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Flossbach: So funktioniert der Milliardentrick mit Staatsanleihen

Die Bundesrepublik Deutschland verdient mit ihren Schulden Milliarden und stockt damit den Haushalt auf – auf Kosten künftiger Generationen. Vermögensverwalter Bert Flossbach kritisiert diesen "Bilanztrick" scharf.

Bert Flossbach
Bert Flossbach, Mitgründer des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch
© Cornelius Gollhardt / Institutional Money

Die Zinsen für deutsche Bundesanleihen sind im Keller. Das Dauerzinstief beschert dem deutschen Staat nicht nur Schulden zum Nulltarif, sondern darüber hinaus satte Gewinne für den laufenden Haushalt. Dazu nutze der Staat einen Buchungstrick, wie Bert Flossbach, der Mitgründer des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch, in seinem aktuellen Kapitalmarktausblik kritisiert.

Der Trick funktioniert so: Der Staat stockt ältere Anleihen mit höheren Zinskupons auf. Anleger müssen diese vergleichsweise hoch verzinslichen Titel beim Einkauf teuer bezahlen, denn die Kurswerte liegen weit über dem Nominalwert. Das ist eine schlichte mathematische Zwangsläufigkeit, denn Anleihen gleicher Machart mit unterschiedlichen Zinskupons werden unterm Strich alle dieselbe Rendite einbringen – und das wird über die Kurswerte ausgeglichen.

7,5 Milliarden Euro Sondererlöse allein 2019 erwartet
Für den Staat macht es aber einen Unterschied, ob er eine neue Anleihe auf dem aktuellen Zinsniveau zum Nennwert emittiert oder ein älteres, höher verzinstes Papier zu einem deutlich höheren Preis. Denn die Zahlungsströme unterscheiden sich deutlich. Im ersten Fall werden über die Laufzeit sehr niedrige – oder gar keine – Zinsen fällig. Im zweiten Fall muss der Staat jahrelang höhere Zinskupons zahlen, kassiert dafür aber zu Beginn eine hohe Einmaleinnahme, die direkt dem aktuellen Haushalt zufließt.

Die Bundesrepublik habe seit dem Jahr 2013 mit Hilfe dieser Emissionsgewinne insgesamt rund 25 Milliarden Euro Haushaltsgewinne verbucht, hat Flossbach von Storch ausgerechnet. Als besonders krasses Beispiel bezeichnen die Analysten eine im Jahr 2014 begebene 30-jährige Staatsanleihe mit 2,5 Prozent Kupon, die am 19. Juni um eine Milliarde Euro aufgestockt worden war. Weil zu diesem Zeitpunkt die Marktrendite für das Produkt nur noch bei 0,26 Prozent gelegen hatte, war der Kurswert auf 158,8 Prozent des Nennwerts in die Höhe geschnellt. Der Staat konnte also sofort einen Emissionsgewinn von 588 Millionen Euro verbuchen.

Für dieses Jahr erwartet Flossbach von Storch insgesamt 7,5 Milliarden Euro solcher Sondererlöse. Andere Staaten in der Eurozone würden den Buchungstrick ebenfalls nutzen, berichtet der Kölner Fondsanbieter.

Flossbach: Emissionsgewinne sind nicht generationengerecht
Die Vermögensverwalter kritisieren das Prinzip. Denn letztlich muss der Staat die Erlöse in Form höherer Zinskupons in den folgenden Jahrzehnten an die Gläubiger zurückzahlen – nachfolgende Generationen werden also darunter leiden. Flossbach fordert, dass die Emissionsgewinne in Rücklagen und nicht in den aktuellen Haushalt fließen sollten. Nur so sei sichergestellt, dass zukünftige Haushalte und Steuerzahler nicht belastet würden. (fp)

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