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Investoren sollten engagiert bleiben, auch wenn Fondsmanager gehen

Köpfe machen Kurse. Wechseln führende Personen im Portfoliomanagement, regt sich Misstrauen bei Anlegern. Viele stoßen gar ihre Anteile erstmal ab. Diese Reaktion ist oftmals ein Fehler, so eine Analyse der Ratinggesellschaft Morningstar.

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Ein neuer Fondsmanager sorgt bei vielen Investoren für Ungewissheit. Im Zweifel werden oftmals Vertrauen und damit die investierten Gelder entzogen.
 

Es war eine Paukenschlag-Personalie: Völlig überraschend verließ der bekannte Manager Henning Gebhardt im Dezember 2016 die Deutsche Asset Management. Der Weggang hinterlässt immer noch Spuren in dem von ihm einstmals verwalteten DWS Aktien Strategie Deutschland. Allein in diesem Jahr flossen bis Ende Mai mehr als 300 Millionen Euro aus dem Dickschiff. Viele Investoren wollen erstmal abwarten, ob Nachfolger Tim Albrecht das drei Milliarden Euro schwere Portfolio genauso geschickt steuert wie Gebhardt.

Doch die Investorenskepsis bei einem Managerwechsel ist oftmals unnötig. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Auswertung der Fondsratinggesellschaft Morningstar. Die Analysten fanden keinerlei Zusammenhang zwischen einem Wechsel des Portfolio-Lenkers und der anschließenden Wertentwicklung des Fonds – weder in den Monaten direkt nach der Rochade noch zwei Jahre später. Die Analysegesellschaft untersuchte dafür US-Publikumsfonds auf Aktien und Anleihen in der Zeit von 2003 bis 2016.

Misstrauen sitzt tief
"Egal, wie wir die Daten drehten und wendeten, im Schnitt hat ein Managerwechsel keinen Einfluss auf die Wertentwicklung eines Fonds", berichtet Morningstar-Analystin Madison Sargis. Stattdessen beobachteten die Experten andere Phänomene: Zum einen erleiden große Fonds nach dem Austausch besonders heftige Mittelabflüsse. Zum anderen scheinen Anleger bei Managern mit herausragender Leistung eher bereit, dem Nachfolger einen Vertrauensvorschuss einzuräumen: Bei Fonds mit besonders großer Outperformance fallen die Mittelabzüge geringer aus.

Das Misstrauen der Anleger gegenüber den neuen Fondskapitänen sitzt zudem sehr tief. Sogar drei Jahre nach einem Wechsel verharrten viele Portfolios noch in einer Absatzflaute. Dies halten die Morningstar-Experten aber für einen Fehler. "Die Performance eines Fonds verändert sich lange nicht so heftig, wie die Reaktion der Anleger es vermuten lässt", erläutert Sargis. Die Umschichtung des Geldes in einen anderen Fonds sei zudem stets mit Kosten verbunden. Meist sei es daher fraglich, ob sich der Aufwand am Ende tatsächlich lohne.

Hauptsache handeln
In der Studie nennt Morningstar auch Gründe, warum ein Führungswechsel nur wenige Änderungen mit sich bringt: Die neuen Manager stammen meist aus dem Analystenteam des Fonds oder waren gar Co-Manager, prägten also vielleicht schon über Jahre das Portfolio mit. Zudem halten sich die neuen Verantwortlichen an dieselben anlagestrategischen Vorgaben und greifen auf dieselben Research-Ressourcen des Hauses zurück wie ihre Vorgänger. Zudem würden die meisten Asset Manager professionell agieren und hätten stets Nachfolgepläne für ihre Top-Manager in der Schublade.

Die Reaktion der Investoren sei aber menschlich dennoch verständlich, räumt die Analystin ein. "Wenn sich Veränderungen ergeben, wollen Anleger handeln", meint Sargis. Daher würden institutionelle Investoren, Vermögensverwalter wie auch Privatkunden häufig in Aktionismus verfallen und Fonds verkaufen – obwohl das meist gar nicht nötig ist.

Sargis gibt offen zu, dass auch Morningstar nach einem Fondsmanagerwechsel das Rating für einen Fonds standardmäßig unter Beobachtung stellt. Die Ratingagentur wolle aber eben nach jenen Fällen Ausschau halten, bei denen auf den Managerwechsel auch eine neue Strategie folgt, welche sich dann doch in einer anderen Wertentwicklung des Fonds niederschlagen kann. (ert)

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