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Vontobel: Warum für Nachhaltigkeitsanleger ein PAE-Ansatz sinnvoll ist

Nachhaltigkeitsanalyst Matthias Fawer von Vontobel Asset Management erklärt angesichts der derzeitigen Klimakonferenz in Polen, warum ein PAE-Ansatz (“Potential Avoided Emissions“) gegenüber produktionszentrierten Nachhaltigkeitsansätzen im Vorteil ist.

Matthias Fawer, PhD, Senior ESG & Impact Analyst, Sustainable & Thematic Boutique, Vontobel Asset Management
Matthias Fawer, PhD, Senior ESG & Impact Analyst, Sustainable & Thematic Boutique, Vontobel Asset Management
 
© Vontobel AM

Dr. Matthias Fawer, Senior ESG & Impact Analyst, Sustainable & Thematic Boutique, Vontobel Asset Management, erklärt in einem “Institutional Money” exklusiv vorliegenden Gastbeitrag, warum die von seinem Haus und ISS-climate gemeinsam entwickelte PAE-Methode („potential avoided emissions) institutionellen Investoren Vorteile bei der Aufstellung nachhaltiger Portefeuilles bietet:

„Make our planet great again“– mit diesen Worten reagierte Emmanuel Macron vor nicht allzu langer Zeit scherzhaft auf die Entscheidung eines gewissen US-Präsidenten, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. Der Aufruf des französischen Präsidenten ist nach wie vor berechtigt, wie auch ein jüngst erschienener Bericht der Vereinten Nationen verdeutlicht, in dem strenge Emissionskontrollen gefordert werden. Angesichts dessen hat sich die Bedeutung der diesjährigen Klimakonferenz im polnischen Katowice noch erhöht.

Das in Südpolen gelegene Katowice besitzt eine lange Kohlebergbautradition und könnte damit als Veranstaltungsort für den Klimagipfel der Vereinten Nationen vom 3. bis 14. Dezember nicht besser gewählt sein. Die Hauptstadt der umliegenden mineralreichen Woiwodschaft Schlesien hat für sich und das von ihr verwaltete Gebiet umfassende Schritte unternommen, um die düstere industrielle Vergangenheit abzuschütteln. So wurde heruntergekommenen Gebäuden ein frischer Anstrich verpasst und uralte Minen wurden geschlossen. Doch Bełchatów, eines der umweltschädlichsten Kohlekraftwerke der Welt, ist nur 160 Kilometer entfernt. Dies macht Katowice zu einem Symbol dafür, dass lokale Maßnahmen zur Umweltverbesserung im größeren Kontext betrachtet wenig zählen.

Unterdessen dreht sich die Welt weiter – und verbrennt aufgrund des wachsenden Energiebedarfs immer mehr Kohle, Öl und Gas. Um eine gute Vorstellung der Folgen zu bekommen, müssen Sie sich bloß die diesjährigen Waldbrände oder Hurrikane in Kalifornien, Florida oder Teilen Europas vor Augen führen. Langsam dämmert es der Politik, dass die vor drei Jahren in Paris vereinbarte 2-Grad-Grenze für die globale Erwärmung – eher eine Leitlinie als ein verbindliches Ziel – nicht ausreicht.

Ein kürzlich erschienener Bericht des von den Vereinten Nationen unterstützten Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) hat diesen Punkt angesprochen. Selbst wenn „schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft“ die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Zeiten begrenzen, würde der Klimawandel die schwächsten Regionen treffen und der Meeresspiegel trotzdem weiter ansteigen, stellte das IPCC fest. Die Auswirkungen wären jedoch weniger verheerend, falls die Begrenzung erfolgreich wäre (was auch nicht gerade ermutigend klingt).

Der Bericht des IPCC wird als wissenschaftlicher Beitrag zur Überprüfung des Pariser Abkommens durch die Teilnehmer von Katowice dienen. Wird die Konferenz also letztendlich als Impulsgeber für eine kohlenstoffärmere Zukunft dienen?

Das kommt maßgeblich auf das Ergebnis der Konferenz an. Internationale Regierungsinitiativen haben eine große Relevanz für die Debatte über den Klimawandel denn immerhin können Regierungen Maßnahmen durchsetzen, um ganze Länder umweltfreundlicher zu machen. Im Rahmen der Initiative „Fight for Blue Sky“ der chinesischen Regierung müssen beispielsweise die Haushalte in einigen der am stärksten verschmutzten Städte bis 2020 auf Kohle zu Heizzwecken verzichten und stattdessen mit alternativen Energiequellen wie Strom oder Gas heizen.

