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Studie legt offen: Verteufelung der LBOs erfolgt zu Unrecht!

Die Ergebnisse einer neuen Studie stehen damit im Widerspruch zu der weit verbreiteten Ansicht, Leveraged Buyouts (LBOs) würden für mehr Entlassungen und eine Zunahme an unsicheren Beschäftigungsverhältnissen sorgen.

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Kim Hoque, Professor an der Warwick Business School, ist einer der drei Studienautoren.
© Warwick

LBOs sind Transaktionen, bei denen Investoren Kredite einsetzen, um underperformende Firmen zu übernehmen und dort einen Turn Around zu schaffen, ehe die Unternehmen wieder verkauft werden. Dabei werden diese Kredite oft den Unternehmen ans Bein gebunden, die dann einen höheren Fremdmittelanteil abbauen müssen. Nach gängiger Ansicht sind damit regelmäßig rasche Einschnitte bei der Belegschaft, ein Aufbau von Zeitarbeitskräften, zeitlich beschränkte Arbeitskontrakte und Auslagerungen verbunden. Speziell bei der Teilnahme von Private Equity Fonds an solchen LBO-Transaktionen oder bei Management Buy-Ins, Short-Term Deals oder hohem Leverage steigt die Befürchtung, dass es zu dem sogenannten "Buy, Strip and Flip"-Ansatz kommt.

LBO bringt wieder mehr Perspektive ins Unternehmen
Nun haben aber Kapitalmarktforscher der Warwick Business School, der Cass Business School und des Imperial College in der Studie mit dem Titel "Is Job Insecurity Higher in Leveraged Buyouts?" Belege dafür gefunden, dass die Jobs nach LBOs nicht weniger sicher werden und zwar selbst dann, wenn alle oben genannten Faktoren, die allgemein als verschlimmernd gewertet werden, zutreffen. Die Studie wurde im "British Journal of Industrial Relations" veröffentlicht.

Anti-LBO-Kampagne greift ins Leere
Kim Hoque von der Warwick Business School, sagte anlässlich der Vorstellung der Studienergebnisse, die Arbeiterbewegung habe eine konzertierte internationale Kampagne gegen LBOs im Hinblick auf die dadurch steigende Job-Unsicherheit gefahren. Doch halte diese Theorie, Buyouts hätten nur für Investoren, nicht aber für Stakeholder und Beschäftigte positive Auswirkungen, der Wirklichkeit nicht stand. In einigen Fällen hätten zwar LBOs zu einem Schrumpfen der Belegschaft und vermehrter Job.Unischerheit geführt, doch das wäre nicht die Regel. 

Höhere gefühlte Arbeitsplatzsicherheit 
Das Kapitalmarktforscher-Team analysierte Daten von 1.572 Arbeitsstätten. Die Datenbasis stammt vom Centre for Management Buy-out Research und betrifft ausschließlich britische Buyouts sowie von der Workplace Employment Relations Study der britischen Regierung aus 2011. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich die Beschäftigten in Firmen, die einen perfekten Sturm in Bezug auf LBOs ausgesetzt waren, sicherer als in anderen Untermnehmen fühlten. Es gab keine Entlassungen und eine geringere Wahrscheinlichkeit dafür, dass Leasingpersonal und Zeitarbeitskräften anstelle von Dauer-Vollzeitbeschäftigten eingesetzt wurden. 

LBOs befördern nachhaltiges Wachstum
Nick Bacon von der Cass Business School meinte, eine mögliche Erklärung sei, dass LBOs nachhaltige Wachstumschancen schüfen, wodurch die Arbeitsplatzsicherheit zunehme. Natürlich würde eine signifikante Restrukturierung das Kappen verschwenderischer Ausgaben mit sich bringen, doch das führe nicht zu steigender Unsicherheit am Arbeitsplatz. 

EU-Parlament will LBOs regulieren
Die Ergebnisse lassen damit Zweifel aufkeimen, ob eine strengere Regulierung von LBOs wirklich geboten erscheint, wie sie das Europäische Parlament im weiteren Jahresverlauf diskutieren wird. ​Mike Wright vom Imperial College hielt fest, dass die Dämonisierung und Regulierung von LBOs das Risiko dafür erhöhe, dass Firmen in Schwierigkeiten dann keine günstige Zukunftsperspektive mehr hätten, wenn Investoren dann nicht mehr einsteigen könnten oder würden. Das könne den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Rettung und Untergang eines Unternehmens ausmachen. Letzteres stelle den schlimmsten Fall dar, da alle Arbeitsplätze untergingen. (kb)

 

 

 

 

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