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Vermögen von Pensionseinrichtungen erstmals seit 2008 rückläufig

Das verwaltete Vermögen der 300 größten Pensionsfonds weltweit ist 2015 um 3,4 Prozent geschrumpft. Das zeigt eine Studie von Willis Towers Watson und dem US-Finanz- und Wirtschaftsmagazin „Pensions & Investments“. Für diesen Rückgang – der erste seit der Finanzkrise – gibt es gute Gründe.

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Nigel Cresswell, verantwortlich für das Investment Consulting bei Willis Towers Watson Deutschland: „Angesichts der ständig steigenden Verbindlichkeiten sind die durchschnittlichen Resultate als schwierig anzusehen. Sie offenbaren die Herausforderungen mit denen Pensionseinrichtungen konfrontiert sind, um ihre Ziele in einem Niedrigzinsumfeld zu erreichen.“ Redaktioneller Hinweis: Die Rankings der größten Pensionseinrichtungen - inklusive die Listung der deutschen Adressen - finden Sie in nachfolgender Klickstrecke.
 
© WTW

Die weltweit 300 größten Pensionseinrichtungen haben für 2015 auf US-Dollar-Basis gerechnet einen Rückgang ihrer verwalteten Assets verzeichnet. Damit ist das Gesamtvermögen zum ersten Mal seit Ausbruch der Finanzkrise wieder rückläufig. Das geht aus einer gemeinsamen Studie von Willis Towers Watson und dem US-Finanz- und Wirtschaftsmagazin „Pensions & Investments“ hervor. 2015 sind die verwalteten Vermögen um 3,4 Prozent auf 14,8 Billionen US-Dollar gefallen. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor stiegen die Assets um 3,4 Prozent. Im Krisenjahr 2008 war das Gesamtvermögen um 12,6 Prozent auf 10,4 Billionen US-Dollar gesunken und legte von 2010 bis Ende 2015 kumuliert um fast 19 Prozent zu. Für den Rückgang 2015 verantwortlich sind mehrere Faktoren. Einerseits eine Aufwertung des US-Dollars gegenüber vielen anderen Währungen, die bei US-Pensionseinrichtungen zu Abschreibungen von ausländischen Assets führten. Hinzu kamen laut Willis Towers Watson niedrigere Wachstumsraten in den Schwellenländern sowie die folgenden Auswirkungen einer höheren Volatilität.

„Angesichts der ständig steigenden Verbindlichkeiten sind die durchschnittlichen Resultate als schwierig anzusehen. Sie offenbaren die Herausforderungen mit denen Pensionseinrichtungen konfrontiert sind, um ihre Ziele in einem Niedrigzinsumfeld zu erreichen“, erläutert Nigel Cresswell, verantwortlich für das Investment Consulting bei Willis Towers Watson Deutschland. Cresswell ortet Beratungsbedarf: „Die Optimierung von internen Prozessen, der effizientere Einsatz von Ressourcen sowie Kompetenzen sei nun eine wesentliche Voraussetzung, um dem zu begegnen. „Immer mehr Einrichtungen überprüfen entsprechend ihre internen Abläufe, um die Effektivität der Organisation zu verbessern.“

Dickschiffe repräsentieren 42 Prozent aller Assets
Insgesamt haben die 300 größten Pensionseinrichtungen, zu denen Pensionskassen, Pensionsfonds, Versorgungswerke, Unterstützungskassen und Contractual Trust Arrangements (CTA) zählen, im vergangenen Jahr zusammen 42 Prozent aller Vermögen für die Altersversorgung ausgemacht. Laut der Global Pension Asset Study (GPAS) von Willis Towers Watson verwalten alle Pensionseinrichtungen weltweit per Ende 2015 35,3 Billionen US-Dollar.

Nach Typen unterteilt machen leistungsorientierte Pensionspläne („Defined Benefit Plan“) zwar zwei Drittel des verwalteten Vermögens aus. Hybrid-Pläne, also Pensionsfonds die sowohl Komponenten von leistungsorientierten und beitragsorientierten Pensionsplänen beinhalten, verzeichneten aber im vergangenen Jahr als einzige ein Wachstum. Hybrid-Pläne legten um fast 14 Prozent zu. Ihr Anteil liegt macht aber insgesamt knapp ein Prozent aus.

USA dominieren
Insgesamt nach Herkunftsländern betrachtet machen die USA mit 38,3 Prozent den höchsten Anteil am Gesamtvermögen der 300 größten Pensionseinrichtungen aus. Allerdings sind die Vereinigten Staaten mit 131 Fonds auch am stärksten vertreten. Europa folgt auf Platz zwei mit 27,6 Prozent und die Region Asien-Pazifik macht rund ein Viertel aus. Mit Blick auf die Anzahl unter den größten 300 sind mit 27 die meisten Pensionseinrichtungen Europas in Großbritannien heimisch. In der Euro-Zone liegen die Niederlande mit zwölf Einrichtungen an der Spitze. Aus Deutschland sind neun Einrichtungen vertreten. Diese machen 1,5 Prozent aus am Gesamtvermögen der Top 300 aus und liegen damit 0,1 Prozentpunkte vor der Schweiz.

Deutsche Pensionseinrichtungen verlieren im Ranking an Bedeutung
„Beim Erwirtschaften von Renditen stehen deutsche Investoren wegen der strengeren regulatorischen und steuerlichen Vorschriften vor größeren Hürden“, erklärt Cresswell. Dies schränke ihre Möglichkeiten im Vergleich mit anderen internationalen Investoren ein. „Es wäre wünschenswert, wenn auch deutsche Investoren in der Lage wären, ein größeres Spektrum an Anlagemöglichkeiten zu nutzen. Damit wäre gewährleistet, nicht nur dass sie im internationalen Vergleich Schritt halten können, sondern auch ihre langfristigen Ziele effizienter erreichen können.“

Die größte deutsche Pensionseinrichtung, die Bayerische Versorgungskammer, belegt mit 71,71 Millionen US-Dollar weltweit Platz 37. Waren 2013 elf und 2014 noch zehn deutsche Einrichtungen in dem Ranking vertreten, sind es im vergangenen Jahr lediglich neun gewesen. Nicht mehr unter den Top 300-Adressen sind mittlerweile die Nordrheinische Ärzteversorgung, die Ärzteversorgung sowie interessanterweise die Deutsche Bank respektive deren Altersvorsorgeeinrichtung.

Nummer eins kommt aus Japan
Wie bereits in den vergangenen Jahren ist auch 2015 der staatliche Government Pension Investment Fund aus Japan mit einem Vermögen von 1,163 Billionen US-Dollar weltweit auf Platz eins. Die globale Nummer zwei und zugleich auch die europäische Nummer eins ist der norwegische staatliche Pensionsfonds mit 866 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Vermögen.

Neben dem Pensionsfonds aus Norwegen finden sich unter den 20 größten europäischen Pensionsfonds mit dem rund 385 Milliarden US-Dollar schweren ABP-Fonds und dem PFZW-Fonds mit etwa 186 Milliarden US-Dollar zwei Pensionsfonds aus den Niederlanden wieder. Der ATP-Pensionsfonds aus Dänemark rangiert mit rund 107 Milliarden US-Dollar auf Platz 19. Mit insgesamt sieben Pensionsfonds dominieren die USA die vordersten 20 Plätze. (aa)

 

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