Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Theorie

| Märkte
twitterlinkedInXING

Rückblick: Erschreckende Parallelen zum Jahr 1720

Mit der Rettung des Euros öffnete die Europäische Zentralbank (EZB) die Büchse der Pandora, meint Anlageprofi Markus Richert. Die Parallelen zur ersten Finanzkrise seien erschreckend.

Markus Richert, Portfolio Concept Vermögensmanagement
Markus Richert, Portfolio Concept Vermögensmanagement
© Portfolio Concept Vermögensmanagement

In der Coronakrise erlebte die Welt eine nie dagewesene Intervention der Zentralbanken. In nie gekannter Einigkeit fluteten sie die Märkte mit billigem Geld – befeuert von der Politik, die ihrerseits alles tut, um die Wirtschaft zu stützen. Markus Richert, Anlageprofi bei der Vermögensverwaltung Portfolio Concept Vermögensmanagement, sieht erschreckende Parallelen zur ersten großen Finanzkrise im Jahr 1720.

Im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges häuften die beiden Großmächte England und Frankreich ebenfalls astronomisch hohe Schuldenberge an. Insbesondere Frankreich steckte in einer schweren Rezession, die Bevölkerung verarmte, Einnahmen waren auf Jahre verpfändet. Der Staatsbankrott drohte. Der Schotte John Law hatte daraufhin eine Idee, die Richert zufolge auch vom damaligen EZB-Chef Mario Draghi hätte stammen können: Er gründete mit der Banque générale privée seine eigene private Notenbank und vergab Kredite in Form von Papiergeld.

Dann kam die Inflation...
Law ging nämlich davon aus, dass eine Volkswirtschaft profitiert, wenn möglichst viel Geld im Umlauf ist. Denn je größer die Geldmenge, desto günstiger ist es, sich welches zu leihen, was Investitionen erleichtert und so das Wirtschaftswachstum ankurbelt. "Das Problem dieser Zeit bestand allerdings darin, dass das übliche Zahlungsmittel Münzen aus Edelmetall waren. Diese ließen sich nicht beliebig reproduzieren", erklärt Richert. Die Lösung: Papiergeld. Die Franzosen nahmen die Alternative des Schotten dankbar an. 1717 erklärte Frankreich die Banknoten zum gesetzlich festgelegten Zahlungsmittel.

Zu Beginn funktionierte Laws Idee eindrucksvoll. Die Franzosen kamen leicht an frisches Geld, die Wirtschaft erblühte. Dann zog die Inflation an. "Die Überschwemmung des Marktes mit Geld und die explodierende Nachfrage nach Konsumgütern sorgten innerhalb eines Jahres dafür, dass sich die Preise aller Waren verdoppelten", erklärt Richert. Zugleich wuchs das Misstrauen der Aktionäre. Konsequenz war die erste große Krise des Geldsystems, die Frankreich auf Jahrzehnte ruinierte. Auch in Europa hat die EZB mit ihrem berühmten "whatever it takes" die Büchse der Pandora bereits geöffnet, sagt Richert – und seitdem nicht wieder verschlossen. (fp)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren