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Iain Richards, Col. Threadneedle: „Social Bonds sollen Nutzen bringen“

Columbia Threadneedles Head of Responsible Investment ist von den Vorzügen von Social Bonds überzeugt und erklärte anlässlich seines Besuchs bei „Institutional Money“, warum gerade Social Bonds Finanzmärkten eine neue, zusätzliche Lebensberechtigung geben.

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Iain Richards, Head of Responsible Investment, EMEA, von Columbia Threadneedle: „Social Bonds sollen quer über die Wirtschaft und alle Branchen Menschen einen sozialen Nutzen bringen.“
© Columbia Threadneedle

Wahrscheinlich haben sich bislang nur die wenigsten institutionellen Investoren ernsthaft mit „Social Bonds“ auseinandergesetzt. Das könnte ein Fehler sein bzw. wird sich zukünftig wohl ändern. Denn Social Bonds haben – wie ihre Geschwister Green Bonds – durchaus das Zeug, vielen Kapitalmarktkritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Social Bonds rechtfertigen aufgrund ihrer Funktionsweise die Existenz von Kapitalmärkten und sind ein gutes Argument gegen Kapitalmarktkritiker. Denn dank Social Bonds können Kapitalmärkte für die Menschheit einen besonderen Nutzen bringen“, erklärte Iain Richards, Head of Responsible Investment, EMEA, bei seinem Besuch in der Wiener Redaktion von „Institutional Money“.

Damit stellt sich die grundsätzliche Frage, warum Anleihen - insbesondere Social Bonds - ein wirksames Instrument zur „Weltverbesserung“ sein sollten, und nicht beispielsweise Aktien. „Social Bonds bieten aufgrund ihrer Eigenschaft als Rentenpapier Investoren den Vorteil einer zielgerichteten Kapitalallokation. Das ist zielgerichteter als beispielsweise bei Aktien, die der allgemeinen Unternehmensfinanzierung dienen. Investoren können über Social Bonds Kapital viel spezifischer allokieren, um ein erwünschtes Resultat zu erzielen“, erklärte Richards.

Social Bonds im Vorteil
Kapitalmärkte dienen grundsätzlich zur Allokation von Kapital und zur Finanzierung zahlreicher wirtschaftlicher Aktivitäten, die von Investoren als sinnvoll bzw. rentabel erachtet werden. Social Bonds erfüllen diese Funktion ebenfalls und bieten neben einer klassischen Rendite noch „soziales Alpha“.

Social Bonds erlauben Investoren jedoch eine breitere Auswahl bzw. Diversifikation an Branchen und Mitteleinsatz, als beispielsweise die derzeit en vogue seienden Green Bonds, die laut dem Columbia Threadneedle-Mann Investoren derzeit nur Zugang zu einer beschränkten Anzahl von Sektoren gewähren. Denn nach Ansicht Richards gäbe es bei Green Bonds aktuell tendenziell einen Bias auf Finanzwerte und Versorger, der zu Lasten der Diversifikation gehe und den Großanleger im Hinterkopf behalten sollten.

Bei Social Bonds hingegen haben Investoren eine wesentlich breitere Auswahl an Sektoren und damit weniger Klumpenrisiken. Dank dieser breiten Auswahl können sozial erwünschte Ziele finanziert und realisiert werden, wie bezahlbares Wohnen, Gesundheit, Bildung oder Beschäftigung. „Social Bonds sollen quer über die Wirtschaft und alle Branchen Menschen einen sozialen Nutzen bringen“, sagte Richards.

Menschen ermöglichen, sich selbst zu helfen
Aber auch die Finanzierung von Kommunen und Regionen, die mit den eingenommenen Geldern den Menschen direkt vor Ort helfen können, ist über Social Bonds realisierbar. Social Bonds können daher nicht nur Emissionen von Corporates, Agencies oder Supranationalen Organisationen, sondern auch von öffentlichen Körperschaften. sein „Durch die über Social Bonds eingesammelten Gelder werden wirtschaftliche Aktivitäten gefördert, die wiederum Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen. Die eingenommen Gelder helfen Menschen – zum Beispiel über Projekte – über wirtschaftliche Teilhabe ein eigenständigeres und produktiveres Leben in der Gesellschaft zu führen“, betonte Richards, um anzufügen: „Das Konzept von Social Bonds beruht vielfach darauf, Menschen zu ermöglichen, sich selbst zu helfen.“

Richards betonte im Gespräch mit „Institutional Money“, dass Social Bonds keinesfalls als philantrophische Geschenke betrachtet werden dürfen. Zu Laufzeitende müssten die vom Schuldner aufgenommenen Gelder wie bei jeder Anleihe an die Gläubiger zurückgezahlt werden. Während der Laufzeit helfen Social Bonds aber vielen Organisationen oder Firmen, direkter oder indirekter Kapitalmarktzugang vorausgesetzt, über den Vorteil relativ niedriger Kapitalkosten bei der kostengünstigen und effizienten (markwirtschaftlichen) Finanzierung von sozial erwünschten Aktivitäten bzw. Zielsetzungen. Beispielsweise bezahlbares Wohnen, Gesundheit, Bildung und Beschäftigung.

