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Goldman Sachs AM: Wenn ETFs outperformen – mit Smart Beta

Die Entwicklungen an den Kapitalmärkten im Jahresverlauf haben deutliche Performanceunterschiede zwischen klassisch passiven und Smart-Beta-ETFs gezeigt. Das erlaubt über eine systematische Vorselektion eine Chance auf Outperformance, meint eine Expertin von Goldman Sachs Asset Management.

Julia Rees, Goldman Sachs Asset Management
Julia Rees, Goldman Sachs Asset Management
© Goldman Sachs Asset Management

Indexfonds auf US-Standardwerte haben in den vergangenen Jahren eine überraschende Entwicklung vollzogen. Dabei haben die beiden größten ihrer Art, die sich auf 500 US-amerikanische Large Caps beziehen, seit Auflegung vor drei Jahren einen Performance-Spread von bis zu 751 Basispunkten gezeigt – davon bis zu 454 Basispunkte allein im Verlauf dieses Jahres. Wie war das möglich? Ein Antwort darauf gibt Julia Rees, Leiterin EMEA SAS Portfolio bei Goldman Sachs Asset Management, in einem "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Beitrag: (aa)


"Immer, wenn eine Geldanlage ihrem engsten Konkurrenten um mehrere Hundert Basispunkte hinterherhinkt, gibt das Anlass zur Besorgnis. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um ein passives Produkt handelt, das damit ein marktähnliches Verhalten zeigen soll. Grund für den Unterschied: Die besagten zwei ETFs sind ein gleichgewichtetes Abbild verschiedener Herangehensweisen, um von den 500 bedeutendsten US-Unternehmen zu profitieren. Einer davon ist der S&P 500, basierend auf der Arbeit eines Indexkomitees – im anderen Fall handelt es sich um einen rein quantitativen Ansatz zu den 500 größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung.

Aktive Auswahl als Rentabilitätskriterium
An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass ein Indexkomitee die Auswahl für einen ETF tätigt. Dazu ein Beispiel: Viele Anleger glauben, dass der Autobauer Tesla im S&P 500 vertreten ist. Wohl zum einen aufgrund seiner Marktkapitalisierung, die größer ist als die von Volkswagen, Daimler, BMW, General Motors, Ford, Fiat Chrysler und Peugeot zusammen – und zum anderen, weil die Aktie generell auf ein großes Anlegerinteresse stößt. Dem ist aber nicht so. Vielmehr schließt das S&P-Indexkomitee den Titel bewusst aus, weil er die Kriterien des Komitees in puncto Rentabilität nicht erfüllt. Zur Erinnerung: Auch aktive Fondsmanager legen solche Rentabilitätskriterien fest.

Qualitätssicherung mit Smart Beta-Faktoren
Dieser für Indexkonstruktionen notwendige Entscheidungsprozess ist im Smart-Beta-Bereich mindestens genauso verbreitet. Smart Beta besteht aus passiven Anlagevehikeln, die Indizes nachbilden – und zugleich durch die Ausrichtung auf bestimmte Renditetreiber, sogenannte Faktoren, eine Outperformance gegenüber klassischen kapitalisierungsgewichteten Indizes anstreben. Zu den gängigsten Faktoren zählen Value, Growth, Size, Momentum, Quality und Low Volatility.

Das obige Praxisbeispiel von den beiden gleichgewichteten ETFs hat gezeigt, wie stark die Entscheidungen des Indexentwicklers hinsichtlich der Festlegung und Implementierung von Smart-Beta-Faktoren, in diesem Fall der Faktor „Size“, die Wertentwicklung beeinflussen können.

Tauchen wir tiefer ein: Smart-Beta-Strategien sind aufgrund dieser verschiedenen Faktoren, die sie festlegen und implementieren können, sehr variantenreich. So konzentrieren sich zum Beispiel einige der Indizes nur auf die obere Rankinghälfte eines Anlageuniversums, die mittels einer Faktorkennzahl wie Marktkapitalisierung oder Kurs-Buchwert-Verhältnis ermittelt wurde.

Andere Indexentwickler wiederum ziehen es vor, die Aktie mit dem höchsten Ranking am stärksten überzugewichten. Die drei größten US-Value-Faktor-ETFs in Europa bilden jeweils einen anderen Value-Index desselben Indexanbieters nach. Im laufenden Jahr schlagen hier die Performanceunterschiede bisher mit 288 bis 456 Basispunkten zu Buche – und mit bis zu 1.550 Basispunkten seit dem ersten gemeinsamen Performancejahr 2016.

Einige Smart-Beta-Vehikel konzentrieren sich nur auf einen Faktor wie „Momentum“ oder „Quality“, andere wiederum kombinieren gleich mehrere Faktoren. Durch die Kombination von Faktoren entstehen gewöhnlich Diversifikationsvorteile, wie eine geringere Wahrscheinlichkeit, hinter einem kapitalisierungsgewichteten Index deutlich zurückzubleiben. Anleger konzentrieren sich häufig auf die Unterschiede zwischen Smart Beta und traditionelleren Anlagemethoden, etwa eines aktiven Fondsmanagements.

Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zielsetzung von Smart Beta sehr ähnlich ist – nämlich die Chance auf eine Outperformance zu bieten. Außerdem haben wir bei der Analyse der Positionen aktiver Fondsmanager die Erfahrung gemacht, dass hier die Anlagefaktoren von Smart Beta in der Regel als Quelle für das aktive Risiko fungieren.

Gezielte Selektion – vor passiv kommt aktiv
Kurzum: Anleger müssen über den engen Begriffshorizont von „passiv“ im ETF-Kontext hinausschauen. Dann verstehen sie, welche menschlichen Entscheidungen dem Index zugrunde liegen, den das passive Vehikel nachbildet. Das kann mit Blick auf ein typisches Anleger-Depot bedeuten: Wir beginnen immer mit dem Tracking Error als praktischer, quantitativer Methode, um einerseits Smart-Beta-Angebote zu vergleichen – und andererseits zu ermitteln, wie stark Smart-Beta-Strategien in einem Portfolio neben reinen passiven und aktiven Fonds gewichtet werden könnten."

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