Warum Strategie wichtiger als Timing ist
Die Krisenliste ist lang. Dennoch hat sich der globale Aktienmarkt in diesem Zeitraum verdreifacht. Kein Zufall, sondern ein Lehrstück in langfristigem Denken. Wer sich von Schlagzeilen treiben lässt, verpasst oft das Wesentliche: Wichtiger als Timing ist der Aufbau eines resilienten Portfolios.
Eckpunkte:
- Stringenter Investitions- und Risikomanagementprozess unabdingbar
- Langfristtrends verfolgen statt im Nebel von Schlagzeilen zu stochern
- Diversifikationspotentiale nutzen und Portfolioresilienz erhöhen
Dr. Timo Klett und Martin Möller, Co-Heads des Bereichs Institutional bei HQ Trust, haben analysiert, worauf es in diesem Umfeld wirklich ankommt – und wo Investoren schnell den falschen Hebel ansetzen können. Denn auch aktuell sorgen geopolitische Verwerfungen wie die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sowie der technologische Umbruch durch künstliche Intelligenz für Verunsicherung - auch in Gremien und Anlageausschüssen.
Mit Unsicherheit bei der Kapitalanlage leben
Martin Möller schaut auf die aktuelle Situation: „Wir befinden uns in einer Phase, in der mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig wirken: Geopolitische Risiken, Unsicherheiten rund um Inflation und Zinsen sowie gestiegene Finanzierungskosten.Jeder Punkt für sich genommen kann schon Druck erzeugen und dazu führen, dass Investoren ihre Portfolios oder Einzelpositionen hinterfragen. Wer jeden Tag auf die Schlagzeilen schaut, übersieht schnell langfristige Trends. Der MSCI?ACWI hat sich seit 2016 verdreifacht – trotz Brexit, Covid?Crash und Ukraine?Krieg. Auch andere Anlageklassen konnten stark zulegen.“

Langfristtrends jenseits der Schlagzeilen zählen
Klett und Möller weiter: „Es geht darum, Geopolitik einzuplanen und nicht zu fürchten: Niemand kann Szenarien sicher vorhersagen. Aber man kann das Portfolio so aufstellen, dass man in keinem Szenario existenziell getroffen wird. Diversifikation wirkt hier als eine Art Stoßdämpfer: Wenn Allokation und Risikomanagement stimmen, verlieren einzelne Fehlentscheidungen an Bedeutung.“
Worauf Investoren achten sollten
Das erklärt Dr. Timo Klett: „Von großer Bedeutung ist, dass die Kapitalanlagestruktur, die Prozesse, die Diversifikationspotentiale und die Risikotreiber eines Portfolios regelmäßig analysiert werden. Dabei sollten Investoren die richtigen Fragen stellen: Passt die Strategische Asset Allokation (SAA) zu meiner Risikotragfähigkeit? Ist die Gesamtallokation breit diversifiziert? Sind meiner Anlage- und Risikomanagementprozesse klar strukturiert? Gibt es Klumpenrisiken? Das sind die Stellschrauben, an denen man drehen kann und sollte.“
Portfolioresilienz und stabile Prozesse verhelfen zum Langfristerfolg
„Wenn die Prozesse klar definiert sind und stimmen, verlieren in einem breit diversifizierten Portfolio einzelne Investments, die man im Nachhinein lieber nicht getätigt hätten, an Bedeutung“, so Klett weiter. „Dennoch bleibt die Prüfung einzelner Investitionen wichtig. Sie sollte allerdings Teil eines stringenten Investitions- und Risikomanagementprozess sein.“
„Suchen Sie sich einen Partner, der diese Fragen mit Ihnen ehrlich diskutiert – nicht jemanden, der Ihnen sagt, was Sie hören wollen.“ (kb)


