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StarCapital über Wohl und Wehe der Modern Monetary Theory

In der Modern Monetary Theory (MMT) sieht Dr. Manfred Schlumberger, Vorstand und Leiter Portfoliomanagement von StarCapital, durchaus Lösungsansätze für aktuelle Probleme.

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„Zwar liefert diese ‚neue Geldtheorie‘ namens MMT wertvolle Denkanstöße, birgt aber die Gefahr politisch missbraucht zu werden“, warnt Dr. Manfred Schlumberger, Vorstand der StarCapital AG, und verweist auf die Historie. „Es hat häufig zur Katastrophe geführt, wenn die Politik die totale Kontrolle über die Notenpresse erlangte – nicht nur im Frankreich des 19. Jahrhunderts, sondern auch in der Weimarer Republik.“ 
© Axel Gaube / FONDS professionell

Der Kern der Theorie lautet, dass Geld vom Staat geschaffen wird. Schlumberger beschreibt in der aktuellen Ausgabe der "StarInvest" die Stärken dieses Prinzips: „Der deutsche Staat müsste heute für die Ausgabe einer hundertjährigen Anleihe ca. 1,5 Prozent Zinsen zahlen. Ohne die nächsten Generationen zu belasten, ließe sich damit die Infrastruktur verbessern und das künftige Wachstumspotential erhöhen.“

MMT bietet Chancen
Deutschland weist heute einen ausgeglichenen Haushalt auf, obgleich das Sozialbudget durch beispielsweise die Rente ab 63 oder die Mütterrente massiv nach oben gefahren wurde. „Zu verdanken ist dies der Nullzinspolitik der EZB und nicht dem sich als ‚schwäbische Hausfrau‘ aufspielenden ehemaligen Finanzminister“, so Schlumberger. Doch die „schwarze Null“ hat in seinen Augen einen hohen Preis: „Eine marode Infrastruktur mit Schlaglochstraßen, baufälligen Schulen und Universitäten, ein lückenhaftes Mobilfunknetz und eine zu Tode gesparte Bahn offenbaren einen Mangel an öffentlichen Investitionen.“ Die Sparquote und die Außenhandelsüberschüsse in Deutschland seien hoch und führten zu massivem Kapitalexport. Das bescheidene Wachstum sei dennoch höher als die Zinsen. Selbst der Internationale Währungsfonds sei der Meinung, dass unter diesen Umständen Staatsschulden problemlos sind. Geld könnte auch über einen Staatsfonds in Aktien investiert werden, um damit die Altersversorgung auf gesunde Beine zu stellen.

Japan als Beispiel
Als die Immobilienblase Anfang der 1990er Jahre in Japan platzte, stieg die Sparquote stark an. Bei den privaten Haushalten in den letzten Jahren zwar leicht rückläufig, bleiben die Rücklagen der privaten Unternehmen jedoch weiter auf sehr hohem Niveau. Somit kann Japan sein Staatsdefizit in Höhe von fast 240 Prozent des Bruttoinlandsprodukts problemlos über die Sparquote der Japaner abdecken. Zusätzlich ist das Land durch seinen  Leistungsbilanzüberschuss zum größten Kreditgeber der Welt aufgestiegen. Im Rahmen der „Abenomics“ fließen gewaltige Investitionsausgaben in die Infrastruktur. Gleichzeitig wurden die Unternehmenssteuern massiv gesenkt. Im Ergebnis befindet sich Japan in seinem längsten Konjunkturaufschwung der Nachkriegszeit, die Arbeitslosenrate liegt bei zwei Prozent und die Inflation nahe null Prozent. Die Hälfte der ausgegebenen Staatsanleihen befindet sich wieder im Bestand der Notenbank. Und die Notenbank kauft sogar direkt Aktien über Indexfonds und lässt so den Staat in den Genuss der Aktienmarktrendite kommen

Keine Chance ohne Risiko
Die Anhänger der MMT gingen davon aus, dass die Politik kein Interesse an einer Hyperinflation habe und eine ausufernde Teuerungsrate durch Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen bekämpfen würde. Doch diese naive Annahme ist nach Schlumberger die Achillesferse der MMT. Dies ändere aber nichts an der Fähigkeit der MMT, heutige ökonomische Phänomene besser zu erklären als die klassische Theorie: Nullzinsen und keine Inflation sind trotz hoher Staatsverschuldung möglich. „Außerdem liefert MMT wichtige Denkanstöße über sinnvolle öffentliche Investitionen mit Schuldenfinanzierung“, so Schlumberger. (kb)

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Hintergrundinformationen zur Modern Monetary Theory:
MMT basiert auf der „Staatlichen Theorie des Geldes“, die der Darmstädter Ökonom Georg Friedrich Knapp im Jahre 1905 entwickelte. Die wichtigsten Prinzipien lauten:

1. Geld wird vom Staat geschaffen. Die Möglichkeit des Staates, Steuern zu erheben und dem privaten Sektor zu erlauben, diese mit dem ausgegebenen Geld zu bezahlen, macht Geld „wertvoll“. Die Staatsausgaben versetzen private Haushalte und Unternehmen erst in die Lage, Steuern zu zahlen.

2. Monetär souveräne Staaten können als Geldmonopolisten nicht bankrottgehen. Voraussetzungen sind, dass sich ein Land nur in seiner eigenen Währung verschuldet und flexible Wechselkurse akzeptiert. Dies gilt für die USA, Japan und Großbritannien, nicht mehr für die Eurozone und insbesondere nicht für die meisten Schwellenländer. Anschauliche Beispiele sind aktuell die Türkei und Argentinien, die eine hohe Auslandsverschuldung in Fremdwährung aufweisen und versuchen, ihre Währung zu manipulieren.

3. Fiskalpolitik ist viel wirksamer als Geldpolitik. Ziele der Fiskalpolitik sind Förderung des Wirtschaftswachstums, Vollbeschäftigung und bei Bedarf die Bekämpfung der Inflation, in dem zu viel ausgegebenes Geld über Steuern wieder abgeschöpft wird.

4. Die Ausgabe von Staatsanleihen dient nicht der Refinanzierung des Staatshaushaltes, sondern der Steuerung des Zinses. Mit der Begebung von Anleihen tauscht die Regierung einen Teil des zinslos ausgegebenen Geldes in verzinste Anleihen.

5. Budgetdefizite sind in einer Größe möglich, die nötig ist, um die Ausgabenlücke zu schließen, die aus der Sparquote der Haushalte und Unternehmen resultiert. Staatsdefizite sollen so hoch sein, dass sie Vollbeschäftigung ermöglichen, aber so niedrig, dass sie keine Inflation hervorrufen.

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