt sich der Effekt eines linken Wahlsiegs auf die Börsenkurse nicht identifizieren, weil die Finanzmärkte das Wahlergebnis schon antizipiert haben. Ein typisches Beispiel des Erwartungseffekts ereignete sich im Jahr 2002, als die Erwartung des Wahlsiegs von Lula da Silva in Brasilien zu einem starken Einbruch der Aktienmärkte führte und Kandidat Lula  sich gezwungen sah, in einem offenen Brief von einer allzu radikalen Wirtschaftspolitik abzugehen.

Bei knappen Wahlsiegen von Mitte-Rechts gehen die Kurse nordwärts
Dieser Umkehrschluss gelte ebenfalls, soll Girardi im Gespräch mit der NZZ gesagt haben.  Beispiel hiefür sei die Wahl Trumps im November 2016 gewesen. Als der Unternehmer überraschend die Präsidentschaftswahl gegen Hillary Clinton gewonnen habe, hätten die weltweiten Finanzmärkte nur anfangs nervös reagiert. Nach Trumps Rede seien die Aktienindizes in den Tagenund Wochen nach den Wahlen wieder gestiegen, schließlich erwarteten die Börsenprofis ein typisch republikanisches Programm mit Steuersenkungen und Deregulierungsschritten. 

Implikationen für den 3. November
Für den Fall eines Wahlsiegs von Biden erwarte Girardi im ersten Monat keinen starken Börseneinbruch, so die NZZ weiter. Sollte der Amtsinhaber gewinnen, sei es fraglich, ob dies ein gutes Omen für die Börse wäre, denn Trumps Wirtschaftspolitik gefalle zwar den  Marktakteuren, sein schlechtes Pandemie-Management hingegen törne hingegen ab. 

Langfristig dominiert Anderes an der Börse
Betrachtet man einen ein- bis zweijährigen Anlagehorizont nach den Wahlen, ließen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Performance der Aktienmärkte nach linken oder rechten Wahlsiegen erkennen. Denn auf lange Sicht dominierten nun einmal strukturelle volkswirtschaftliche Faktoren, so Girardi. (kb)

 

 

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