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Kooperation oder Konkurrenz: Was will man von seinem Investmentfonds?

Charlie Munger meinte einmal: "Zeigen Sie mir den Anreiz, und ich zeige Ihnen das Ergebnis". Einfach ausgedrückt: Welche Kennzahlen ein Arbeitgeber verwendet, um die Leistungszulage zu bestimmen, wird wahrscheinlich einen tiefgreifenden Einfluss darauf haben, wie sich die Mitarbeiter verhalten.

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Richard B. Evansm, Associate Professor of Business Administration
an der Darden School of Business
© Darden ​School of Business

Eine von Professor Richard B. Evans von Darden School of Business durchgeführte Studie über die Leistung von Investmentfondsmanagern zeigt, wie Mungers Gedanke in der realen Finanzwelt zum Leben erwacht. Dementsprechend unterscheiden sich deutlich die Ergebnisse, je nachdem ob die Mitarbeiter dafür bezahlt werden, gegeneinander anzutreten oder für ihre Zusammenarbeit entschädigt werden. 

Was ist also die beste Methode?
Die beste Antwort wird von den Zielen des Unternehmens abhängen. Professor Evans: "Unsere Forschung zeigt, dass Investmentfondsgesellschaften, die den Wettbewerb zwischen den Mitarbeitern fördern, tendenziell einen höheren Anteil an Starfonds haben. Die wettbewerbsorientierten Firmen hatten nicht nur mehr Star-Fonds, sondern auch eine höhere durchschnittliche Fondsperformance. Die Gesamtperformance der Fonds in einer Fondsfamilie wäre höher, wenn die Fondsmanager in einem Wettbewerb um die beste Leistung gegeneinander antreten würden."

Förderung des Wettbewerbs zwischen den Beschäftigten hatte jedoch eine Kehrseite
So gab es eine höhere Schwankungsbreite bei den Fondserträgen: Der Unterschied bei den Anlagerenditen zwischen den besten und den schlechtesten Performern war größer, als wenn die Unternehmen die Zusammenarbeit zwischen den Beschäftigten förderten. Professor Evans: "Unsere Untersuchung zeigte auch, dass Firmen, die die Zusammenarbeit förderten, mehr Cross-Trading und Cross-Holdings von Wertpapieren hatten und dass sie tendenziell stabilere Cashflows hatten."

Eine Flut von Daten 
Um diese Erkenntnisse zu gewinnen, untersuchte man die Renditen für fünf verschiedene Arten von Investmentfonds im Zeitraum von 1992 bis 2015. Konkret handelt es sich um Fonds, die US-Aktien, Nicht-US-Aktien, US-Anleihen, Nicht-US-Anleihen und ausgewogene Portfolios. bestehend aus mehreren Anlageklassen, verwalteten. "Wir haben uns dann eingehend damit befasst, wie die Portfoliomanager bezahlt wurden. Statistiken über Ausgaben, Fondserträge und Portfolioumschlag wurden ebenso analysiert wie der Grad der Überkreuzbeteiligungen zwischen Investmentfonds in derselben Fondsfamilie", so der Professor weiter. "Wir haben auch einen Wettbewerbsindex erstellt, der misst, wie die Anreize ein höheres oder niedrigeres Wettbewerbsniveau gefördert haben. Wir stellten fest, dass höhere Wettbewerbsindizes mit einer höheren Leistung der Fonds korrelierten und umgekehrt."

Warum also kooperieren?
Angesichts des Rufs der Finanzindustrie, in der ein harter Wettbewerb herrscht, warum sollte sich ein führendes Finanzunternehmen für einen kooperativen statt einen wettbewerbsorientierten Ansatz entscheiden? Evans dazu: "Wenn das Ziel darin besteht, den Gesamtwert eines Anlagemanagers zu maximieren, kann ein koordiniertes Vorgehen unter den Fondsmanagern ein wichtiges Instrument sein, um dieses Ziel zu erreichen. Unsere Studie ergab, dass Kooperationsanreize mit einer geringeren Volatilität bei den Beratungsgebühren verbunden waren. Diese Gebühren bilden die Einnahmen des Unternehmens. Und Investoren neigen dazu, einen stabilen Cashflow positiv zu bewerten."

Welches Vergütungssystem ist also besser?
Diese Frage gilt für jede Organisation. Wollen Sie, dass alle miteinander konkurrieren oder dass sie kooperieren? Im Falle von Fondsgesellschaften kommt es darauf an, wer die Kunden sind und wie groß die Organisation ist. 

Rolle der Investoren 
Für institutionelle Kunden ist ein wettbewerbsorientierter Ansatz sinnvoll, da anspruchsvolle institutionelle Anleger daran interessiert sind, Zugang zu den Fähigkeiten und dem Know-how eines einzelnen Fondsmanagers zu erhalten. Zum Beispiel könnte ein Pensionsfonds in einen bestimmten Fonds investieren wollen, weil sein Manager in der Vergangenheit eine überdurchschnittliche Leistung erbracht hat. Institutionelle Anleger verfügen über das Fachwissen, um zu erkennen, welche Manager besser sind als andere.

Genossenschaftliche Fondsfamilien verwalten hingegen eher Vermögen von Kleinanlegern. Die Nachfrage von Einzelanlegern nach Investmentfonds hängt weniger stark von der Performance der Investition ab. Stattdessen können andere Merkmale, wie etwa die Beziehung zu einem Finanzberater, mehr Einfluss haben.

Größe des Asset Managers spielt auch eine Rolle
Und zwar dann,wenn es darum geht, welches Entschädigungssystem verwendet werden soll. In kleineren Unternehmen lässt sich durch Kooperation weniger gewinnen. Die einzelnen Fondsmanager können jeweils Anlagespezialitäten haben, die sich nicht überschneiden. Und deshalb ist der Spielraum für Gewinne, die sich aus der Zusammenarbeit ergeben, geringer.

Bei größeren Organisationen kann eine Zusammenarbeit jedoch durchaus von Vorteil sein. Denn selbst ein scheinbar kleiner Leistungsvorteil eines Managers kann einen Gewinn bedeuten, der sich mehrmals vervielfachen kann, wenn ein Unternehmen über eine große Bandbreite an Fondsangeboten verfügt. (kb)

 

 

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