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Leber ruft Revolution des Value-Investments aus

Der bekennende Warren-Buffett-Jünger Hendrik Leber löst sich von seinem Vorbild. Das Tempo des technologischen Wandels erodiere die Basis des Value-Stils. Daher läutet der Acatis-Manager eine neue Ära der Substanzwerte-Investments ein.

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Hendrik Leber, Acatis: "Ich will nicht in einer Ecke enden, weil ich blind Buffett nachahme."
© Jose Poblete / FONDS professionell

Der Substanzwerte-Papst Hendrik Leber ruft einen Wandel seines Anlagestiels aus. "Wir Value-Investoren müssen uns verändern", sagte der Acatis-Fondsmanager auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim. Als Begründung verweist Leber auf seine letzte Pilgerfahrt zur Hauptversammlung von Berkshire Hathaway. Dort habe Firmenlenker und Value-Legende Warren Buffett vor allem über verpasste Chancen sinniert. So habe er nie in Microsoft, Google oder Amazon investiert – damit sind ihm hohe Renditen entgangen.

"Ich will nicht in einer Ecke enden, weil ich blind Buffett nachahme", sage Leber in Mannheim. Daher müsse sich der Anlagestil grundlegend wandeln. Der technologische Fortschritt verlaufe immer rasanter. "Das Adaptionstempo für Innovationen hat sich dramatisch erhöht", argumentierte der Fondsmanager. Bis das Auto weltweit nahezu flächendeckend etabliert gewesen sei, habe es 100 Jahre gedauert. Beim Smartphone seien es nur zehn gewesen.

"Deutsche Bank tot mehr wert als lebendig"
Die forcierte Geschwindigkeit krempelt auch die Unternehmenswelt um. "Die Lebensdauer von Firmen verkürzt sich", stellte Leber fest. Er verwies dabei auf das Alter der Unternehmen im US-Index S&P 500. Das sei von 50 auf im Schnitt 15 Jahre gesunken. "Die vermeintliche Sicherheit von Ertragsriesen ist immer rascher gefährdet", folgerte der Investor. "Das erodiert den Value-Stil und nimmt ihm seine Basis." Daraus zieht der Manager einen bedeutenden Schluss: "Früher suchten wir die Gewinner der Vergangenheit, nun müssen wir den Gewinner der Zukunft suchen", sagte Leber.

Seinen Sinneswandel verdeutlichte Leber anhand einiger Beispiele. So sei die Deutsche Bank zwar aus klassischer Sicht ein Substanzwert. "Doch das Institut ist tot mehr wert als lebendig", so Leber. Als Beispiel für ein Unternehmen mit laufendem, guten Ertragswert führte er den kalifornischen Süßwarenhersteller See's Candies an, das ein Value-Unternehmen ganz im Buffett'schen Sinne sei. Als Ertragsbringer der Zukunft verwies Leber hingegen auf Alphabet, den Konzern hinter der Internetplattform Google.

"Selbst Buffett denkt um"
Dem neuen Value-Stil folgend sucht der Acatis-Lenker nunmehr nicht alleine mehr nach klassischen Substanzwerten, sondern schaut sich besonders in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Bio- und Medizintechnologie oder Elektro-Autos nach potenziellen Kandidaten um. Auch sein Vorbild, das "Orakel von Omaha", stelle sich allmählich der Einsicht, dass sich der Value-Stil ändern müsse. "Wenn selbst Buffett neu denkt, sollten wir auch umdenken", schloss Leber seinen Vortrag in Mannheim ab. (ert)

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