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Modell zeigt erhöhtes Rezessionsrisiko von mehr als 50 Prozent

Das von Bloomberg Ecomonics benutzte Modell zur Vorhersage einer US-Rezession zeigt nunmehr an, dass das Risiko des Eintritts der USA in eine Rezession innerhalb der nächsten zwölf Monate bei 53 Prozent liegt.

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Auch gute Modelle haben ihre Grenzen und müssen unter Umständen nachgeschärft werden.
© Fotolia

Das bedeutet ein deutliches Warnsignal in Licht von Corona, des Ölpreisverfalls und der schwachen Märkte. Diese Gemengelage lässt eine wirtschaftliche Kontraktion immer wahrscheinlicher werden. In den kommenden Monaten, wenn sich das Virus in das wirtschaftliche Zahlenwerk hineinfrisst, könnte die Wahrscheinlichkeit eines Rezessionseintritts gemäß dem Modell noch weiter steigen.  

Wertvolles Tool auf Sicht ein Jahr
Das Modell zur Abschätzung des Rezessionsrisikos ist ein wertvolles Tool zur Abschätzung des Risikos auf Sicht von einem Jahr. Gleichzeitig bedeutet die Volatilität an den Märkten ein Ergebnis, das mit Vorsicht zu interpretieren ist, und Änderungen an den Finanzmärkten wie die Verflachung der US-Treasuries-Renditekurve stellen eine weitere Komplikation dar. Die Hausmeinung von Bloomberg Economics ist es, dass die US-Wirtschaft einen Abschwung vermeiden kann, aber das Wachstum im zweiten Quartal deutlich schwächer ausfallen wird, bevor es an Momentum in der zweiten Jahreshälfte 2020 gewinnt. 

Hohe Rezessionswahrscheinlichkeit prognostiziert
Die 53 Prozent Rezessionswahrscheinlichkeit, basierend auf den Wirtschaftsdaten vom Februar und den Finanzmarktdaten von März, bedeutet eine deutliche Steigerung gegenüber einer Eintrittswahrscheinlichkeit von bloß 24 Prozent im Januar 2020 und damit den höchsten Wert, seit die US-Wirtschaft im Juni 2009 aus der Finanz- und Wirtschaftskrise kam. Haupttreiber für den Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit sind die Signale, die der Finanzmarkt dem Modell liefert. Trotz der Leitzinssenkung um 50 Basispunkte dominieren weiter Bedenken in Bezug auf das Wachstum. Aktien korrigieren stark, Credit-Spreads weiten sich aus, Staatsanleihenrenditen sind auf Tiefstständen, und der Ölpreis fällt dramatisch.

Die Wirtschaftsdaten vom Februar waren weniger alarmierend
Die Arbeitslosenrate ist in der Nähe eines 50-Jahres-Tiefs lässt keine Alarmglocken läuten. Bloomberg erwartet Schwächeanzeichen im März, die sich im April dann deutlicher in den Zahlen niederschlagen werden. Die von Bloomberg Economics erwartete wirtschaftliche Abschwächung in den USA wird im zweiten Quartal zu einem Wachstum von lediglich 0,5 Prozent führen, womit eine Rezession knapp vermieden werden kann. Für das zweite Halbjahr werden dann wieder 2,1 Prozent Wachstum prognostiziert. Ein robustes Wachstum der Realeinkommen und Beschäftigungsgewinne bilden eine Feuermauer gegen den Abschwung. Zinssenkungen der Federal Reserve und - außerhalb des Sektors der Schieferölproduktion - niedrigere Ölpreise werden Unterstützung geben. Kritische Größe ist dabei der Infektionspfad, den das Coronavirus einschlägt. Eine stark steigende Anzahl an Infektionen und aggressive Maßnahmen zu deren Eindämmung würde diese Prognose Makulatur werden lassen. 

Ist heute alles anders als gestern?
Seit dem Sommer 2019, als die invertierte Renditekurve ein falsches Rezessionssignal lieferte, gibt es eine intensive Diskussion über Änderungen in der Dynamik an den Finanzmärkten und darüber, ob die traditionellen Indikatoren zur Abschätzung des Rezessionsrisikos ihre Aussagekraft verloren haben könnten. Eine flachere Renditekurve in normalen Zeiten bedeutet beispielsweise, dass Inversionen häufiger auftreten und daher nicht mehr die Aussagekraft von früher als Frühindikator besitzen. Die kommenden Monate werden einen Lackmustest darstellen.

Grenzen des Modells
So hat das Modell etwa Ende 2018 unnötigerweise ein Fehlsignal ausgesendet, als ihm zufolge die Rezessionwahrscheinlichkeit auf annähernd 50 Prozent gestiegen war. Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 hat es nämlich keine Rezession gegeben. (kb)


 

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