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Schroders: Korrelationen weniger stabil als gedacht!

Steigt die Volatilität an den Märkten, kommen Investoren schnell in Handlungsdruck. Joven Lee, Multi-Asset Strategist bei Schroders, wirft einen näheren Blick auf sich verändernde Korrelationen in Phasen geopolitischer Unsicherheit.

Joven Lee von Schroders zufolge verändern sich Korrelationen in Zeiten geopolitischer Unsicherheit oftmals in unterschiedliche Richtungen. 
Joven Lee von Schroders zufolge verändern sich Korrelationen in Zeiten geopolitischer Unsicherheit oftmals in unterschiedliche Richtungen. © Schroders

Eckpunkte:

  • Auch Korrelationen unterliegen Veränderungen
  • In Phasen geopolitischer Unsicherheit reagieren Korrelationen unterschiedlich
  • Korrelationen verändern sich gemäß veränderter zugrundliegender Risiken

Gerade bei geopolitischen Krisen und großer Marktunsicherheit kann ein disziplinierter Anlageprozess den besten Schutz vor kostspieligen Fehlentscheidungen darstellen. „Als Anleger, die auf Fundamentalanalyse setzen, sind wir davon überzeugt, dass ein robuster Anlageprozess exakt darauf ausgelegt sein muss, eine Vielzahl möglicher Marktszenarien abzufedern“, sagt Joven Lee, Multi-Asset Strategist bei Schroders. Lee hat bestimmte Korrelationen daraufhin analysiert, wie sich diese in Phasen geopolitischer Schocks und ausgeprägten Marktbewegungen verändern.

Mit zunehmender Unsicherheit setzten Anleger typischerweise auf US-Staatsanleihen als Absicherung, auf Rohstoffe – insbesondere Energie –, die bei Angebotsbedenken zulegen, sowie auf den US-Dollar als sicheren Hafen. Lee: „Allgemein besteht die implizite Überzeugung, dass Diversifikation ,funktionieren' sollte und dass sich verschiedene Anlageklassen ausgleichend verhalten und Portfolios vor dem Schock schützen.“ Diese Beziehungen würden jedoch oft als stabiler – und vorhersehbarer – betrachtet, als sie es in der Realität seien.

Korrelationen verändern sich
„Korrelationen sind nicht statisch. Die Beziehungen zwischen Aktien und anderen Anlageklassen verändern sich im Verlauf einer Krise erheblich – oft deutlich vor dem Höhepunkt der Marktvolatilität“, stellt Lee fest. „Muster, die in stabileren Phasen Bestand hatten, können sich in relativ kurzen Zeiträumen abschwächen, verstärken oder sogar umkehren“, so Lee.

Lee bezeichnet daher das Investieren mehr als „Kunst denn als exakte Wissenschaft, da sich keine einzelne Anlageklasse über alle Zeiträume hinweg konsistent verhält“. Anlageklassen, die gemeinhin als defensiv gelten, reagierten nicht immer einheitlich. Die Grafik unten zeigt, wie sich Korrelationen im Hinblick auf und während der Ereignisse verändern.

Quelle: Schroders, Refinitiv Datastream, 25. März 2026. Korrelationen über 12 Wochen. Vor dem Ereignis = aktuelle Korrelation vor dem Konflikt. Durchschnittliche Korrelationen über sieben geopolitische Ereignisse hinweg: 9/11 und Irak-Invasion (2001), Bombenanschläge auf Madrid und Moskau (2004), Krim & ISIS (2014), Spannungen zwischen Nordkorea und den USA (2017), Russland-Ukraine-Krieg (2022), Israel-Hamas-Konflikt (2023), Israel-Iran-Konflikt (2025).

Beispiel Iran-Krieg
Der markante Rückgang der Goldpreise Mitte März 2026 taugt aus Sicht von Lee als ein anschauliches Beispiel für wechselnde Renditetreiber. Steigende Inflationssorgen verdrängten die geopolitische Absicherungsfunktion des Edelmetalls; Gold bewegte sich wieder im Gleichklang mit den Realzinsen, nachdem diese Beziehung in den vergangenen Jahren zeitweise außer Kraft gesetzt schien.

