Logo von Institutional Money
| Theorie

Pensionsvermögen im Vergleich: Dieses Land hinkt hinterher

Die deutschen Pensionsvermögen erreichen weniger als ein Prozent der globalen Rückdeckungsmittel und wachsen deutlich langsamer als Vergleichsmärkte. In Nachbarländern wie den Niederlanden oder der Schweiz sieht es diesbezüglich besser aus, zeigt eine WTW-Studie auf.

Nikolaus Schmidt-Narischkin, Vorsitzender der Geschäftsführung von Willis Towers Watson Investments in Deutschland: „Der europäische Vergleich zeigt, dass Deutschland bei der kapitalgedeckten Altersvorsorge global, aber auch innerhalb Europas nicht nur beim Volumen entsprechender Rückdeckungsmittel, sondern vor allem strukturell deutlich zurückliegt."
Nikolaus Schmidt-Narischkin, Vorsitzender der Geschäftsführung von Willis Towers Watson Investments in Deutschland: „Der europäische Vergleich zeigt, dass Deutschland bei der kapitalgedeckten Altersvorsorge global, aber auch innerhalb Europas nicht nur beim Volumen entsprechender Rückdeckungsmittel, sondern vor allem strukturell deutlich zurückliegt."© WTW

Eckpunkte:

  • Pensionsvermögen in Deutschland belaufen sich auf 564 Milliarden US-Dollar – das sind weniger als ein Prozent der globalen Rückdeckungsmittel
  • Kapitalgedeckte Altersvorsorge entspricht nur rund elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts
  • In Deutschland besteht eine deutlich geringere Kapitaldeckung als in Staaten wie den Niederlanden, der Schweiz oder dem Vereinigten Königreich

Über die Studie:
Die Global Pension Assets Study 2026 des Thinking Ahead Institute analysiert die Entwicklung der Pensionsvermögen in den 22 größten Pensionsmärkten weltweit (P22). Die Studie basiert auf Daten zum Jahresende 2024 sowie Schätzungen für 2025 und untersucht Marktgröße, Wachstum, Struktur und Kapitalanlage.


Neuer Höchststand
Während Deutschland gemessen am BIP im globalen Vergleich zu den Top-Playern gehört, sieht es bei der kapitalgedeckten Altersvorsorge seiner Bürger im Vergleich dazu weniger gut aus. Das ist der aktuellen Global Pension Assets Study 2026 des Thinking Ahead Institute von WTW zu entnehmen.

Die weltweiten Pensionsvermögen sind 2025 laut der genannten Studie um nahezu zehn Prozent auf einen neuen Höchststand von 68,3 Billionen US-Dollar gestiegen. Getrieben wurde das Wachstum vor allem durch kapitalmarktorientierte Vorsorgesysteme und beitragsorientierte Modelle.

Deutschland zählt mit einem Pensionsvermögen von rund 564 Milliarden US-Dollar zwar zu den zehn größten Pensionsmärkten weltweit, spielt im internationalen Vergleich jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Allein die USA vereinen mit knapp 45 Billionen US-Dollar rund zwei Drittel der globalen Pensionsvermögen auf sich, gefolgt von Kanada und Japan mit jeweils mehr als drei Billionen US-Dollar. Der Anteil Deutschlands an den weltweiten Pensionsvermögen liegt bei unter einem Prozent, zeigt die Studie.

Struktureller Rückstand Deutschlands
Besonders deutlich wird der strukturelle Unterschied im europäischen Vergleich. Die deutschen Pensionsvermögen entsprechen lediglich rund elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

In anderen europäischen Staaten ist die kapitalgedeckte Altersvorsorge deutlich stärker ausgeprägt: In der Schweiz liegen die Pensionsvermögen bei rund 173 Prozent des BIP, in den Niederlanden bei etwa 147 Prozent. Auch im Vereinigten Königreich erreicht das Planvermögen mit rund 82 Prozent des BIP ein deutlich höheres Niveau. Nicht zuletzt Länder wie Finnland (rund 110 Prozent) oder Schweden liegen klar über dem deutschen Wert. Frankreich kommt dagegen – ähnlich wie Deutschland – nur auf einen einstelligen Anteil am BIP.

Wachstumsschwäche
Beim langfristigen Wachstum zeigt sich ebenfalls ein deutlicher Abstand. In den vergangenen zehn Jahren wuchsen die deutschen Pensionsvermögen im Durchschnitt um 3,3 Prozent pro Jahr. Damit bleibt Deutschland sowohl hinter dem globalen Durchschnitt als auch hinter vielen europäischen Vergleichsmärkten zurück.

Zum Vergleich: In der Schweiz und den Niederlanden lagen die Wachstumsraten bei über 4 Prozent pro Jahr, während kapitalmarktorientierte Systeme wie in den USA (7,7 Prozent) oder Kanada (5,3 Prozent) deutlich höhere Zuwächse verzeichneten.

„Der europäische Vergleich zeigt, dass Deutschland bei der kapitalgedeckten Altersvorsorge global, aber auch innerhalb Europas nicht nur beim Volumen entsprechender Rückdeckungsmittel, sondern vor allem strukturell deutlich zurückliegt“, sagt Nikolaus Schmidt-Narischkin, Vorsitzender der Geschäftsführung von Willis Towers Watson Investments in Deutschland: „Während Länder wie die Niederlande oder die Schweiz frühzeitig auf kapitalgedeckte und institutionell organisierte Vorsorgelösungen gesetzt haben, ist die Altersvorsorge in Deutschland weiterhin stark umlagefinanziert geprägt. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und reifer werdender Versorgungssysteme gewinnen organisatorische Modelle an Bedeutung, die bestehende Pensionsverpflichtungen effizient steuern und Risiken langfristig aus Unternehmen herauslösen, ohne die Versorgung der Begünstigten zu beeinträchtigen.“

Struktureller Wandel
Global betrachtet verdeutlicht die Studie zudem den strukturellen Wandel der Altersvorsorge. In den sieben größten Pensionsmärkten machen beitragsorientierte Systeme (Defined Contribution, DC) inzwischen 63 Prozent der Pensionsvermögen aus. Märkte mit einem hohen DC-Anteil verzeichneten in den vergangenen zehn Jahren überdurchschnittliche Wachstumsraten. Gleichzeitig zeigt sich eine stärkere Diversifizierung der Kapitalanlagen, während integrierte Ansätze in der Steuerung von Vermögen und Risiken weiter an Bedeutung gewinnen. (aa)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion