Logo von Institutional Money
| Theorie

Starmanager: "Growth und Value verschmelzen"

Mehrere Schwergewichte wie Apple und Microsoft führen sowohl die Growth- als auch die Value-Indizes an. Was das für Value-Investoren bedeutet, erklärt Frank Fischer von Shareholder Value Management.

Frank Fischer, Shareholder Value Management: "Value bedeutet nicht automatisch "alte Wirtschaft" - entscheidend ist, dass der Markt den tatsächlichen Wert eines Unternehmens unterschätzt."
Frank Fischer, Shareholder Value Management: "Value bedeutet nicht automatisch "alte Wirtschaft" - entscheidend ist, dass der Markt den tatsächlichen Wert eines Unternehmens unterschätzt."© Christoph Hemmerich / Institutional Money

Eckpunkte:

  • Aktien wie Apple oder Microsoft finden sich mittlerweile auch in vielen Value-Indizes und Value-Fonds
  • Das spricht einerseits für deren Qualität. Andererseits erhöht dies für viele Anleger unerwartet das Klumpenrisiko

Die Grenzen von Growth- und Value-Aktien verwischen zunehmend. Frank Fischer, Portfoliomanager bei Shareholder Value Management, verweist auf den Vergleich der Top-Ten-Positionen in den beiden Indizes Russell 1000 Growth und Russell 1000 Value – in beiden finden sich etwa Apple und Microsoft weit oben. Für ihn ist klar: Value bedeutet nicht gleich "Old Economy".

Microsoft, die perfekte Value-Aktie
Wie das sein kann, erklärt Fischer am Beispiel Microsoft: "Microsoft wird von vielen modernen Investoren als Value-Wert eingestuft, weil das Unternehmen trotz starker Wachstumsimpulse fundamentale Eigenschaften einer klassischen Substanzaktie besitzt: krisensichere Ertragsströme, eine äußerst hohe Profitabilität sowie eine dominante Marktposition."

Obwohl Microsoft historisch und indexbasiert oft als Wachstumsaktie gelte, verschwimme also die Grenze durch das Konzept des "Growth at a Reasonable Price" (GARP) zunehmend. Zusätzlich hätten die Kurskorrekturen infolge der Sorgen um KI-Disruption dazu geführt, dass die Bewertungsmultiplikatoren im Branchenvergleich auf ein Niveau gesunken sind, das Value-Investoren gezielt als Einstiegschance nutzen.

Klassische Value-Titel schwächeln
Die Kehrseite der Medaille: Klassische Substanzwerte wie Coca-Cola oder Comcast prägen den Russell 1000 Value kaum noch. "Es sind ausgerechnet Technologiewerte, die den Value-Index treiben", so Fischer. "Und behält man diese Zusammensetzung bei, könnte die Value-Rally noch eine ganze Weile andauern."

Denn das Marktumfeld verschiebe sich zunehmend zugunsten von Unternehmen mit soliden Cashflows, moderaten Bewertungen und laufenden Erträgen. Während viele reine Wachstumsaktien stark von hohen Gewinnerwartungen und der Bereitschaft der Anleger abhängen, für zukünftige Gewinne hohe Preise zu zahlen, seien Value-Unternehmen stärker über ihre aktuellen Gewinne, Dividenden und freien Cashflows bewertet.

MSCI World Value: KGV von rund 15
Für diese neue Art der Value-Titel spreche auch, dass die Bewertung vieler Value-Aktien trotz der bereits guten Entwicklung weiterhin attraktiv sei. "Der MSCI World Value weist aktuell ein erwartetes KGV von rund 15 auf", so der Portfoliomanager. Für ihn ist klar: "Value bedeutet nicht automatisch 'alte Wirtschaft' – entscheidend ist, dass der Markt den tatsächlichen Wert eines Unternehmens unterschätzt." (jh)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion