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Martin Hüfner: Diese Markteffekte hätte ein Downgrade der US-Bonität

Der Assenagon-Chefvolkswirt fürchtet angesichts des drohenden Downgrades der USA negative Auswirkungen auf Zinsen, Währungen und Aktien. Darüber hinaus könnte der Handelskrieg verschärft werden. Die nächsten Monate werden daher spannend.

Dr. Martin Hüfner Foto
Dr. Martin Hüfner, Assenagon
© Assenagon

Investoren sollten sich der Gefahr bewußt werden, dass das Risiko, dass die Vereinigten Staaten auf den Kapitalmärkten die Bonitätsnote "Triple A" verlieren könnten, steigt.
Auslöser für die neue Diskussion sei laut Einschätzung von Dr. Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon, die schwer kalkulierbare Haltung des amerika­nischen Präsidenten im Haushaltsstreit mit dem Kongress.

Für den erfahrenen Ökonomen hätte eine Abstufung der US-Bonität nicht nur Auswirkungen auf Zinsen und US-Dollar, sondern vermutlich auch auf den Handelskrieg mit China. Das werde auch die Aktienmärkte belasten, wie seinem nachfolgenden Kommentar zu entnehmen ist. (aa)


"Es gibt viel Ärger und Irrationalitäten in der Finanzpolitik der USA unter Präsident Trump. Manches ist nicht schön und schwer verständlich. Andererseits wurde, wenn ich es recht sehe, auf diesem Gebiet bisher noch kein größerer ökono­mischer Schaden angerichtet. Das könnte sich jetzt ändern. Denn plötzlich kommt in den USA eine Diskussion auf, dass die Bonität der Vereinigten Staaten auf den Kapitalmärkten in Gefahr geraten könnte.

Die USA gehören derzeit noch zu den wenigen Staaten mit der höchsten Bonitätsnote. Sie besitzen ein Triple A von Moody's und Fitch. Das ist die bestmögliche Bewertung überhaupt. Bei S&P haben sie nur noch die zweitbeste Be­wertung (AA+), nachdem sie vor ein paar Jahren heruntergestuft worden waren. Jetzt geht es darum, ob diese Ein­stufungen so noch gehalten werden können.

Dazu erschien dieser Tage eine Studie von "Suttle Econo­mics", einer volkswirtschaftlichen Analysefirma in Washing­ton. Sie kam zu dem Ergebnis: "Taken together, it seems quite likely that the US will lose its AAA-status over the next year or so." (Zusammengefasst scheint es plausibel, dass die USA ihr AAA-Rating vielleicht im Laufe des nächsten Jahres verlieren könnten). Das ist brisant.

Dabei muss man wissen, dass der Autor und Inhaber der Firma, Phil Suttle, ein renommierter, erfahrener und gut vernetzter Ökonom ist – in Washington, aber auch darüber hinaus. Natürlich weiß auch er nicht, ob es wirklich so kommt. Er hat sich seine These aber bestimmt nicht aus den Fingern gesogen.

Aufgekommen ist die Geschichte mit dem Government Shutdown der letzten Wochen. Er ist jetzt glücklicherweise beendet. Aber die Probleme bestehen weiter. Denn am 1. März wird die Schuldenobergrenze für die Regierung, die bisher außer Kraft gesetzt war, wieder festgeschrieben. Wenn der Staat dann zusätzlich Mittel braucht, muss der Deckel durch das Parlament angehoben werden. Das wird spätestens im September der Fall sein.

Dass es dabei nicht zu Unfällen (= vorübergehenden Zah­lungsverzögerungen) oder zumindest Schwierigkeiten kom­men kann, wird angesichts der spannungsgeladenen At­mosphäre zwischen Kongress und Präsident niemand aus­schließen können. Die Rating-Agenturen werden genau hin­schauen. Nichts ist für sie irritierender als ein Schuldner, den sie – wie Trump – in einer kritischen Situation nicht ge­nau einschätzen können. Insofern ist das aktuelle Rating der USA latent gefährdet.

Bei den rein ökonomischen Faktoren ist die Sache nicht so unsicher. Hier gibt es Positives und Negatives. Wo die Ver­einigten Staaten schlecht dastehen, ist die Bruttoverschul­dung des Staates. Sie liegt jetzt bei über 100 Prozent des BIPs. Das ist erheblich mehr als in anderen Staaten, die mit AAA bewertet werden (siehe Grafik). Erschwerend ist dabei, dass es in der US-Finanzpolitik derzeit kein Bewusstsein gibt, dass die Schulden zu hoch sind.

Ein anderer Schwachpunkt ist die hohe Auslandsverschul­dung der USA. Wichtigste Gläubiger sind China und Japan. Wenn diese Staaten eines Tages beschließen sollten, ihre Bestände an Treasuries in größerem Umfang zu verkaufen, könnten die USA in erhebliche Schwierigkeiten geraten. Auch das berücksichtigen die Rating-Agenturen.

Positiv ist für die Vereinigten Staaten dagegen ihr hohes Pro-Kopf-Einkommen. Sie haben nicht nur den größten Binnenmarkt für Güter und Dienste der Welt, sondern auch den größten Kapitalmarkt. Der US-Dollar ist die Reserve­währung der Welt. Als die Russen im letzten Jahr amerikanische Schatzpapiere verkauften, um Gold zu erwerben, hat das am Markt fast niemand bemerkt. Die USA haben keinerlei Schwierigkeiten, Kredit zu bekommen, um ihre Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite zu finanzieren.

Kein anderes Land könnte es sich leisten, seine Partner in der Welt so zu düpieren und so unverblümt auf seine eige­nen Vorteile zu dringen, ohne Repressalien befürchten zu müssen. Auch das müssen die Rating-Agenturen berück­sichtigen.

Wenn es wirklich zu einem Downgrade kommen sollte, hät­te das erhebliche Auswirkungen. Es würde am Selbstbe­wusstsein der USA kratzen. Man kann sich die wütenden Reaktionen des amerikanischen Präsidenten vorstellen. Er würde alles versuchen, um der Rating-Agentur zu schaden. Das war schon 2011 der Fall, als S&P die Bonitätsnote der USA zurücknahm. Damals ging es so weit, dass am Ende der Chef von S&P zurücktreten musste.
Es ist daher zu vermuten, dass S&P diesmal nicht den An­fang machen würde, sondern eher Moody's oder Fitch.

Die ökonomischen Wirkungen des Downgrades auf die Märkte hielten sich damals in Grenzen. Weder kam es zu einem stärkeren Anstieg der Zinsen, noch hat sich die ame­rikanische Währung abgewertet. Auch der Dow Jones blieb nach vorübergehenden Zuckungen ruhig. Wo es erhebliche Bewegung gab, war beim Volatilitätsindex VIX.

Für den Anleger
So harmlos wie damals dürfte es bei einem Downgrade der USA diesmal nicht zugehen. Ich vermute, dass der Präsi­dent so ein Ereignis zu einer Verschwörung gegen die USA hochspielen und entsprechend reagieren würde. Nicht zu­letzt würden die Handelssanktionen verschärft. Dies hätte dann negative Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Die Vo­latilität würde steigen."

 

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