Roland Berger-Studie: Humanoide Roboter stehen vor dem Sprung!
Die industrielle Skalierung humanoider Roboter steht unmittelbar bevor. Eine aktuelle Analyse von Roland Berger zeigt, warum die Technik vor dem Durchbruch steht und wie Europa bei der Weltspitze mithalten könnte.

Eckpunkte:
- Zwei Dollar Betriebskosten pro Stunde sichern Europas globale Wettbewerbsfähigkeit.
- Die Branche könnte bis 2050 eine Größe von vier Billionen US-Dollar erreichen.
- Europa benötigt eigene Wertschöpfungsketten, um nicht von den USA und China abhängig zu werden.
„Humanoide Roboter stehen vor dem Sprung aus der Prototypenphase in die industrielle Skalierung“, prognostizieren die Autoren einer aktuellen Roland Berger Studie. Durch Fortschritte bei KI und Robotik-Hardware könnten humanoide Systeme potenziell zu Betriebskosten von rund zwei US-Dollar pro Stunde arbeiten. Damit wären sie in Hochlohnländern wie Deutschland ein „entscheidender Hebel, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, betonen die Studienautoren.
Wirtschaftlicher Wendepunkt erreicht
Dass der Markt vor einer augenfälligen Entwicklung steht, liegt an der Kombination aus zwei Faktoren: „Wir erleben gerade, wie technologische Machbarkeit auf wirtschaftliche Notwendigkeit trifft“, beobachtet Thomas Kirschstein, Partner bei Roland Berger. Laut Kirschstein sei daher nicht mehr die entscheidende Frage, ob humanoide Roboter kommen, „sondern wie schnell sie skalieren“. Der Stratege erklärt, dass langfristig der Markt ein Volumen von bis zu vier Billionen US-Dollar erreichen könnte und damit eine Marktgröße wie die der Automobilindustrie erlangen.
Wachstumsprognose für humanoide Roboter

Die Grafik zeigt die Skalierung zum globalen Massenmarkt. Im optimistischen Szenario erreicht das Volumen bis 2050 vier Billionen US-Dollar. Quelle: Roland Berger Humanoid Robots market model, market interviews, desk research.
Europa benötigt eine eigene Value Chain
„Der Nutzen wird sich zunächst in klar abgegrenzten, repetitiven Anwendungen zeigen, wie etwa Gegenstände auspacken oder transportieren“, prognostiziert die Studie. Von Motoren bis hin zur Elektronik entsteht eine „komplexe Wertschöpfungskette, die in großen Teilen auf bestehenden Industriekompetenzen aufbaut“.
Der Studie zufolge liegen die Investitionen und Stückzahlen in Europa, trotz einer starken industriellen Basis bei Automobilbau und Automatisierung, aktuell hinter den USA und China zurück. Kirschstein betont die Dringlichkeit der Lage: „Europa hat die technologischen Fähigkeiten, in Zukunft von humanoiden Robotern zu profitieren. Was fehlt, ist die Entschlossenheit, in eigene Wertschöpfungsketten zu investieren und schnell zu skalieren.“
Gelingt dieser Aufbau nicht, droht Europa von fremden Technologien abhängig zu werden, obwohl Europa heute mehr als 20 Startups für Humanoide Roboter hat. Ohne eine eigene industrielle Wertschöpfungskette würde ein Teil der wirtschaftlichen Effekte außerhalb Europas entstehen, wie es heute bereits in Teilen der KI-Industrie zu beobachten ist.
Regulierung als Voraussetzung für den Erfolg
Damit alles wie geplant funktioniert, müssen die Rahmenbedingungen angepasst werden: „Humanoide Roboter arbeiten dynamisch und bewegen sich in den gleichen Räumlichkeiten wie Menschen. Dafür braucht es neue Test- und Zertifizierungslogiken sowie einheitliche Gesetzgebung“, betonen die Studienautoren abschließend. (da)

