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„Industrie-Corporates sorgen sich um weitere EZB-Zinspläne“

Die jüngste Leitzinsentscheidung der EZB hat Folgen insbesondere für zinssensitive deutsche Corporates, kommentiert Violeta Todorova vom ETP-Anbieter Leverage Shares & Income Shares. Das Phänomen der Stagflation sei gefährlich nahe.

„Die EZB erhöht die Zinsen faktisch in eine schrumpfende Wirtschaft hinein“, sagt Violeta Todorova. 
„Die EZB erhöht die Zinsen faktisch in eine schrumpfende Wirtschaft hinein“, sagt Violeta Todorova. © Leverage Shares

Eckpunkte:

  • EZB erhöht die Zinsen faktisch in eine schrumpfende Wirtschaft hinein
  • BIP-Wachstum der Eurozone um 0,2 Prozent nach unten korrigiert
  • Bewertungen im DAX: Mit höheren Zinsen erhöht sich der Abzinsungssatz für künftige Gewinne

Über die Leitzinserhöhung der EZB aus der vergangenen Woche hinaus richteten die Investoren bei der EZB-Pressekonferenz ihr Augenmerk aktuell vor allem auf die Wirtschaftsprognosen der Notenbank, berichtet Senior Research Analystin Violeta Todorova vom ETP-Anbieter Leverage Shares & Income Shares in einem aktuellen Marktkommentar: „Die Botschaft war gemischt: Während für die Inflation ein höherer Wert als bisher angenommen prognostiziert wird, soll sich das Wirtschaftswachstum verlangsamen“, so Todorova. Die Zentralbank hob ihre Gesamtinflationsprognose demnach für 2026 auf 3,0 Prozent und für 2027 auf 2,3 Prozent an, während die Kerninflation für beide Jahre auf 2,5 Prozent nach oben korrigiert wurde. Gleichzeitig senkte die EZB ihre Wachstumserwartungen und rechnet für die Wirtschaft der Eurozone nur noch mit einem Plus von 0,8 Prozent im Jahr 2026 und 1,2 Prozent im Jahr 2027. Diese Revisionen deuten Todorova zufolge darauf hin, dass die Inflation weiterhin die größere Sorge der Notenbank darstellt als das Wachstum, was die Währungshüter potenziell länger auf einem vorsichtigen Kurs halten könnte.

„Die Kombination aus höherer Inflation und schwächerem Wachstum kommt dem Phänomen der Stagflation gefährlich nahe“, schreibt Todorova. Das BIP-Wachstum der Eurozone im ersten Quartal 2026 sei im Quartalsvergleich um 0,2 Prozent nach unten korrigiert worden. Dies sei der erste Rückgang seit dem dritten Quartal 2022, angetrieben durch eine Verschärfung der industriellen Rezession in Deutschland und einen drastischen Einbruch des Konsums in Frankreich. Todorova: „Die EZB erhöht die Zinsen somit faktisch in eine schrumpfende Wirtschaft hinein. Eine Position, die offensichtliche Risiken birgt, von den Währungshütern jedoch als notwendig erachtet wurde, um ihre Glaubwürdigkeit bei der Inflationsbekämpfung zu wahren.“

Struktureller Druck auf deutsche Corporates
Die deutschen Standardwerte starteten am Freitag im Plus und schienen bereit zu sein, die erwartete Zinserhöhung ohne Panik zu verkraften. „Diese Widerstandsfähigkeit täuscht jedoch über den realen strukturellen Druck hinweg. Die Zinserhöhung der EZB könnte zinssensitive DAX-Mitglieder belasten und die Bewertungen drücken, zumal die BIP-Wachstumsprognose für Deutschland für das Jahr 2026 bereits von zuvor prognostizierten 1,0 Prozent auf 0,5 Prozent gesenkt wurde“, so die Einschätzung der Senior Research Analystin.

Schwieriges Umfeld für deutsche Aktien
„Der jüngste Zinsschritt der EZB erhöht den Druck auf ein ohnehin schon schwieriges Umfeld für deutsche Aktien. Höhere Zinssätze neigen dazu, die Bewertungen zu belasten, da sie den Abzinsungssatz für zukünftige Gewinne erhöhen. Dies ist insbesondere für kapitalintensive Industriegiganten wie Siemens, BASF und Continental ein Problem“. So Todorova. Im Gegensatz zu Banken, die bei steigenden Zinsen von höheren Kreditmargen profitieren können, würden Industrieunternehmen oft auf Basis von Cashflows bewertet, die erst in vielen Jahren erwartet werden. Wenn die Kreditkosten steigen und die Renditen anziehen, würden diese zukünftigen Gewinne aus heutiger Sicht weniger wertvoll, was die Aktienkurse nach unten drückt, so Todorova.

Industrie, Versorger und andere zinssensitive Sektoren belastet
Aus diesem Grund reagiere der DAX nach wie vor hochsensibel nicht nur auf die Entscheidungen der EZB, sondern auch auf deren Rhetorik. „Ein klares Signal, dass die erwartete Zinserhöhung im September das Ende des Straffungszyklus einläutet, könnte die Anleger beruhigen und die Aktienbewertungen stützen. Sollte Lagarde die Tür für weitere Zinserhöhungen im späteren Jahresverlauf jedoch offenhalten, könnten die Märkte beginnen, einen noch restriktiveren geldpolitischen Ausblick einzupreisen“, so Todorova. „Ein solches Szenario würde voraussichtlich die Industrie, Versorger und andere zinssensitive Sektoren des DAX am stärksten belasten und das Potenzial des Index, seine jüngsten Höchststände zu überschreiten, einschränken“, so die Senior Research Analystin von Leverage Shares & Income Shares. (de)

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