Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Theorie

| Theorie
twitterlinkedInXING

Studie: Jammer über niedrige Zinsen deutscher Banken ist übertrieben

Deutschlands Geldhäuser beklagen sich seit Jahren über die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank. Dabei haben die Strafzinsen der Branche nicht geschadet, zeigt eine Analyse der Bundesbank.

fotolia_127649748_elnur.jpg
© Elnur / stock.adobe.com

Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter deutscher Banken so sehr wie die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Seit Jahren führen sie den Minuszins als Grund für erodierende Gewinne an, begründen damit eine Gebührenerhöhung und Sparrunde nach der nächsten. Eine Analyse der Bundesbank zeigt nun aber: Die Strafzinsen der EZB haben deutschen Banken nicht geschadet – zumindest nicht bis zum Ausbruch der Coronakrise, berichtet das "Handelsblatt".

Die Negativzinsen sorgen zwar dafür, dass die Zinsmargen der Banken im Kredit- und Einlagengeschäft sinken. Das ginge aber nicht mit einer Verschlechterung der Bankenprofitabilität einher, zitiert die Zeitung aus dem Monatsbericht der Bundesbank. Banken profitierten demnach davon, dass sie ihr Kreditgeschäft ausgeweitet haben und die Risikovorsorge bis zur Coronakrise sehr gering war – auch das sei eine Folge der Minuszinsen, heißt es bei der Bundesbank. Denn die Negativzinspolitik trage zu einer Belebung der Kreditnachfrage bei.

Die Bundesbank kommt laut Beobachtung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ)  in einem Vergleich der Bankengewinne in den Phasen von 2014 bis 2019 (mit Negativzinsen) und 1999 bis 2007 (ohne Negativzinsen) zu dem Ergebnis: Der Zinsüberschuss der Banken sei zwar zurückgegangen – beim Überschuss vor Steuern aber habe sich nicht viel getan. Die Erklärung: Es habe einen gegenläufigen Effekt zu den sinkenden Zinserträgen gegeben, und zwar eine rückläufige Risikovorsorge im Kreditgeschäft bei gleichzeitigem Anstieg des Kreditvolumens. Die Bundesbank deutet das nun so, dass die expansive Geldpolitik der EZB zwar die Banken auf der einen Seite bei der Zinsmarge belastet, auf anderen Seite aber auch Konjunktur und Kreditnachfrage gestützt habe, was den Banken unter anderem bei der Risikovorsorge zugutegekommen sei. 

Restriktivere Kreditvergabe
Schwieriger könnte es für werden, wenn die Risikovorsorge wegen der Covid-19-bedingten Kreditausfälle steige. Dann sei ein Ausgleich der geschrumpften Zinsmarge nicht mehr so leicht möglich, meinen die Bundesbank-Ökonomen. Das könnte sich auch auf die Kreditvergabe der Banken auswirken. Künftig dürften Deutschlands Finanzhäuser womöglich etwas genauer hinschauen, wem sie noch Geld leihen – und wem nicht. (fp)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren