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Nvidia-Tech-Chef: „Das ermöglicht die vierte industrielle Revolution!“

Der EMEA Head of Financial Technology und Mitglied des globalen FSI Leadership Teams gewährte auf dem Institutional Money Kongress einen Blick in eine Zukunft, in der alle professionellen Marktteilnehmer, aber auch die Realwirtschaft, intensiv mit vielerlei verschiedenen KI-Agenten arbeiten werden.

Dr. Jochen Papenbrock, EMEA Head of Financial Technology und Mitglied des globalen FSI Leadership Teams bei Nvidia, hielt auf dem 17. Institutional Money Kongress in Frankfurt einen vielbeachteten Vortrag im Rahmen von "IM Spezial". 
Dr. Jochen Papenbrock, EMEA Head of Financial Technology und Mitglied des globalen FSI Leadership Teams bei Nvidia, hielt auf dem 17. Institutional Money Kongress in Frankfurt einen vielbeachteten Vortrag im Rahmen von "IM Spezial". © Christoph Hemmerich / Institutional Money

Eckpunkte:

  • Künstliche Intelligenz sorgt für hohe Produktivitätsgewinne
  • Selbstständig entwickelte Modelle und KI-Agenten bieten Vorteile
  • KI könnte Europa neuen Schwung geben

Der Vortragssaal im Frankfurter Congress Center war bis zum letzten Platz mit institutionellen Investoren gefüllt, als Dr. Jochen Papenbrock, EMEA Head of Financial Technology und Mitglied des globalen FSI Leadership Teams bei Nvidia, auf dem 17. Institutional Money Kongress im Rahmen von „IM Spezial“ und in Kooperation mit der CFA Society Germany seinen mit Spannung erwarteten Vortrag hielt. Dessen Titel, „Agentenbasierte KI-Fabriken für die Finanzmärkte“, war Programm: In einem rund 50-minütigen, intensiven Vortrag erläuterte Papenbrock, wie Künstliche Intelligenz (KI) und im Speziellen KI-Agenten die Finanzbranche (und am Ende wohl auch alle anderen Wirtschaftssektoren und sämtliche Lebensbereiche) massiv verändern werden.

Papenbrock gab für diese Prognose gleich zu Beginn seines Vortrages ein anschauliches Beispiel aus der Finanzbranche. Die Royal Bank of Canada (RBC) setzte zur Erreichung ihrer ambitionierten, zukünftigen Gewinnziele im Rahmen von internen Rationalisierungsschritten stärker auf die Dienste von KI-Agenten und erzielte dadurch extreme Produktivitätsgewinne: Brauchte ein Analyst früher rund 40 Stunden für die Erstellung eines Reports, kann dieser Analyst mit einem entsprechend gut geschulten KI-Agenten diese Arbeit in nun rund 15 Minuten gleich gut erledigen. In Folge kann der Analyst sein potenzielles Universum an gecoverten Unternehmen von zehn auf 50 und mehr Werte steigern und die Bank aufgrund dieses Produktivitätswachstums Personal einsparen.

Damit KI-Agenten diese erstaunliche Leistung erbringen können, bedarf es vorab die Errichtung zahlreicher KI-Fabriken. „Das ermöglicht die vierte industrielle Revolution, bei der Wissen produziert wird!“, erklärte Papenbrock. Er wies darauf hin, dass viele bekannte Branchengrößen bereits eigene KI-Fabriken errichten, um möglichst unabhängig von externen Anbietern ihre eigenen Daten zu verarbeiten und auf diese Weise neues Wissen zu generieren. Diese Firmen verwenden darüber hinaus in vielen Fällen bereits Dutzende oder hunderte unterschiedliche KI-Agenten für ihre Dienste. Vielfach werden die eigenen KI-Fabriken tagsüber für „normale“ Anwendungsfälle der Mitarbeiter eingesetzt und nachtsüber, wenn weniger Anfragen eintreffen, werden die KI-Fabriken für „Spezialberechnungen“ oder zum Training zukünftiger KI-Agenten verwendet. Denn Rechenleistung ist derzeit knapp und teuer.

Bei den neuen Fabriken geht es wie bei den ganz klassischen Fabriken mit rauchenden Schloten um die Erreichung möglichst hoher Effizienzgrade. Die Errichtung von KI-Fabriken ist aber alles andere als leicht: Die Betreiber benötigen nicht nur unzählige hochpreisige Chips (die oftmals vom Marktführer Nvidia geliefert werden…), sondern auch ausreichend und vor allem günstige Energie und einen dafür geeigneten Standort. Vielfach werden alte Industriefabriken oder zumindest deren Gelände für KI-Fabriken verwendet. Eine Anekdote am Rande: Um den Menschen deutlich und vor allem im wahrsten Sinne des Worte sichtbar und „begreifbar“ zu machen, dass KI und KI-Fabriken ein neues Zeitalter prägen, hat ein Betreiber eine KI-Fabrik mitten in London mit leuchtenden Lichtern errichtet. KI-Fabriken zum Angreifen…

Deutschland scheint wie bei vielen anderen innovativen Entwicklungen auch bei der Errichtung von KI-Fabriken im internationalen Vergleich den Anschluss zu verlieren. „Wir müssen uns bei der Errichtung von KI-Infrastruktur beeilen“, forderte Papenbrock. „KI ist Basisinfrastruktur wie Straßen, Schulen oder Stromleitungen“, betonte der Nvidia-Mann. Grundvoraussetzung ist aber eine günstige Energieversorgung, die derzeit in Deutschland nicht existiert.

Unabhängigkeit kann zu neuer Stärke führen
Im Folgenden erläuterte Papenbrock, welche Herausforderungen Unternehmen beim Experimentieren und bei der Implementierung von generativer Künstlicher Intelligenz meistern müssen. Dabei arbeitete Papenbrock die Vorteile von selbst erstellen KI-Agenten auf Basis von Open-Source-Programmen heraus. Diese haben im Vergleich zu fix und fertig angebotenen KI-Agenten von Anbietern wie OpenAI, Google et al den Vorteil, besser auf die individuellen Unternehmensbedürfnisse hin trainiert werden zu können und besser als Agenten „von der Stange“ zu sein. Über Open-Source-Programme können Firmen ihre eigenen KI-Agenten zu hochspezialisierten Helfern und Experten anlernen, die sich auf einzelne Aufgabengebiete konzentrieren und damit für hohes Produktivitätswachstum sorgen.

Ein Setzen auf eigene, selbst entwickelte KI-Agenten ist nicht nur aus Sicht des Datenschutzes und der Wahrung von Geschäftsgeheimnissen essentiell, sondern gewinnt angesichts der geopolitischen Entwicklungen an Bedeutung. So warnte Papenbrock vor den hohen Kosten und negativen Folgen, falls eines Tages in einem Worst-Case-Szenario in den USA-beheimatete KI-Agenten plötzlich ihren Dienst für europäische Unternehmen verweigern sollten…

Papenbrock zufolge bieten Open-Source-Modell Europa eine Chance, sich im Bereich KI selbständig zu machen und eigene, überlegene Programme zu entwickeln.

„Wenn ich als Unternehmen immer die neuesten und besten KI-Modelle habe und einsetze, werde ich im internationalen Wettbewerb einen Vorteil haben“, zeigte Papenbrock dem in Krisenmodus befindlichen Europa respektive seinen Unternehmen einen möglichen Ausweg in eine prosperierende Zukunft. (aa)

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