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Invesco: Wie hielten sich ESG-Anlagen im Krisenumfeld?

Eine Untersuchung von Invesco zeigt, ob ESG-Strategien in der jüngsten Krise Investoren zum Vorteil gereichten oder nicht.

Manuela von Ditfurth, Senior Portfolio Manager bei Invesco Quantitative Strategies
Manuela von Ditfurth, Senior Portfolio Manager bei Invesco Quantitative Strategies
© Invesco

Von den heftigen Turbulenzen und Wertverlusten seit Ausbruch der Corona-Krise sind keine Segmente der Aktienmärkte verschont geblieben, auch nicht Investmentfonds mit ESG-Fokus, die sich bei ihren Anlagen an wesentlichen Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien orientieren. Obwohl das Mainstreaming von ESG-Strategien bereits weit fortgeschritten ist, wird dies für viele Investoren die erste Krise sein, in der sie in derartige Strategien investiert sind. Angesichts der immer noch weit verbreiteten Annahme, dass die Anwendung von ESG-Kriterien der Renditemaximierung zuwiderläuft, haben die ESG-Experten von Invesco untersucht, wie sich Wertpapiere mit attraktiven ESG-Merkmalen in den letzten Wochen gegenüber Wertpapieren mit schlechtem ESG-Profil geschlagen haben.

"Enorme Herausforderungen"
Manuela von Ditfurth, Senior Portfolio Manager bei Invesco Quantitative Strategies, berichtet über die Ergebnisse der Untersuchung: „Dieses volatile Marktumfeld hat die Investoren vor enorme Herausforderungen gestellt. Unsere Analysen signalisieren aber, dass Investoren, die einen langfristigen strategischen ESG-Ansatz verfolgen, in dieser Krise eher im Vorteil sind.“

Obwohl der kurze Beobachtungszeitraum keine endgültigen Schlussfolgerungen zuließe, seien die gemachten Beobachtungen für Anhänger von ESG-Ansätzen ermutigend. „Wir haben es aktuell mit einer globalen makroökonomischen Krise zu tun, die Auswirkungen auf ganze Volkswirtschaften hat. Natürlich hängt die absolute Rendite da vor allem am Marktexposure. Unsere Ergebnisse signalisieren aber, dass die Integration von ESG-Kriterien helfen kann, das Verlustrisiko eines Portfolios zu mindern“, so von Ditfurth.

Detaillierter Vergleich
Zur Untersuchung der ESG-Performance haben die ESG-Experten von Invesco auf Basis eines standardisierten aggregierten ESG-Werts, seiner Komponenten E, S und G sowie geläufiger einzelner Indikatoren mehrere Portfolios zusammengestellt.

Die Einzelindikatoren betreffen die Aspekte CO2-Intensität (Scope 1 und Scope 2 Emissionen), Humankapitalmanagement, Corporate Governance und Steuertransparenz.

Nach der Konstruktion von Quintil-Portfolios für die jeweiligen Kategorien haben die Investmentexperten Quintil-Spreadrenditen für die Portfolios berechnet, die long in den jeweils besten 20 Prozent der Unternehmen sind und short in den jeweils schlechtesten 20 Prozent.

Elchtest bestanden, wenn auch nur knapp
Die Spreadrendite-Analyse zeigt, dass das ESG-Portfolio und die zugrundeliegenden Komponentenportfolios in diesem volatilen Marktumfeld eine positive Rendite generiert haben. Vom Jahreswechsel bis zum Markthöchststand im Februar erzielten die einzelnen ESG-Portfolios allesamt positive oder neutrale Renditen. Im Zuge der Ausweitung der Krise und Kursrückgänge an den Aktienmärkten entwickelten sich Wertpapiere mit guten ESG-Werten überdurchschnittlich und halfen so, die Verluste abzufedern. Alle Einzelkriterien-Portfolios schlugen sich recht gut und erzielten zumindest einen leicht positiven Renditebeitrag.

Vor dem Hintergrund der extremen Kursverluste und des extrem volatilen Marktumfelds der vergangenen Wochen ist das Ausmaß der Outperformance der ESG-Portfolios - gemessen an der absoluten Performance der Aktienmärkte - bescheiden. Die Ergebnisse der Invesco-Untersuchung deuten jedoch darauf hin, dass die Integration von ESG-Kriterien das Verlustrisiko eines Portfolios mindern kann – und dass diese Feststellung für eine ganze Reihe von ESG-Aspekten wie Umwelt, Soziales, Governance, CO2-Intensität, Humankapital und Steuertransparenz gilt.

Quality- und ESG-Faktor oftmals vereint
Die Betrachtung der ESG-Quintil-Spread-Portfolios aus der Faktorperspektive zeigt, dass alle ESG-Portfolios einen Qualitätsschwerpunkt haben. Darüber hinaus sind das ESG- und das Umweltportfolio in Momentum-Werten und schwankungsarmen Aktien investiert. Diese Anlagefaktoren – Quality, Momentum und Low Volatility – haben den Investoren in der jüngsten Marktkorrektur allesamt geholfen. Von Ditfurth zufolge bestätigen diese Beobachtungen langfristige Untersuchungen, die gezeigt haben, dass Quality- und Low-Volatility-Faktoren in Phasen fallender Aktienmärkte und einer zunehmenden Volatilität generell relativ gut abschneiden.

Leichte Schutzfunktion
In der jüngsten Aktienbaisse habe eine Anlage in Unternehmen mit einem besseren ESG-Profil so für eine gewisse Verlustabsicherung gesorgt, obwohl das Markt-Beta und die Volatilität in diesem Jahr bislang ganz klar die wichtigsten Treiber der Rendite von Aktienportfolios gewesen seien. In der kurzfristigen Analyse der ESG-Experten von Invesco habe eine umfassende Berücksichtigung von ESG-Kriterien den höchsten positiven Renditebeitrag generiert. Unter den Teilindikatoren habe vor allem die Fokussierung auf die CO2-Intensität für eine gewisse Absicherung gesorgt.

„Wir wollen die Ergebnisse dieser kurzfristigen Studie keinesfalls überbewerten“, betont von Ditfurth. „Für Investoren kann es aber trotzdem beruhigend sein zu sehen, dass die Anwendung von ESG-Kriterien in Portfolios auch in einer Phase unerwarteter und beispielloser Entwicklungen, in der langfristige Trends wie die Globalisierung grundsätzlich in Frage gestellt werden, die erwartete Wirkung zu zeigen scheint.“ (aa)

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