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HQ Trust: „Niedrige Länderbewertungen allein sind kein Kaufsignal“

Günstig kaufen, teuer verkaufen: Kaum eine Börsenregel klingt so einleuchtend. Eine neue Analyse von Kapitalmarktstratege Pascal Kielkopf von HQ Trust zeigt jedoch: In der Praxis funktioniert diese Strategie deutlich schlechter, als sie zunächst erscheint.

Sind einzelne Aktienmärkte niedrig bewertet, kann ein Einstieg verlockend wirken. Doch nur selten geht diese Strategie auf. 
Sind einzelne Aktienmärkte niedrig bewertet, kann ein Einstieg verlockend wirken. Doch nur selten geht diese Strategie auf. © Pickoloh / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • Untersucht wurden alle 47 Länder aus dem MSCI ACWI u.a. anhand des Forward-KGVs
  • In einzelnen Jahren funktionierte die Strategie gut, zum Beispiel in Chile 2022
  • Langfristig lieferte sie ernüchternde Ergebnisse: Mehr Schwankungen bei schwächerer Rendite

Für seine Untersuchung betrachtete Pascal Kielkopf vom Family Office HQ Trust alle 47 Länder, die im MSCI ACWI vertreten sind: 23 Industrie- und 24 Schwellenländer. Der Analysezeitraum reicht von Anfang 2009 bis Mai 2026. Jedes Jahr wurde zum Schlusskurs des letzten Handelstags in den Aktienmarkt investiert, der gemessen an seiner Bewertung am attraktivsten erschien. Die Position wurde bis zum nächsten Jahresende gehalten.

Wichtig dabei: Der günstigste Markt wurde nicht einfach anhand des klassischen Kurs-Gewinn-Verhältnisses bestimmt. Denn ein niedriges KGV könne täuschen, etwa wenn die Gewinne eines Landes gerade noch hoch sind, der Markt aber bereits einen starken Einbruch der Unternehmensgewinne erwartet. Deshalb wurde für die Untersuchung das Forward-KGV verwendet, also die Bewertung auf Basis erwarteter Gewinne.

Chile 2022 oder Griechenland 2009
Zusätzlich berücksichtigte Pascal Kielkopf, dass manche Länder strukturell fast immer günstiger bewertet sind als andere. Das kann an der Sektorstruktur liegen, aber auch an dauerhaft höheren Risikoaufschlägen – insbesondere in einigen Schwellenländern. Deshalb wurde geprüft, welches Land aktuell den größten Bewertungsabschlag gegenüber den anderen Ländern aufweist, gemessen an der eigenen Historie der vergangenen zehn Jahre.

Quelle: LSEG; HQ Trust Research

„In einzelnen Jahren funktionierte die Strategie beeindruckend gut“, so Kielkopf. „Etwa Chile im Jahr 2022: Während der MSCI ACWI 13 Prozent verlor, legte der chilenische Aktienmarkt um 27 Prozent zu.“ Und ebenso für Griechenland: „Griechenland lag 2009 von Jahresbeginn bis Mitte Oktober zeitweise rund 35 Prozentpunkte vor dem MSCI ACWI. Bis zum Jahresende wurde dieser Vorsprung im Zuge der sich anbahnenden Eurokrise allerdings wieder abgegeben – am Jahresende blieb Griechenland hinter der ACWI-Performance.“

Trefferquote überzeugt nicht
Langfristig fiel das Ergebnis ernüchternd aus: Kielkopf: „Von Anfang 2009 bis Mai 2026 erzielte die Strategie eine annualisierte Rendite von 8,3 Prozent. Der MSCI ACWI kam im selben Zeitraum dagegen auf 12,8 Prozent pro Jahr.“ Die Strategie blieb damit um 4,5 Prozentpunkte pro Jahr hinter dem Weltaktienindex zurück.

Auch in der Mehrzahl der Fälle lag sie hinter dem MSCI ACWI: „In zwölf von 18 Jahren – also in zwei Dritteln des Untersuchungszeitraums – schnitt der jeweils günstigste Aktienmarkt schlechter ab als der globale Index“, resümiert Kielkopf.

Höhere Volatilität
Und auch beim Risiko schnitt sie deutlich schlechter ab: „Die Volatilität lag bei fast 24 Prozent per annum, während der MSCI ACWI auf rund 15 Prozent per annum kam.“

Dass einzelne Länder stärker schwanken als ein global diversifizierter Aktienindex, ist wenig überraschend. Entscheidend ist aber: Die höhere Volatilität wurde nicht mit einer höheren Rendite belohnt. Anleger hätten deutlich stärkere Schwankungen in Kauf genommen und gleichzeitig erheblich weniger verdient.

Oft gute Gründe für den Abschlag
Eine niedrige Bewertung allein ist aus Sicht von Pascal Kielkopf bei Ländern kein ausreichendes Kaufsignal. „Oft gibt es gute Gründe, warum ein Markt mit Abschlag gehandelt wird: politische Risiken, instabile Institutionen, Währungsschwankungen, Kriege, Kapitalverkehrskontrollen oder strukturelle Standortnachteile.“ Viele dieser Risiken seien länderspezifisch – und würden vom Markt in der Regel nicht mit einer angemessenen Mehrrendite vergütet, so Kielkopf.

Global gestreute Value-Strategie meist besser
Sein Fazit: „Die Idee, jedes Jahr in den günstigsten Aktienmarkt der Welt zu investieren, klingt attraktiv. Die Analyse zeigt aber: Günstige Bewertungen allein reichen nicht aus. Zwar könne es in einzelnen Jahren enorme Aufholbewegungen geben. „In der Mehrzahl der Jahre blieb die Strategie jedoch hinter einem global gestreuten Aktieninvestment zurück“, so Kielkopf.

Hinzu komme ein deutlich höheres Risiko. „Anleger wurden für das Eingehen von konzentrierten Länder-Wetten langfristig nicht belohnt.“ Er rät: „Wer gezielt auf günstige Bewertungen setzen möchte, ist mit einer global diversifizierten Value-Strategie meist besser beraten. Dabei werden nicht einzelne Länder gekauft, sondern weltweit die attraktiv bewerteten Unternehmen ausgewählt.“

So lasse sich der Bewertungsfaktor nutzen, ohne das Portfolio unnötig stark von lokaler Politik, Währungsrisiken oder einzelnen nationalen Krisen abhängig zu machen. (de)

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