Studie: Rekordinvestitionen rund um das Thema Elektrifizierung
Im vergangenen Jahr haben Unternehmen so viel wie noch nie in nachhaltige Technologien investiert. Insbesondere der Elektrifizierungstrend schlägt sich in den Zahlen nieder. Bain & Company hat dies untersucht und zieht Schlüsse für Unternehmen und Investoren.

Eckpunkte:
- Rekord: 2,4 Billionen US-Dollar flossen in nachhaltige Technologien
- Globaler Bain-Report zu Nachhaltigkeit: Viele nachhaltige Technologien bleiben trotzdem hinter den Erwartungen zurück
- 85 Prozent der Konsumenten weltweit sorgen sich um Umwelt und Klima (Vorjahr: 79 Prozent)
- Klimaanpassung als globaler Markt mit einem prognostizierten Volumen von 4,4 Billionen US-Dollar im Jahr 2050
- Führungskräfte überschätzen den künftigen Anteil von KI am weltweiten Energieverbrauch stark
Große Teile der Welt haben jüngst den wärmsten August seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt. Zudem werden Klimarisiken für Unternehmen, Konsumenten und auch Investoren immer greifbarer. So zeigt die vierte Ausgabe der Studie „The Visionary CEO’s Guide to Sustainability“ der Unternehmensberatung Bain & Company: Klimaanpassung entwickelt sich zum Billionenmarkt.
Rekordinvestitionen in 2025
Weltweit flossen 2025 insgesamt 2,4 Billionen US-Dollar in nachhaltige Technologien, mehr als je zuvor. Das zeigen Bain-Analysen auf Basis von Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) und der Climate Policy Initiative (CPI). In den vergangenen zehn Jahren investierten Unternehmen und Regierungen demnach insgesamt rund 17 Billionen US-Dollar.
Elektrifizierung startet durch
Doch nicht jede Investition zahlt sich aus: Bain hat für 37 nachhaltige Technologien verglichen, wie weit sie sich bis 2025 tatsächlich durchgesetzt haben und was zehn Jahre zuvor für diesen Zeitpunkt erwartet worden war. Lediglich Solarenergie, Batteriespeicher und Elektrofahrzeuge übertrafen die Erwartungen, 29 Technologien blieben dahinter zurück. Zudem konzentriert sich das Kapital stark: Knapp 90 Prozent der Investitionen flossen in nachhaltige Energie, Gebäude und Mobilität.
„Die Rekordinvestitionen rund um den Globus zeigen: Der Umbau hin zu nachhaltigeren Technologien schreitet weiter voran. Entscheidend ist aber, wo sich Technologien tatsächlich durchsetzen und wirtschaftlich skalieren lassen. Genau dorthin fließt das Kapital immer gezielter”, betont Bain-Partner Franz-Robert Klingan.
First Mover-Vorteile erkennen
Für Unternehmen wächst durch die zunehmenden Klimarisiken der Handlungsdruck. Analysen von Bain und dem Staatsfonds GIC zufolge könnte der weltweite Markt für Klimaanpassung dadurch von heute rund einer Billion auf 4,4 Billionen US-Dollar im Jahr 2050 wachsen. Relevant werden etwa Technologien zur Früherkennung von Klimarisiken, Lösungen zum Schutz von Anlagen und Infrastruktur sowie Maßnahmen, die Lieferketten widerstandsfähiger gegen Extremwetter machen.
Finanzielle Folgen des Klimawandels oft nicht bezifferbar
Dennoch können mehr als 30 Prozent der Unternehmen die finanziellen Folgen ihrer Klimarisiken bislang nicht beziffern. Wie wichtig dabei der richtige Zeitpunkt für Investitionen ist, zeigt die Bain-Analyse von knapp 150.000 Anlagen in zwölf Branchen. So lassen sich etwa Solaranlagen bereits beim Neubau widerstandsfähiger gegen Klimarisiken auslegen und später vergleichsweise häufig modernisieren. In kapitalintensiven Branchen wie Stahl oder Zement bietet sich die Gelegenheit, Klimaresilienz bei einer ohnehin anstehenden Modernisierung mitzudenken, dagegen oft nur alle 25 bis 35 Jahre. Wer dieses Zeitfenster verpasst, kann sich damit für Jahrzehnte höhere Klimarisiken einhandeln.
Beispiel BASF
Wie sich solche Investitionen auszahlen können, zeigt die Studie anhand des Beispiels BASF. Als das Niedrigwasser des Rheins 2018 den Schiffsverkehr einschränkte, entstanden dem Konzern Kosten von rund 280 Millionen US-Dollar. BASF investierte daraufhin unter anderem in Niedrigwasserschiffe, alternative Transportwege und Frühwarnsysteme. Als der Wasserstand 2022 erneut stark sank, reduzierten diese Maßnahmen sowohl die Zahl der Ausfalltage als auch die Transportkosten deutlich. „Klimaanpassung wird jetzt zum Wettbewerbsfaktor“, resümiert Bain-Partner Klingan.
Und Bain-Partner und Nachhaltigkeitsexperte Karl Strempel sagt: „Für Unternehmen kommt es darauf an, schneller als andere zu erkennen, wo sich Märkte verändern und wo neue Risiken entstehen. Gerade bei der Klimaanpassung zahlt sich frühes Handeln aus. Resilienz wird damit vom Schutzschild zum strategischen Vorteil.“ Dies dürfte auch für die Investmentseite von institutionellen Investoren und deren Portfolios gelten.
Energiebedarf durch KI werde überschätzt
Auch KI spielt in der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte eine immer größere Rolle. Gerade beim Ausbau von Rechenzentren wird intensiv über deren Energiebedarf diskutiert. Dabei offenbart der Report eine erhebliche Fehleinschätzung: Führungskräfte erwarten, dass KI in drei Jahren rund elf Prozent des weltweiten Energieverbrauchs ausmachen wird. Bain prognostiziert auf Basis aktueller Berechnungen dagegen einen Anteil von 0,7 Prozent. Damit überschätzen Führungskräfte den erwarteten Anteil um das Sechzehnfache.
Einsatz von KI kann Energie einsparen helfen
Zugleich kann der Einsatz von KI selbst den Energieverbrauch senken, etwa indem diese Anlagen und Produktionsprozesse effizienter steuert, Bedarfsprognosen optimiert oder Emissionen überwacht. Solche bereits heute bekannten Anwendungen könnten laut IEA bis 2035 den weltweiten Endenergieverbrauch um rund drei Prozent reduzieren. „Der steigende Energiebedarf von Rechenzentren ist eine reale Herausforderung. Der Anteil von KI am weltweiten Verbrauch wird aber deutlich überschätzt“, so Bain-Partner Klingan. Entscheidend sei auch der Nettoeffekt von KI: Wie viel Energie durch sie an anderer Stelle eingespart werden könne, so eine wichtige Frage aus Sicht von Klingan. (de)


