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Studie: Klimawandel hat Auswirkungen auf Staatsanleihen

Eine neue Studie von UTS Sydney, Ardea Investment Management und Fortlake Asset Management widerlegt die Annahme, dass das Risiko des Klimawandels auf den Märkten für Staatsanleihen nicht eingepreist wird. Das Risiko des Klimawandels beeinflusst die Renditen laut Studienautoren auf zwei Arten.

Laura Ryan, Leiterin der Forschungsabteilung bei Ardea Investment Managers
Laura Ryan, Leiterin der Forschungsabteilung bei Ardea Investment Managers
© ARDEA / John Marmaras Photograph

Institutionelle Investoen sollten zukünftig bei der Auswahl vielleicht noch sorgfältiger inhärente Klimarisken mitberücksichtigen. Eine jüngst publizierte Studie von UTS Sydney, Ardea Investment Management und Fortlake Asset Management  ̶  Climate Change Transition Risk on Sovereign Bond Markets  ̶  stellt die bisherige Annahme infrage, wonach sich der Klimawandel bei den Renditen und Spreads von Staatsanleihen nicht niederschlägt. „Mit dieser Studie haben Regierungen und Anleger auf den Staatsanleihemärkten endlich eine transparente und leicht nachvollziehbare Möglichkeit das Übergangsrisiko der Klimawende in Bezug auf die Renditen und Spreads von Staatsanleihen zu bewerten", sagt Laura Ryan, Leiterin der Forschungsabteilung bei Ardea Investment Managers.

Die Autoren der Studie stellen fest, dass sich bestehende Studien auf das physische Risiko des Klimawandels konzentriert haben und es bisher relativ wenig Forschung über das Übergangsrisiko des Klimawandels und seine Auswirkungen auf staatliche Kreditnehmer gab.

Klimawandel, BIP und Rendite
Das Übergangsrisiko des Klimawandels entsteht mit der Ausrichtung eines Landes auf die Green Economy. Die neue Studie untersucht das Übergangsrisiko anhand von Risikovariablen, die spezifischen nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) der Vereinten Nationen, zum Beispiel 7, 12 und 13 zugeordnet werden können  ̶  Kohlendioxidemissionen, Rohstoffnutzung und Verbrauch erneuerbarer Energien.

Diese Variablen würden verdeutlichen, wie ein Land durch eine geeignete Klimastrategie und -politik die Art und Weise beeinflussen kann, in der Investoren die Kreditwürdigkeit analysieren. „Diese Übergangsrisiken haben unmittelbare Auswirkungen und können die Formulierung der Klimapolitik beeinflussen“, sagt Dr. Kylie-Anne Richards, Deputy CIO und Chair of ESG Fortlake Asset Management.

Da die Märkte für Staatsanleihen der Maßstab für die Bewertung aller anderen Anlageklassen sind, als sicherer Hafen dienen und den Bankensektor und die Regierungen mit Liquidität versorgen, sei das globale Finanzsystem in hohem Maße davon abhängig, dass sie gut funktionieren.

Zwei Arten
Der Studie zufolge kann sich das Risiko des Klimawandels auf zwei Arten auf die Renditen auswirken: direkt durch Risikofaktoren und indirekt durch makroökonomische Variablen wie das BIP. Investoren würden Länder mit schlechten Erfolgsaussichten auf eine Abkehr von fossilen Brennstoffen bestrafen, und sie würden die Auswirkungen auf das künftige BIP eines Landes abschätzen, wenn dessen Wirtschaft von rückläufigen Industrien abhängig sei.

Paradoxe Herausforderungen für Entwicklungsländer
Die Studie ergab, dass die Kohlendioxidemissionen sowohl für Industrieländer als auch für Entwicklungsländer positiv mit den Renditen und Spreads von Staatsanleihen korrelieren, wobei geringere Emissionen sich in niedrigeren Kosten für Staatsschulden niederschlagen.

Es überrasche daher nicht, dass der Verbrauch erneuerbarer Energien auch zu niedrigeren Kreditkosten für Industrieländer und paradoxerweise zu höheren Kosten für Entwicklungsländer führte, meinen die Studienautoren.

Entwicklungsländer, die in hohem Maße von natürlichen Ressourcen abhängig sind, werden jedoch ebenso mit niedrigeren Kosten für die Aufnahme von Staatskrediten assoziiert. Ein möglicher Grund hierfür sind laut der Studie die hohen Kosten der Klimawende für Entwicklungsländer, da sie auf unsichere Unterstützung von anderen Nationen für ihre Klimawende angewiesen sind.

Dementsprechend fokussieren sich Investoren auf kurzfristige Faktoren wie die Fähigkeit eines Entwicklungslandes Schulden zurückzuzahlen und die Tatsache, dass die Gewinne aus der Rohstoffförderung höher sein können als der unsichere Payoff der Klimawende.

Dr. Ryan kommentiert dies wie folgt: „Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass institutionelle Anleger Länder vollständig ausschließen, die in Bezug auf den Klimawandel schlecht abschneiden  ̶  da ihre Anlagerichtlinien möglicherweise Investitionen in Staatsanleihen vorschreiben   ̶ ,  könnten andere Anleger ihre Engagements reduzieren.“

Sie weist auch darauf hin, dass die UN-Grundsätze für verantwortungsbewusstes Investieren den Anlegern raten, mit den Emittenten in Kontakt zu treten, um sie auf die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen aufmerksam zu machen.

Klimawende vorerst nur für Industrieländer
Die Umstellung auf saubere Energie fällt laut der Studie Industrieländern mit niedrigeren Kreditaufnahmekosten, einem höheren Pro-Kopf-BIP und einer stärkeren Widerstandsfähigkeit gegen wirtschaftliche Schocks leichter. In Bezug auf die Spreads von Staatsanleihen dürften die Bemühungen um den Klimawandel für Industrieländer relevanter werden als für Entwicklungsländer. Partnerschaft, Hilfe, finanzielle Unterstützung und Technologietransfer von den fortgeschrittenen Ländern zu den Entwicklungsländern würden entscheidend sein, um ihnen beim Übergang zu einer saubereren Wirtschaft zu helfen.

Ob Investoren wirklich auf höhere Renditen verzichten würden?
Die Erkenntnisse aus der Studie können klare Auswirkungen auf die politischen Entscheidungsträger haben. Künftig könnten so Regierungen, die bei der Bewältigung des Klimawandels schlecht abschneiden, mit Preis- oder Liquiditätsproblemen konfrontiert werden, glauben die Studienautoren.

Die Ergebnisse des Papers liefern einigen Akteuren am Staatsanleihenmarkt klare Argumente für die Forderung nach mehr Transparenz der Regierungen in Bezug auf spezifische Klimarisiken, Strategien und die Politik, die sich auf die von ihnen begebenen Anleihen auswirken. (aa)

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