Studie: „Organisational Alpha“ als Schlüssel zum (Anlage-)Erfolg
Eine Erhebung des Thinking Ahead Institutes von WTW beleuchtet den Wandel im Asset Management, vor dem die Branche heute steht: Die Mischung aus systemischen Risiken, KI und der Weiterentwicklung der Private Markets erfordere ein Umdenken in der Unternehmensführung.

Eckpunkte:
- Globale Umfrage unter 176 Asset Managern weltweit zeigt Defizite auf
- Vom Investment Alpha zum Org-Alpha
- Technologieinvestitionen hinken (noch) hinterher
Die Asset-Management-Branche stehe vor einem grundlegenden Neustart, so das Resümee der Thinking Ahead Institute (TAI) Global Asset Manager Peer Study (AMPS): Zwar habe die Industrie bereits früher Phasen tiefgreifender Veränderungen erlebt, doch die gleichzeitige Wirkung von systemischen Risiken, künstlicher Intelligenz (KI) und der Weiterentwicklung der privaten Märkte schaffe eine neue Realität, die ein Umdenken in der Unternehmensführung erfordere.
Die Studie, die das TAI von WTW kürzlich vorgelegt hat, basiert auf den Einschätzungen von 176 Vermögensverwaltern mit einem verwalteten Vermögen von rund 39 Billionen US-Dollar.
Die zentrale Erkenntnis lautet: Wettbewerbsvorteile entstehen künftig weniger durch Investment-Alpha als vielmehr durch „Organisations-Alpha“ (Org-Alpha) – also durch die Fähigkeit eines Unternehmens, Menschen, Prozesse und Technologie effektiv miteinander zu verbinden.
Die Studie identifiziert vier kritische Defizite auf diesem Weg hin zum Alpha der Organisation. Diese beschreiben die Lücke zwischen dem heutigen Status quo und den Anforderungen der Zukunft:
1. AI Fitness
Viele Unternehmen stehen noch am Anfang beim Aufbau einer skalierbaren und entscheidungsfähigen KI-Infrastruktur. Datenbestände seien häufig fragmentiert, Wissen nur unzureichend systematisiert und KI werde oft als Zusatzfunktion statt als integraler Bestandteil zentraler Arbeitsabläufe eingesetzt.
Die Herausforderung besteht aus Sicht der Studie nicht darin, weitere Tools einzuführen, sondern Entscheidungsprozesse grundlegend um die Zusammenarbeit von Mensch und KI neu zu gestalten.
2. Resilience Fitness
Obwohl die meisten Marktteilnehmer davon ausgingen, dass die Zukunft von nichtlinearen Entwicklungen und Regimewechseln geprägt sein wird, orientierten sich viele Organisationen weiterhin an Prognosemodellen und Effizienzmaximierung.
Resilienz – also die Fähigkeit, Veränderungen frühzeitig zu erkennen, Schocks zu absorbieren und sich anzupassen – sei bislang nicht fest in den Organisationen verankert.
3. Joined-Up Fitness
Kompetenzen, Technologien und Anlageklassen sind häufig noch voneinander getrennt organisiert. Vielen Unternehmen falle es schwer, als integriertes Gesamtsystem zu agieren – insbesondere angesichts komplexerer Portfolios und zunehmender Wechselwirkungen zwischen Anlageklassen. Die Studie sieht hierin vor allem ein Organisations- und Designproblem.
4. Next-Generation Finesse
Schließlich fehle vielen Häusern die notwendige Anpassungsfähigkeit, um komplexe Umfelder erfolgreich zu steuern. Dazu gehöre die Fähigkeit, Zielkonflikte auszubalancieren, etwa zwischen Effizienz und Resilienz, kurzfristigen und langfristigen Zielen oder privaten und öffentlichen Märkten.
Unternehmen investierten zu wenig in Technologie
Die Daten der Studie stellen Technologieinvestitionen mit operativen Ausgaben für Investment-Personal gegenüber. Demnach entfallen etwa zwölf Prozent der operativen Ausgaben auf Technologie. Dagegen würden 38 Prozent der Ausgaben für Investmentpersonal aufgewendet. Hochqualifizierte Mitarbeiter würden demnach nicht durch ausreichend leistungsfähige und skalierbare Systeme unterstützt, so das Fazit.
Die Branche investiere somit noch immer stärker in individuelle Fähigkeiten als in die Infrastruktur, die diese Fähigkeiten wirksam vervielfachen könnte, so eine Schlussfolgerung der Studie.
Neues Paradigma
Notwendig sei ein neues kulturelles und organisatorisches Paradigma: HI x XAI – die Verbindung von menschlicher Intelligenz und erklärbarer künstlicher Intelligenz. Dabei gehe es nicht darum, menschliche Urteilsfähigkeit durch Automatisierung zu ersetzen. Vielmehr sollten Systeme geschaffen werden, in denen KI die Analyse großer Datenmengen und die Skalierung von Entscheidungsprozessen übernehme, während der Mensch für Zielsetzung, Governance und Verantwortung zuständig bleibe, so TAI zu der Studie.
Die zentrale Frage laute künftig nicht mehr: „Wie integrieren wir KI?“, sondern: „Wo sollte menschliches Urteilsvermögen eingesetzt werden und wo lässt es sich durch KI skalieren?“ Unternehmen, die diese Frage erfolgreich beantworteten, werden der TAI-Studie zufolge nachhaltiges Organisations-Alpha schaffen können. (de)


