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Roland Berger-Studie: Diese Investoren geraten unter Handlungsdruck

Eine Umfrage von Roland Berger unter rund 90 Family Offices zeigt, welche Herausforderungen zu meistern und welche Anlagesegmente im Fokus stehen. So zählt Infrastruktur zu den wichtigsten Fokusfeldern, während Private Equity an Momentum gewinnt.

Justus Jandt, Roland Berger: "Family Offices reagieren nicht mehr nur auf Risiken, sie lernen, aktiv damit umzugehen."
Justus Jandt, Roland Berger: "Family Offices reagieren nicht mehr nur auf Risiken, sie lernen, aktiv damit umzugehen."© Roland Berger

Eckpunkte:

  • Geopolitik wird zum größten Risikotreiber: 88 Prozent der Family Offices sehen darin die drängendste Herausforderung
  • Private Equity gewinnt deutlich an Gewicht – über 50 Prozent der Befragten wollen ihre Investitionen ausbauen
  • Internationale Investments bleiben Standard: 90 Prozent investieren global

Zahlreiche Herausforderungen
Family Offices stellen sich strategisch neu auf: Sie professionalisieren ihre Strukturen, rücken langfristige Widerstandsfähigkeit stärker in den Mittelpunkt und zeigen immer bessere Fähigkeiten, ihre Portfolios aktiv an geopolitische Spannungen sowie strukturelle Risiken anzupassen. Das zeigt die aktuelle Family-Office-Studie „New asset allocation in challenging times” von Roland Berger, für die 88 Family-Office-Vertreterinnen und -Vertreter im DACH-Raum im Zeitraum Dezember 2025 und März 2026 befragt wurden.

Geopolitische Umbrüche
Für die befragten Family Offices prägen derzeit vor allem geopolitische Umbrüche die Agenda. 88 Prozent bewerten sie als „signifikante“ oder „sehr signifikante“ Herausforderung – deutlich mehr als in der Vorjahresumfrage (65%). Die gewachsene Unsicherheit schlägt damit unmittelbar auf Investitionsentscheidungen und die strategische Portfoliosteuerung durch. Relevant bleibt auch das Zinsumfeld (68%), das gegenüber der vergangenen Erhebung jedoch etwas an Dringlichkeit verloren hat.

Portfolioumschichtungen
Vor diesem Hintergrund gewichten Family Offices ihre Portfolios weiterhin aktiv um. Immobilien bleiben mit 97 Prozent zwar die am weitesten verbreitete Assetklasse, stehen jedoch zugleich stärker auf dem Prüfstand. Hohe Bedeutung behalten auch Cash-Positionen (94%), die Flexibilität sichern und Liquiditätsreserven schaffen.

Private Equity und Infrastruktur
Das stärkste Aufwärtsmomentum zeigt Private Equity: 55 Prozent der Befragten planen, ihre Fondsinvestitionen auszubauen, auch Direktinvestitionen rücken stärker in den Fokus. Venture Capital (19%) sowie Krypto- beziehungsweise Digital-Assets (20%) werden dagegen deutlich zurückhaltender bewertet.

Auch bei den Anlageschwerpunkten setzen Family Offices klare Akzente. Infrastruktur (69%) zählt zu den wichtigsten Fokusfeldern und gewinnt deutlich an Bedeutung – vor allem wegen stabiler, inflationsnaher Erträge und hoher Widerstandsfähigkeit. Ebenso bleibt der Bereich Medizin und Healthcare (58%) ein zentrales Investitionsfeld, getragen von defensiven Eigenschaften und langfristigen demografischen Trends. Zugleich öffnen sich Family Offices gezielt für ausgewählte Wachstumsfelder: Künstliche Intelligenz (45%) und digitale Geschäftsmodelle (41%) rücken stärker in den Fokus, weil sie sektorübergreifendes Potenzial versprechen.

Internationale Diversifikation ausbaufähig
International bleiben Family Offices investiert, gehen regionale Diversifikation jedoch mit hoher Selektivität an. Zwar legt die große Mehrheit (90%) Kapital außerhalb des Heimatmarkts an, doch nur ein kleinerer Teil (40%) investiert mehr als die Hälfte des Vermögens im Ausland.

Besonders attraktiv bleiben entwickelte Märkte wie Nordamerika (88%) und Nordeuropa (87%). Nordamerika punktet weiterhin mit Markttiefe und Liquidität, wird angesichts von Bewertungsniveaus, politischer Unsicherheit und Währungsrisiken jedoch differenzierter betrachtet.

Nordeuropa profitiert dagegen von Stabilität, Vertrauen und attraktiven Risiko-Rendite-Profilen.

Zugleich rückt Japan (72%) als besonders interessanter nicht-westlicher Markt stärker in den Fokus, gestützt durch Strukturreformen und verbesserte Governance.

Mehrere interne Aufgaben zu meistern
Bei den internen Herausforderungen stehen Cybersicherheit (87%) und Digitalisierung (81%) klar im Vordergrund – getrieben von wachsender digitaler Exponierung und geopolitischen Verflechtungen in der IT.

Innerfamiliäre Themen wie die Nachfolgeplanung (65%, vormals 71%) und Mitbestimmungsregelungen (49%, vormals 68%) verlieren dagegen an Relevanz, auch weil Formalisierung und klarere Zuständigkeiten zunehmen.

Externe Beratung sinnvoll
„Family Offices reagieren nicht mehr nur auf Risiken, sie lernen, aktiv damit umzugehen“, sagt Justus Jandt, Senior Partner bei Roland Berger. „Mit professionelleren Strukturen und gezielter externer Unterstützung werden sie immer besser darin, Unsicherheit in handlungsfähige Anlagestrategien zu übersetzen.“ (aa)

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