Lees Folgerung: Anlageklassen, die gemeinhin als Diversifikatoren gelten – etwa Rohstoffe oder Gold – weisen keine einheitliche Beziehung zu Aktien über verschiedene Ereignisse hinweg auf. In manchen Fällen würden die Korrelationen negativer und böten einen gewissen Schutz. „In anderen Fällen entwickeln sie sich in die entgegengesetzte Richtung: Anlageklassen werden stärker positiv korreliert, gerade dann, wenn die Märkte unter Druck geraten“, so Lee. Dasselbe gelte für traditionelle sichere Häfen: Stärke und Timing des Diversifikationsvorteils könnten je nach Art des Schocks erheblich variieren.

Quelle: Schroders, Refinitiv Datastream, 25. März 2026. Korrelationen über 12 Wochen. Die Veränderung der Korrelationen wird als Differenz zwischen den Korrelationen vor dem Ereignis und den ersten 12 Wochen während des Ereignisses berechnet.

Dies zeige, dass nicht alle Krisen gleich seien. Manche seien primär Wachstumsschocks, etwa die europäische Staatsschuldenkrise 2011. Andere würden durch Versorgungsunterbrechungen ausgelöst, etwa die Lieferkettenstörungen nach Covid oder durch Inflationssorgen, wie der erwartete Inflationsschub durch die Einführung von Zöllen. Viele Krisen vereinten nach Meinung von Joven Lee mehrere dieser Elemente. Es sei daher nur folgerichtig, dass es kein einheitliches Muster gebe, auf das sich Anleger zuverlässig stützen könnten. „Es gibt kein universell gültiges geopolitisches Playbook“, so Lee.

Große Streuung der Korrelationen
Betrachte man verschiedene Ereignisse, sei das auffälligste Merkmal nicht nur, dass sich Korrelationen verändern, sondern wie stark die Ergebnisse variieren können. Selbst traditionell defensive Anlageklassen wie US-Staatsanleihen wiesen eine große Streuung der Korrelationen auf. Korrelationen zwischen Aktien und defensiven Anlagen könnten zeitweise deutlich negativ sein und klare Diversifikationsvorteile bieten. In anderen Phasen sei diese Beziehung erheblich schwächer und biete weitaus weniger Schutz.

Auch weist Lee darauf hin, dass Durchschnittswerte oft nicht zum Ziel führen. „Es mag verlockend sein, sich auf historische Normen zu verlassen, doch die Erfahrung während einzelner Episoden kann erheblich von diesen Durchschnittswerten abweichen. Für Anleger zählt nicht nur die zentrale Tendenz, sondern die gesamte Bandbreite möglicher Ergebnisse – insbesondere in Stressphasen.“

Quelle: Schroders, Refinitiv Datastream, 25. März 2026. Korrelationen über 12 Wochen. Während des Ereignisses = 12-wöchiges Zeitfenster ab Beginn des Ereignisses. Durchschnittliche Korrelationen über sieben geopolitische Ereignisse hinweg: 9/11 und Irak-Invasion (2001), Bombenanschläge auf Madrid und Moskau (2004), Krim & ISIS (2014), Spannungen zwischen Nordkorea und den USA (2017), Russland-Ukraine-Krieg (2022), Israel-Hamas-Konflikt (2023), Israel-Iran-Konflikt (2025). Der Bereich zeigt einen Min-bis-Max-Bereich von Korrelationen bei sieben Ereignissen.

Diese Variabilität deute Lee zufolge grundsätzlich darauf hin, dass Unsicherheit in den Beziehungen zwischen Anlageklassen keine Anomalie bildet, sondern ein inhärentes Merkmal von Märkten. Das Verhalten verschiedener Anlageklassen während geopolitischer Schocks werde durch ein Zusammenspiel von Faktoren geprägt – Wachstumserwartungen, Inflationsdynamik, politische Reaktionen und Marktpositionierung –, die von Episode zu Episode nahezu zwangsläufig variierten.

Unsicherheit sei in diesem Sinne strukturell, nicht zufällig. Die Tatsache, dass Korrelationen sich über Ereignisse hinweg unterschiedlich verhalten, sei kein Versagen von Diversifikation, sondern ein Spiegelbild der komplexen und sich wandelnden Natur der Risiken, die Anleger zu steuern versuchen. (de)

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