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HQ Trust: „Viele Titel allein machen noch kein gutes Portfolio!“

Für eine gute Diversifikation sollten Anleger auf das unsystematische Risiko schauen. Ist dies zu hoch, ist das Portfolio nicht breit genug gestreut. Wie man Schwankungen einzelner Unternehmen und Branchen zuverlässig begrenzt, dazu hat Pascal Kielkopf von HQ Trust nachgerechnet.

Pascal Kielkopf von HQ Trust: "Eine breite Streuung über Regionen, Branchen und Unternehmensgrößen ist wichtig für die Diversifikation." 
Pascal Kielkopf von HQ Trust: "Eine breite Streuung über Regionen, Branchen und Unternehmensgrößen ist wichtig für die Diversifikation." © HQ Trust

Eckpunkte:

  • Unsystematisches Risiko: Schwankungen einzelner Unternehmen und Branchen an der Gesamtvolatilität
  • Basis für die Untersuchung: MSCI ACWI als Referenzindex mit mehr als 2.500 Titeln
  • Ab knapp 200 Titeln sinkt unsystematisches Risiko unter fünf Prozent
  • Globale Streuung ist besonders wichtig

Für seine Untersuchung ermittelte Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege vom Family Office HQ Trust, den jeweiligen Anteil des sogenannten unsystematischen Risikos eines Portfolios. Dieses Risiko beschreibt den Teil der Gesamtvolatilität, der nicht vom Markt stammt, sondern von den einzelnen Unternehmen oder Branchen. Dieses Risiko gilt es durch Diversifikation zu verringern.

Als Referenzindex wählte Kielkopf den MSCI ACWI, einen weltweiten Aktienindex mit mehr als 2.500 Titeln. Die Untersuchung basiert auf den Daten der vergangenen zehn Jahre. In den Mittelpunkt seiner Berechnung stellte er folgende Frage: Wie viel unsystematisches Risiko hätte ein Anleger getragen, wenn er nur in die größten fünf, zehn, fünfzig oder zweihundert Aktien des MSCI ACWI investiert hätte? Pascal Kielkopf erhöhte die Zahl der Titel schrittweise bis auf 300, um zu ermitteln, wann das unternehmensspezifische Risiko auf ein vertretbares Maß sinkt.

90 größte Aktien senken das unsystematische Risiko wirksam
Die Ergebnisse zeigen, dass der Anleger, der ausschließlich die jeweils größte Aktie im MSCI ACWI hält, ein stark konzentriertes Risiko trägt: „Rund zwei Drittel der Schwankungen wären titelspezifisch“, so der Kapitalmarktstratege. Durch Streuung verringert sich dieses Risiko: „Bei den zehn größten Titeln sinkt dieses Risiko auf rund 35 Prozent“, so Kielkopf. „Der häufig verwendete akademische Schwellenwert von zehn Prozent, ab dem man von wirksamer Diversifikation sprechen kann, wird erst erreicht, wenn die 90 größten Aktien im Portfolio enthalten sind.“

Quelle: LSEG, HQ Trust Research

Erst ab 180 Titeln beginnt der Wert unter fünf Prozent zu sinken
Und hier dürften sich viele institutionelle Anleger in ihrer Portfoliokonstruktion bestätigt sehen: „Erst bei knapp 200 Titeln fällt das unsystematische Risiko unter fünf Prozent“, so Kielkopf. Unter professionellen Investoren gilt diese Marke als Voraussetzung für ein Portfolio mit breiter Marktabdeckung. Während eine Steigerung auf 300 Titel hier wenig Vorteile bringt: „Selbst bei 300 Titeln liegt das unsystematische Risiko noch bei rund drei Prozent. Das Niveau für echte Indexreplikation wird erst unter zwei Prozent erreicht, wofür eine sehr große Titelzahl notwendig ist“, so Kielkopf. Trotzdem schränkt er ein: „Viele Titel allein machen noch kein gutes Portfolio. Wer 200 Technologieaktien oder ausschließlich deutsche Unternehmen kauft, hat zwar viele Titel, aber keine echte Diversifikation.“

Globaler Markt als Referenzpunkt
Entscheidend sei die Streuung über Regionen, Branchen und Unternehmensgrößen hinweg, so Kielkopf: „Erst das breite Investieren in den globalen Markt bringt den vollen Diversifikationsnutzen.“

„Für Anleger, die gezielt auf einzelne Themen, Sektoren oder Unternehmen setzen wollen, gelten andere Maßstäbe“, so Kielkopf: „Wer bewusst konzentriert investiert, tut dies mit der Erwartung einer Überrendite. Auch das ist eine legitime Strategie – aber eben unter Inkaufnahme höherer Einzeltitelrisiken.“

Free Lunch
Die Analyse bestätige eine der ältesten Erkenntnisse der Kapitalmarktforschung: „Diversifikation ist tatsächlich der einzige Free Lunch an den Kapitalmärkten“, so das Resümee von Pascal Kielkopf von HQ Trust. Wer das Risiko einzelner Unternehmen möglichst ausschalten und die Rendite des globalen Aktienmarktes vereinnahmen möchte, benötige jedoch deutlich mehr Titel als viele Anleger vermuteten. (de)

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