Columbia Threadneedles Head of Responsible Investment strich im Interview noch einmal explizit hervor, dass Investoren durch Social Bonds keinesfalls Geld verlieren dürfen. Daher analysiert Columbia-Threadneedle wie bei allen Anleihen auch bei Social Bonds bestehende Credit-Risiken mit äußerster Disziplin und Sorgfältigkeit. „Auch bei Social Bonds müssen Investoren selektiv sein und entscheiden, wo Kapital allokiert wird, um über Social Bonds einen zusätzlichen, gesellschaftlichen Nutzen zu generieren.“

Keine Abstriche bei Rendite oder Sicherheit
All diese hehren Ziele können Investoren über ein Engagement in den hauseigenen Social Bonds-Fonds von Columbia Threadneedle unterstützen. Selbstverständlich ohne irgendwelche Abstriche bei der Rendite oder beim Risikoausmaß machen zu müssen. Laut Columbia Threadneedles Alasdar Ross, Head of Investment Grade Portfolio sowie Deputy-Manager des Social Bonds-Fonds, der gemeinsam mit Richards auf Investorenbesuch in Wien und dabei ebenfalls unsere Redaktion besuchte, habe dies mindestens zwei Gründe, die man am einfachsten anhand eines praktischen Beispiels erklären könne. So könnte es sein, dass es beispielsweise im Versorgersektor drei vergleichbare Emittenten und deren Anleihen gäbe, die in einem identen Marktumfeld mit ähnlicher Kapitalstruktur und vergleichbaren Credit-Risiken tätig seien und daher über ein fast identes Chancen-/Risikoverhältnis aufwiesen. Columbia Threadneedles Portfoliomanagement kauft dann für den Social Bond-Fonds jene Anleihe, die den höchsten „Social Impact“ aufweist. „Investoren müssen bei diesen Anleihen weder auf Spread oder Yield verzichten“, sagte Ross und ließ gleich die Erklärung dafür folgen: „Eine Social Bond-Strategie funktioniert, da der Markt bei Corporate Bonds keinen Social Impact einpreist respektive im Pricing berücksichtigt.“ Unterm Strich bedeutet dies aber auch, dass im Fondsportfolio viele „klassische“ Anleihen drinnen sind und nicht nur dezidiert als „Social Bonds“ ausgewiesene Papiere. Das ist aber dem breiten Investmentansatz sowie dem noch sehr jungen und gerade in Entwicklung befindlichen Marktsegment geschuldet.

Entscheidend sei laut Ross, dass man Fondsgesellschaft ausreichend Kapazitäten für die Analyse habe. Denn am Primärmarkt für Anleihen hat man im Rahmen eines Book-Buildings als Investor oft nur ein zweistündiges Zeitfenster, um zu entscheiden, ob eine Anleihe gut genug für einen Kauf ist oder nicht. Zusätzlich muss Columbia Threadneedle aber noch den „Sozialen Impact“ einer jeden für die Social Bonds-Strategie in Frage kommenden Emission beurteilen. Diesbezüglich verfüge aber Columbia Threadneedle als großes und etabliertes Corporate Bond-Haus über große Research-Kapazitäten, um rasch eine fundierte Entscheidung treffen zu können, betonte Ross Im Gespräch in eigener Sache. Zukünftig könnte der zusätzliche Research-Aufwand vielleicht etwas weniger werden:

Die Zukunft von Social Bonds
„Wir würden gerne mehr Mitbewerber bei Social Bonds-Fonds am Markt sehen“, erklärte Richards. Denn dann würde mehr Kapital in dieses noch junge Marktsegment fließen. „Mehr Kapital wäre ein Katalysator für mehr Dynamik, mehr Social Bond-Emissionen und höherer Liquidität am Sekundärmarkt“. In Folge könnte dies der Standardisierung dienlich sein und den Research-Aufwand bei Social Bonds etwas reduzieren.

Mittel- bis langfristig kriegen Social Bonds – sowie alle Nachhaltigkeitsinvestments – im übertragenen Sinn „Rückenwind von allen Seiten“. Denn einerseits macht die Politik Investoren direkt oder zumindest indirekt Vorgaben, „nachhaltiger“ zu allokieren. Auf der anderen Seite setzen Investoren, insbesondere jene aus dem institutionellen Lager, von sich aus auf eine stärkere Betonung von Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Investmententscheidungen. „Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit, und damit auch zu Social Bonds, kommt sowohl Top-Down wie auch von Bottum-Up, also sowohl von der Politik, wie auch von den einzelnen Investoren“, erklärte Richards abschließend. (aa)

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