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Ist die Modern Monetary Theory nur alter Wein in neuen Schläuchen?

In der neuesten Ausgabe des "Strategy Research" der LBBW macht sich Chefvolkswirt Uwe Burkert Gedanken zur heiß diskutierten Modern Monetary Theory (MMT). Er wittert unter anderem Gefahr für die Unabhängigkeit der Notenbanken.

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LBBW-Chefökonom Uwe Burkert (Bild) sagt: "Die Modern Monetary Theory spielt mit dem Feuer!"
© LBBW

Das nun schon über zehn Jahre anhaltende Niedrigzinsumfeld und die Gefahr einer „Japanisierung“ Europas mit niedrigen Inflations- und Wachstumsraten provoziert neue Gedanken. Uwe Burkert dazu: Dies ist in der Geschichte der Volkswirtschaftslehre nichts Neues: So brachte die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts den Keynesianismus als neues volkswirtschaftliches Paradigma hervor und die hohen Inflationsraten der 70er Jahre den Monetarismus. Auch scheint es so, dass die Finanzkrise
und die damit einhergehende unorthodoxe Geldpolitik der Zentralbanken der letzten Jahre nun zu einem neuen Mainstream geführt haben. Denn es ist nicht davon auszugehen,
dass die Zinsen alsbald angehoben werden und dass die Instrumente der Quantitativen Lockerung aus dem Werkzeugkasten der Geldpolitik verschwinden werden." Aktuell werden  angesichts des Niedrigzinsumfelds vor allem auf der linken Seite des politischen Spektrums der USA vermeintlich neue Ideen der sogenannten „Modern Monetary Theory“ (MMT) diskutiert. 

Annahmen der Modern Monetary Theory sehr naiv 
Die Grundprämisse der MMT ist, dass die Fiskal- und nicht die Geldpolitik das primäre Politikinstrument zur Stabilisierung des Konjunkturzyklus‘ sein soll. In diesem Sinne soll Fiskalpolitik eine „Funktion“ erfüllen – nämlich für Vollbeschäftigung zu sorgen; auf eine Balance der staatlichen Einnahmen und Ausgaben müsse dagegen weniger geachtet werden, da die Zinsen ja niedrig sind und die staatlichen Defizite damit leicht zu finanzieren seien. Einziges Risiko in diesem Paradigma wäre, dass eine zu niedrige Arbeitslosenquote zu einem starken Anstieg der Inflationsraten und damit zu abrupten Zinsanstiegen an den  Anleihemärkten führt. Diesem Risiko könne aber frühzeitig mit Kürzungen der Staatsausgaben und mit Steuererhöhungen begegnet werden. Auch könne die Geldpolitik einem Anstieg der
Renditen mit Zinssenkungen begegnen. Auf Deutsch: die Zentralbanken sollen die staatlichen Defizite finanzieren. 

Risiko der MMT ist ein starker Anstieg der Inflation
Die MMT ist im Kern eigentlich nichts wirklich Neues, ananylseret Burkert: " Denn dass eine expansive Fiskalpolitik im Notfall zum Einsatz kommen kann und sollte, wenn die Geldpolitik es aufgrund der Nullzinsgrenze nicht vermag, die Wirtschaft zu stimulieren, ist fast schon eine Binsenweisheit aus den makroökonomischen Lehrbüchern. Es ist das Verdienst der MMT, darauf hingewiesen zu haben, dass in der nächsten Rezession die Fiskalpolitik vielleicht eine größere Rolle spielen kann als in der letzten." Aber eine Rezession sieht Burkert weder in den USA noch in Europa am Horizont.

MMT spielt mit dem Feuer
Denn sie nimmt an, dass die Zinsen nachhaltig niedrig bleiben und die Märkte für Anleihen auch bei sehr hohen Schuldenniveaus des Staates entspannt bleiben. "Zudem unterminiert die MMT die Unabhängigkeit der Notenbanken. Insbesondere der Verlust der Unabhängigkeit der der Notenbanken wäre nämlich für unsere Geldverfassung fatal!", merkt Burkert an. (kb)

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