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Studie: ETFs fallen der eigenen Transparenz zum Opfer

Steigt eine Aktie in ein Leitbarometer auf, müssen Indexfonds den Umbau nachvollziehen. Dabei kaufen sie oft zu Höchstpreisen und bürden Investoren unnötig hohe Kosten auf, zeigt eine Studie.

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© Egor / stock.adobe.com

Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) in den USA büßen Jahr für Jahr fast vier Milliarden Dollar durch ein schlechtes Timing bei den Umbauten der Leitbarometer ein, die sie widerspiegeln. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der US-amerikanischen Universität Illinois Urbana-Champaign. Der Untersuchung des Finanzmathematikers Sida Li zufolge werden ETFs dabei Opfer der eigenen Transparenz bzw. ihrer Bindund an Indizes.

Denn die Anbieter der Standardindizes publizieren anstehende Anpassungen vorab. Meist steht fünf Tage im Voraus fest, welche Aktie in einen Index aufsteigt. Diese Angaben nutzen manche Akteure aus. Sie kaufen die Aspiranten in der Hoffnung, dass die Kurse bis zur Anpassung klettern – getrieben eben von jenen Indexfonds, die die Titel kaufen müssen. Ist der Umbau vollzogen, verkaufen die als Frontrunner bezeichneten Akteure die Aktien – mit Gewinn.

Kauf zum Höchstpreis
In der Untersuchung teilte Li das Feld der ETFs in drei Gruppen auf. Einmal Fonds, bei denen die Zusammenstellung des zugrunde liegenden Barometers bekannt ist und die ihr Portfolio täglich veröffentlichen. Mehr als die Hälfte der US-amerikanischen ETFs verfolgt eine vollständige Transparenz. Davon wiederum setzt ein Großteil die angekündigten Barometeranpassungen am letzten Handelstag vor dem Umbau um. Durch diese Praxis kaufen die ETFs die Aufsteiger-Aktie faktisch zum Höchstpreis.

Die zweite ETF-Gruppe legt ihr Portfolio im Monatsrhythmus offen – eine in den USA zulässige Praxis. Bei diesen Fonds erfahren Außenstehende dank der Umbauankündigungen der abgebildeten Barometer zwar, welche Aktien gehandelt werden, aufgrund der monatlichen Veröffentlichung aber nicht genau, wann. Bei dieser Gruppe fallen deutlich geringere Transaktionskosten an, fand Li heraus. Denn diese Gruppe streckt die Aktienkäufe auf mehrere Handelstage rund um den Umbautermin.

In die letzte Gruppe sortiert der Wissenschaftler schließlich Indexfonds ein, die keine herkömmlichen Barometer abbilden, sondern alternative Messlatten oder Eigenkreationen. Als Beispiel verweist Li auf den Schwab 1.000 ETF, der die größten US-Aktien umfasst. Außenstehende erhalten hierbei im Voraus keinen Zugriff darauf, welche Umstellungen der Fonds vornimmt. Diese Vehikel müssen aber ihr Portfolio täglich publizieren. Auch diese Gruppe produziert deutlich geringere Transaktionskosten, als die vollständig transparenten ETFs, so das Ergebnis der Studie.

Über lange Zeit Spuren
Angesichts der Ergebnisse ließe sich einwenden, dass vier Milliarden Dollar an Handelskosten, die sich im Idealfall einsparen ließen, bei einem Gesamtvolumen des amerikanischen Indexfondsmarktes in Höhe von sieben Billionen Dollar als eine relativ moderate Größe erscheinen. Li argumentiert hingegen, dass der Effekt bei einzelnen Investoren über lange Zeit durchaus Spuren zeige.

Kai Hattwich, Portfoliomanager der Quirin Privatbank, wiederum verweist darauf, dass die Indexfondsmanager eine andere Kenngröße in den Mittelpunkt rücken: die Abweichung vom Index, auch Tracking Error genannt. "Grundsätzlich optimieren die ETF-Anbieter eher mit Blick auf die Abweichung vom Index und nicht hinsichtlich der Transaktionskosten", sagt Hattwich. Dies sei in der Branche Usus und insbesondere von den institutionellen Kunden auch so gewünscht.

"Tracking Error groß wie ein Scheunentor"
"Wenn der Portfoliomanager eines ETFs das Zeitfenster bis zur Indexaufnahme ausschöpfen würde, kann sich ein Tracking Error groß wie ein Scheunentor auftun“, formuliert es Hattwich. Zwar gebe es durchaus Raum für Optimierungen. Aber: "Letztlich wird es sich nie vollkommen vermeiden lassen, dass Akteure bei Benchmark-Anpassungen aufspringen und diese Konstellation nutzen. Die Indexregeln sind transparent. Die Problemstellung lässt sich nicht systematisch lösen." (ert)

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