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MIT-Studie: Institutionelle Investoren sollten EMD-Exposure erhöhen

Eine Studie von des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zeigt, dass institutionelle Anleger ihre Allokation in Schwellenländeranleihen erhöhen sollten. Darüber berichtet der EMD-Anbieter NN Investment Partners.

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Marcelo Assalin NN Investment Partners: „Schwellenländeranleihen sind eine unterschätzte Anlageklasse. Viele Investoren haben nach wie vor unbegründete Bedenken, die sich mit einem Blick auf die Daten jedoch leicht widerlegen lassen."
© NNIP

Eine Studie der Sloan School of Management am Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat ergeben, dass der Anteil von Schwellenländeranleihen in einem Fixed-Income-Portfolio in einem Umfeld mit steigenden Zinsen optimalerweise zwischen acht und 35 Prozent liegen sollte, abhängig vom Risikoappetit der Investoren. Zum Vergleich: Der Anteil von Schwellenländeranleihen in globalen Anleiheindizes liegt bei nur zwei bis sechs Prozent. Schwellenländerhochzinsanleihen in Hartwährung weisen das größte Potenzial auf. Die Studie wurde von Studenten im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit für das MIT Sloan 2018 Finance Research Practicum durchgeführt. Darüber berichtet NN Investment Partners (NN IP).

15-jähriger Beobachtungszeitraum
Im Rahmen der Studie wurden die Risiko-Ertrags-Profile verschiedener Fixed-Income-Anlagen in Zinsanstiegsphasen in den vergangenen 15 Jahren miteinander verglichen. Anschließend wurde ermittelt, wie hoch die optimale Allokation eines Fixed-Income-Portfolios in Schwellenländeranleihen bei unterschiedlichen, fest definierten Verlusttoleranzen für das Gesamtportfolio ausfallen müsste.

Die Studie kam zu dem Schluss, dass selbst Anleger mit der niedrigsten Drawdown-Toleranz (0% auf Sicht von einem Jahr) von einer Allokation von acht Prozent in Schwellenländeranleihen profitieren würden. Bei einer moderaten Drawdown-Toleranz von -fünf Prozent steigt die Allokationsempfehlung deutlich auf 26 Prozent. Und für Anleger, die ein Drawdown-Risiko von -15 Prozent in Kauf nehmen können, liegt der optimale Anteil bei 35 Prozent.

EMD: Mehr Ertrag bei am ersten Blick weniger Risiko
Tatsächlich können Schwellenländeranleihen gute risikobereinigte Renditen bieten: Die Rendite von Schwellenländerstaatsanleihen in Lokalwährung war zum Ende des vergangenen Jahres praktisch genauso hoch wie die von US-Hochzins-Unternehmensanleihen, aber das aggregierte Rating war um sieben Stufen besser. Und die Rendite von Unternehmensanleihen aus Schwellenländern war knapp zwei Prozent höher als die von US-Investment-Grade-Unternehmensanleihen, obwohl das Rating der Schwellenländeranleihen nur zwei Stufen niedriger war.

Darüber hinaus weisen Schwellenländeranleihen nach Auffassung von NN IP strukturelle Vorteile auf. So lag die durchschnittliche Recovery-Quote nach einem Zahlungsausfall von Staatsanleihen aus Schwellenländern in den Jahren von 1983 bis 2016 bei vergleichsweise sehr hohen 54 Prozent. Außerdem kam es pro Jahr höchstens zu zwei Zahlungsausfällen bei Schwellenländer-Staatsanleihen. Trotz einer tendenziell hohen Korrelation der Credit Spreads mit den US-Aktienkursen stieg die Zahl der Zahlungsausfälle bei Schwellenländer-Staatsanleihen während der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 nicht wesentlich an.

Investoren halten sich bei EMD zurück
Obwohl Schwellenländeranleihen mittlerweile eine sehr große Anlageklasse darstellen, ihr Risiko-Ertrags-Profil in den vergangenen 15 Jahren günstig war und die Fundamentaldaten solide sind, sind die Allokationen in Schwellenländeranleihen nach wie vor gering. Eine Studie von NN IP zur Stimmung institutioneller Investoren gegenüber Schwellenländeranleihen vom März 2018 hat ergeben, dass institutionelle Anleger in der Regel lediglich ein bis fünf Prozent ihrer Assets in Schwellenländeranleihen investieren. Die Studie hat darüber hinaus ergeben, dass über die Hälfte aller Befragten ihre geringe Allokation in Schwellenländeranleihen damit begründen, dass sie nicht genug von dieser Anlageklasse verstehen. Drei Viertel führen außerdem die allgemeine Risikowahrnehmung als Grund für die geringe Allokation an. Zudem dürfte auch die Tendenz der Anleger zu Investitionen in den Heimatmärkten hemmend wirken.

Aber nicht nur in der Portfolioallokation der Investoren, auch in wichtigen globalen Anleiheindizes ist der Anteil von Schwellenländern niedrig: Beim Citi WGBI liegt er bei nur zwei Prozent, beim Bloomberg Global Treasury bei 3,1 Prozent und beim Bloomberg-Barclays Global Treasury bei 6,0 Prozent. Der wesentliche Grund, warum Schwellenländeranleihen in globalen Anleiheindizes nur unterproportional vertreten sind, ist, dass eine Reihe von Anleihen und Ländern die Aufnahmekriterien nicht erfüllen.

„Schwellenländeranleihen sind eine unterschätzte Anlageklasse. Viele Investoren haben nach wie vor unbegründete Bedenken, die sich mit einem Blick auf die Daten jedoch leicht widerlegen lassen", erklärt Marcelo Assalin, Head of Emerging Market Debt bei NN Investment Partners, um anzufügen: „Schwellenländeranleihen haben in der Vergangenheit sehr attraktive Risiko- und Ertragseigenschaften aufgewiesen, und ihre höhere Verzinsung kann als Puffer dienen, wenn an den Märkten wegen des Zinsanstiegs Gegenwind herrscht."

Tendenziell würden laut Assalin die Risiken gerade von Schwellenländer-Staatsanleihen am Markt überschätzt. Das Risiko-Ertrags-Verhältnis sei aber für geduldige Anleger günstiger als bei sehr vielen anderen Fixed-Income-Anlageklassen.

"Insgesamt bin in überzeugt, dass vor allem Schwellenländerhochzinsanleihen in Hartwährung, aber auch kurz laufende Schwellenländeranleihen und Frontier-Market-Anleihen ein sehr gutes Potenzial besitzen, andere Anleiheklassen bei steigenden Zinsen zu schlagen. Auch kürzer laufende Lokalwährungsanleihen sollten gut abschneiden", erklärt Assalin abschließend. (aa)

 

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