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SAFE: Sanktionierung Russlands über Energieboykott hat Grenzen

Als Reaktion auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine beschlosse Deutschland, die EU und internationale Partner Sanktionen, die die russische Wirtschaft und die politische Elite schwächen sollen. Die Vergangenheit zeigt, dass Russland erhebliche Einbußen aus dem Öl- und Gasgeschäft abfedern kann.

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Prof.Dr. Alfons Weichenrieder, Research Fellow am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE und Professor für Finanzwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt
© Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE

Als weitere Sanktionsmaßnahme wird ein Energieembargo diskutiert, das Russland empfindlich treffen soll. Allerdings sind die ökonomischen Folgen eines solchen Embargos aus der Sicht Russlands voraussichtlich verkraftbar, wie Alfons Weichenrieder, Research Fellow am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE und Professor für Finanzwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt, in einem aktuellen SAFE Policy Letter argumentiert. Bereits in der Vergangenheit musste Russland erhebliche Einbrüche bei Ressourceneinnahmen abfedern.

„Ausgehend von den verfügbaren Daten über den russischen Haushalt und Ausgaben, wird ein Energieembargo die Stabilität der russischen Wirtschaft nicht entscheidend beeinträchtigen“, so Weichenrieder. Russland weist seit Jahren ein niedriges Staatsdefizit und eine geringe Verschuldung auf. Drastische Einnahmenverluste bei Öl und Gas konnten großteils durch höhere öffentliche Defizite kompensiert werden, so zum Beispiel in den Jahren 2011 bis 2016.

Öffentliche Finanzen und Ressourcenrente in Prozent des BIP

Die blaue Linie ist gegen die linke Achse aufgetragen und stellt das gesamtstaatliche Defizit in Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts dar. Die rote Linie ist auf der rechten Achse aufgetragen und gibt die Ressourcenrente in Prozent des Bruttoinlandsprodukts an. Um die negative Korrelation zwischen den beiden Datenreihen zu verdeutlichen, sind die Defizite in umgekehrter Reihenfolge angegeben: höhere Werte bedeuten niedrigere absolute Defizite. Im Jahr 2006 wies der russische Haushalt beispielsweise einen Überschuss von etwa acht Prozent des BIP auf. 

Daten: IWF, Weltbank, World Development Indicators, World Economic Outlook Database

Vor diesem Hintergrund geht Weichenrieder davon aus, dass Russland in der aktuellen Situation einen Einbruch der Ressourcenrente ausgleichen kann: „Geringere Kapitalexporte und der Druck auf inländische Investoren zum Kauf russischer Staatspapiere dürften die Finanzlücke schließen.“

Kein Vermögensverlust für Russland
Außerdem weist der SAFE Policy Letter auf einen Vorteil von Rohstoffen im Vergleich zu Waren und Dienstleistungen hin: „Die Rohstoffeinnahmen sind nicht verloren. Jede Rohstoffeinheit, die wegen Sanktionen heute nicht gehoben wird, kann in Zukunft abgebaut werden“, sagt der Autor. Ein Energieembargo würde insofern nur eine Vermögensumschichtung, aber keinen Vermögensverlust Russlands verursachen. Das ist anders bei etwaigen Produktionsausfällen im Westen. Wenn Kapazitäten brach liegen, kann das nur sehr beschränkt in der Zukunft wieder aufgeholt werden.

Die Sanktionierung Russlands über einen Energieboykott hat also Grenzen
Dies spreche dafür, die Kräfte eher darauf zu konzentrieren, die Ukraine stärker direkt ökonomisch und mit Ausrüstung in ihrem Abwehrkampf zu unterstützen, so die Einschätzung des Finanzwissenschaftlers. (kb)

 

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