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Unigestion über den sinnvollen Einsatz Alternativer Risikoprämien

Zwei bekannte Unigestion-Professionals arbeiten heraus, was Investoren bei ihrer strategischen Allokation in ihren Multi-Asset-Portfolios beachten müssen, um Alternative Risikoprämien optimal vereinnahmen zu können.

Dr. Florian Rehm, Head of Institutional Clients Germany & Austria
Dr. Florian Rehm, Head of Institutional Clients Germany & Austria
© Unigestion

Dr. Florian Rehm, Head of Institutional Clients Germany & Austria (großes Bild) und Julien Malet (kleines Bild links), Investment Solutions Manager bei Unigestion, weisen in einem exklusiven Beitrag für „Institutional Money“ darauf hin, dass jenseits der traditionellen Mischung aus Aktien und Anleihen die Finanzwissenschaft heute eine Reihe alternativer Risikoprämien (ARP) entwickelt hat, mit denen sich die strategische Allokation über diverse Marktbedingungen hinweg besser steuern lässt. Das Ziel dieser erweiterten Diversifizierung sei der Aufbau eines langfristig ausgerichteten „Allwetter-Portfolios“, das sich jenseits des konjunkturellen Auf- und Abs gleichmäßig entwickelt. In wie weit diese finanzwissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis umsetzbar sind, können Sie Rehms und Malets Beitrag im Originalwort laut entnehmen:


„Zur Erreichung des Ziels eines „Allwetter-Portfolios ist das Anlageuniversum möglichst breit angelegt. Zum einen mit traditionellen Risikoprämien, wie Aktien aus Industrie- und Schwellenländern, Durations-, Kredit- und Inflationsinstrumenten, Devisen und Rohstoffen. Zum anderen mit alternativen Risikoprämien wie Aktienfaktoren, Yield-Capture und makro-direktionalen Strategien. Eine gut diversifizierte strategische Allokation sollte auch Hedging-Strategien beinhalten, um das Portfolio in schwierigen Phasen besser zu schützen. Durch die Absicherung nach unten kann es stärker vom Zinseszinseffekt profitieren und so auf lange Sicht eine bessere Performance bieten.

Der Allokation kommt dabei besondere Bedeutung zu. Die moderne Portfoliotheorie basiert auf der Annahme, dass rationale Investoren eine Anlagenkombination anstreben, die bei gegebenen Risiko die maximale Wertentwicklung bietet (ein Erwartungswert-Varianz-Portfolio). Dieser Ansatz wird weiterhin anerkannt, doch seit den 1990er-Jahren hat die Wissenschaft viele Defizite aufgezeigt. So sind solche Portfolioallokationen sehr instabil, weil sie in hohem Maße von Parametern wie Modellen für die erwartete Wertentwicklung abhängen.

Die Kritik am Erwartungswert-Varianz-Prinzip erhielt weitere Nahrung, als Haugen und Baker die Mindestvarianzanomalie aufzeigten. Sie wiesen empirisch nach, dass sich Portfolios, die eine minimale Volatilität anstreben, über alle Regionen hinweg besser entwickeln als ihre auf der Marktkapitalisierung basierenden Benchmarks. Dies hat die Idee befeuert, dass sich Investoren beim Portfolioaufbau besser nach dem Risiko, statt nach der erwarteten Wertentwicklung, richten sollten. Das hat auch den Vorteil, dass Risikokennzahlen deutlich stabiler sind als Erwartungen zur Wertentwicklung.

Risikogewichtung oder Gesamtrisikosteuerung
Dazu gibt es zwei Ansätze. Einmal die Risikogewichtung: die Portfolioallokation wird hier auf Basis der einzelnen Risikobeiträge festgelegt. Und dann die Gesamtrisikosteuerung: Hier wird die Portfolioallokation auf Basis eines vorher festgelegten Risikos für das Gesamtportfolio bestimmt.

Während bei einfachen Investmentlösungen häufig die Risikogewichtung zum Einsatz kommt, bietet sich die Gesamtrisikosteuerung bei Multi-Asset-Portfolios oder komplizierteren Investmentlösungen an. Damit gelingt es Anlegern besser, ihre Verluste zu kontrollieren, etwa wenn sie ein bestimmtes Risikoniveau ansteuern oder verhindern, dass es eine vorgegebene Schwelle überspringt. Mit der Gesamtrisikosteuerung können sie nicht nur das Risiko des Gesamtportfolios, sondern auch die Risikobeiträge der einzelnen Positionen im Portfolio besser steuern und diversifizieren.

Das Risiko klar definieren
Viele risikobasierte Multi-Asset-Strategien bewerten das Portfoliorisiko mit Kennzahlen wie Volatilität und Korrelation. Doch das greift zu kurz. Das Risiko sollte in Form des potenziellen Kapitalverlusts ausgedrückt werden und nicht nur als abstrakte Kennzahl. Unigestion hat darum ein eigenes Modell für die „zu erwartende Unterdeckung“ (expected shortfall) entwickelt, um so einen mehrdimensionalen Überblick zum Portfoliorisiko zu erhalten. Dieses Modell berücksichtigt weitere Risikodimensionen wie etwa Bewertung, Asymmetrie, Tail-Risiko und Liquidität. In der Praxis identifiziert es Anlagen mit schlechten Risikoeigenschaften, beispielsweise negative Schiefe, geringe Liquidität oder niedriges Carry, und reduziert die entsprechenden Positionen.

Das Beispiel (siehe oben in der Bildergalerie) zeigt die Vorteile, dazu werden drei Arten von alternativen Risikoprämien (ARP) verglichen: Asset-übergreifende Trendfolge, Credit-Carry und Schwellenmarkt-Devisen-Carry.

Die Grafik zeigt, dass ihre Volatilität recht ähnlich ist. Am einfachsten wäre also, allen alternativen Risikoprämien im Portfolio den gleichen Risikoanteil zuzuweisen. Unter Berücksichtigung des maximalen Verlusts ergibt sich aber ein ganz anderes Bild. Vernachlässigt man bestimmte Risikodimensionen, wird das potenzielle Verlustrisiko unterschätzt.

Eine leistungsstarke strategische Asset-Allokation für Multi-Asset-Portfolios wird im aktuellen Markumfeld immer wichtiger. Traditionelle Modelle sind nicht mehr in der Lage, Investoren vor unerwarteten Volatilitätsspitzen und einer Verschärfung der Geldpolitik zu schützen. Mit einer strategischen Allokation, die auch alternative Risikoprämien berücksichtigt, können Anleger bei wirksamer Risikosteuerung eine attraktive Wertentwicklung erzielen."


Veranstaltungshinweis: Das Thema "Risikoprämien" wird am 12. Institutional Money Kongresses (26. bis 27. Februar 2019 im Frankfurter Congress  Center) in mehreren Workshops und Gruppengespräche ausführlich beleuchtet und dabei insbesondere auf die praktische Umsetzung eingegangen.

Wenn Sie wissen wollen, welche Asset Manager zu diesem Thema vortragen, können Sie sich HIER in der Programm-Übersicht (Workshop, Gruppengespräche, One-to-Ones) eine Übersicht verschaffen und sich bei dieser Gelegenheit gleich einen Sitzplatz reservieren.

 

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