Gleichzeitig ist seit einigen Jahren jedoch eine Leistungsverschiebung (Power Shift) zugunsten regionaler Regierungen und innovativer Firmen zu beobachten, die mit ihrer Dynamik bei Maßnahmen zur Klimarettung internationale Initiativen zu überholen scheinen. Denn es sind zunehmend regionale Anstrengungen und Clean-Tech-Unternehmen, die den Übergang unserer Gesellschaft zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft gestalten und voranbringen. Zum einen setzen Städte und Gemeinden ihre eigene Klimawandel-Agenda, indem sie in ihre Infrastruktur investieren, um so eine umweltfreundlichere Nutzung der bestehenden Strukturen zu ermöglichen. Zum anderen werden die Produkte und Lösungen zur Verringerung des wirtschaftlichen Kohlenstoffausstoßes von Clean-Tech-Unternehmen immer wettbewerbsfähiger. Wir sind also Zeuge eines kontinuierlichen Wachstums von innovativen, klimafreundlichen Unternehmen, die den Wandel hin zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft vorantreiben – und zwar losgelöst von der internationalen Agenda. Wenn dieser Wandel dann noch zusätzlich Rückenwind von der internationalen Gemeinschaft bekommt, umso besser.

Aktienauswahl anhand des CO2-Einsparpotenzials
Zweifellos wird der Geruch brennender Kohle nicht so schnell aus Polen oder Schwellenländern wie Indien verschwinden. Ihre Abhängigkeit von dieser Ressource für die Stromerzeugung ist derzeit zu groß. Was nach Katowice 2018 zählt, sind staatliche Entscheidungen, wissenschaftliche Forschung und Unternehmenslösungen. Auch Asset Manager können im Rahmen ihrer Möglichkeiten durch die Auswahl der richtigen Investmentstrategie nachhaltige Clean-Tech Champions unterstützen.

Als aktiver Vermögensverwalter betrachten wir jeden Portfoliokandidaten auch hinsichtlich Nachhaltigkeit, um sein Potenzial und seine Risiken zu bewerten. Die Methode, die wir gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen ISS-climate entwickelt haben, nennt sich „potential avoided emissions“, kurz PAE. Um die Nachhaltigkeitsleistung der Portfoliokandidaten zu messen, bitten wir diese, Daten zur Berechnung der vermiedenen Emissionen im Vergleich zu einem konventionellen Produkt zur Verfügung zu stellen. Wichtig ist, dass die Methode nicht nur auf der Produktionsstufe, sondern auf dem gesamten Lebenszyklus eines Produkts basiert. Wir glauben, dass diese ganzheitliche Sichtweise PAE zu einem wertvolleren Indikator macht als die produktionszentrierte, aber dennoch weit verbreitete Methode des Carbon Footprint.

Die Ergebnisse des PAE-Berichts 2018 verdeutlichen diesen Punkt. Im Bereich der sauberen Technologie beliefen sich die potenziell vermiedenen Emissionen auf 1.004.745 Tonnen Kohlendioxid, verglichen mit 26.066 Tonnen, gemessen nach dem Carbon-Footprint-Verfahren. Mit anderen Worten, die Produkte und Dienstleistungen der von uns beobachteten Unternehmen – Canadian Solar, Saint-Gobain und Siemens Gamesa, um die wichtigsten zu nennen – vermieden oder sparten durch ihre Nutzung (PAE-Methode) 40-mal mehr CO2 ein, als für ihre Produktion emittiert wurden (Carbon Footprint Methode).

Ist das Potenzial zur Vermeidung von Emissionen also ein solides Fundament, auf dem ein Portfolio aufgebaut werden kann? Die Methodik der Datenerhebung ist unserer Meinung nach einwandfrei, da unser Partner ISS-climate über umfangreiche Erfahrungen in diesem Bereich verfügt. Um die globale Erwärmung zu begrenzen, braucht es neben staatlichen Initiativen auch innovative Unternehmen, die die richtigen Produkte und Dienstleistungen anbieten. Diese Fähigkeit zu ökologisch nachhaltiger Innovation wird sich in der Performance ihrer Aktien widerspiegeln und somit auch ihren Investoren zugutekommen. Welche konkreten Ergebnisse Katowice tatsächlich bringen wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall wird die Aufmerksamkeit auch der Investoren wieder auf innovative Lösungen gesenkt, deren Rendite nicht allein monetärer Natur ist.“


Veranstaltungshinweis:
Am 12. Institutional Money Kongress, der von 26. bis 27. Februar 2019 stattfindet, gibt es im Rahmen von "IM Spezial" eine mit Spannung erwartete Podiumsdiskussion über die Umsetzung von ESG in der Kapitalanlage.

Weitere Informationen und eine Anmeldemöglichkeit dazu finden Sie nachfolgend: 

 

 

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