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Eigendepot wird als Ertragsfeld für Primärbanken immer wichtiger

Eine Erhebung bei mehr als 100 Sparkassen, Volksbanken und Raiffeisenbanken zeigt, dass das Depot A-Geschäft einen erheblichen Beitrag zum Unternehmenserfolg leistet. Alternative Anlageklassen wie Private Equity und Infrastruktur werden vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie immer attraktiver.

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Robert Massing, Vorstand der Solutio
© Solutio AG

Eine Erhebung bei exakt 125 Sparkassen, Volksbanken und Raiffeisenbanken belegt die zunehmende Bedeutung des Eigendepots (Depot A) für den Unternehmenserfolg von Primärbanken. Zudem ergab die Befragung, dass alternative Anlageklassen wie Private Equity, Private Debt, Infrastruktur und Immobilien vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie weiter an Attraktivität gewinnen. Die wissenschaftliche Studie wurde vom Research Center for Financial Services (München) der Steinbeis-Hochschule erstellt und von der Solutio und Pantheon unterstützt.

Streben nach attraktiver Rendite im anhaltenden Niedrigzinsumfeld
Dieses treibt Investoren zunehmend in alternative Assetklassen mit interessanten Rendite-Risiko-Profilen. Als weiterer Katalysator wirkt die Covid-19-Pandemie: 84 Prozent der befragten Banken erachten das Depot-A  im Niedrigzinsumfeld als (sehr) wichtig. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) gehen zudem von einer weiteren Zunahme der Relevanz als Ertragsfeld in den kommenden fünf bis zehn Jahren aus.

Zinsgeschäft wohl künftig weniger wichtig
Insbesondere im Vergleich zum Zinsgeschäft lässt sich eine stark positive Tendenz feststellen: Hier erwarten nur 21 Prozent eine zunehmende Bedeutung. Im Durchschnitt steuert das Depot-A-Geschäft mit einem Anteil von 29 Prozent der Bilanzsumme schon heute einen nicht unerheblichen Beitrag zum Unternehmenserfolg bei.

Alternative Anlageklassen werden vor dem Hintergrund der Covid-19 Krise attraktiver
Die Hälfte aller an der Studie beteiligten Institute (49 Prozent) sieht hier positive, lediglich zwei  Prozent negative Auswirkungen auf die Attraktivität. Bei klassischen Anlagen wie Aktien und Anleihen zeigt sich ein entgegengesetztes Bild: 24 Prozent erachten diese als weniger attraktiv, lediglich zehn Prozent sind positiv gestimmt.

Verdopplung der Alternativen Assets im Depot A binnen zehn Jahren erwartet
Dieser Trend spiegelt sich auch in der Erwartungshaltung hinsichtlich des zukünftigen Portfolioanteils wieder: Während heute durchschnittlich acht Prozent des Depot-A der Banken in Alternative Assets investiert sind, wird für das Jahr 2025 ein Anteil von zwölf Prozent, für das Jahr 2030 sogar von 16 Prozent prognostiziert. Binnen zehn Jahren würde somit eine Verdopplung realisiert werden.

Diversifikation als Hauptziel bei der Portfoliooptimierung
Aufgrund zurückgehender Zinserträge im Eigenhandel arbeitet ein Großteil der Institute derzeit aktiv an einer Optimierung der Depot-A-Strategie. Knapp zwei Drittel (63 Prozent) setzen hier auf eine stärkere Diversifikation des Portfolios, weitere 59 Prozent nehmen neue Anlageklassen auf. Alternative Assets zeichnen sich durch eine geringe Korrelation zu klassischen Titeln wie Aktien und Anleihen aus. Hierdurch kann eine Diversifikation bei attraktivem Rendite-Risiko-Profil erreicht werden.

Immobilien dominieren Alternatives klar
Bereits heute investiert eine Mehrheit der Banken (54 Prozent) in alternative Geldanlagen, weitere elf Prozent planen den Einsatz für die Zukunft. Die investierenden Institute setzen zu großen Teilen auf den Bereich Immobilien. Während dieses Underlying  drei Viertel (75 Prozent) zum Volumen der Alternatives beisteuert, sind Investitionen in Infrastruktur (13 Prozent), Private Equity (sieben Prozent) und Private Debt (vier Prozent) weniger prominent vertreten.

Regulatorik und Reporting-Anforderungen größte Hemmnisse von Alternativen Assets
Obgleich alternativen Anlageklassen eine hohe Attraktivität bescheinigt wird, sind diese im Portfolio der meisten Primärbanken noch ein Nischenaspekt: Rechnet man Immobilieninvestitionen (zum Beispiel Fonds) heraus, sind lediglich zwei Prozent des durchschnittlichen Depot-A in Segmenten wie Private Equity, Infrastruktur und Private Debt investiert. Gründe hierfür sind neben einer mangelnden Verfügbarkeit im Verbund insbesondere Reporting-Anforderungen und regulatorische Hemmnisse.

75 Prozent der Befragten erachten das aufwendige Reporting als einen Hauptgrund für den bisher geringen Anteil im Eigenhandel. 73 Prozent sehen regulatorische Hemmnisse als Problem an. Als drittwichtigster Gegengrund wird die Illiquidität der Anlage bewertet, 48 Prozent sehen dies als Hemmnis. Alle übrigen Faktoren wie fehlendes Angebot und komplexer Marktzugang werden als deutlich weniger problematisch betrachtet.

Geforderte Asset Manager
Entsprechend ist eine Hauptanforderung an betreuende Asset-Manager, dass der Verwaltungsaufwand für Banken in den Punkten Regulatorik und Reporting über entsprechende Services, Schnittstellen und Tools größtmöglich reduziert wird.

Alternative Underlying mit unterschiedlicher Attraktivität
Banken präferieren Real Estate und Infrastruktur als Underlying alternativer Assetklassen. Etwa drei Viertel (74 Prozent) erachten Real Estate als (sehr) attraktiv, bei Infrastruktur sind es 73 Prozent. Private Equity (41 Prozent) und Private Debt (17 Prozent) liegen deutlich dahinter. Insgesamt korreliert die Bewertung der Underlyings mit den jeweiligen Anteilen am Depot-A. Erfahrungen mit Private Debt haben beispielsweise weniger Banken gesammelt als mit Immobilienfonds, wodurch sich zumindest ein Teil des Unterschieds erklären lässt.

Anforderungen an Asset-Manager: Betreuung ebenso wichtig wie Produktangebot
Ein qualitativ hochwertiger Auswahlprozess ist der wichtigste Faktor bei der Wahl des Asset-Managers. 85 Prozent sehen diesen Aspekt als (sehr) wichtig an. Nahezu auf gleichem Niveau (84 Prozent) wird auch die Betreuung und Beratung der institutionellen Investoren bewertet. Weniger wichtig ist den Banken eine Spezialisierung auf alternative Assetklassen (62 Prozent) sowie das Anbieten individueller Lösungen (43 Prozent).

Zusatzservices 
Neben zentralen Anforderungen an das Angebot des Asset-Managers haben auch diverse Zusatzservices eine hohe Relevanz: Neben Unterlagen in deutscher Sprache sind insbesondere eine Unterstützung bei der Risikoermittlung sowie Reporting-Tools von sehr hoher Bedeutung (jeweils 89 Prozent). Weniger wichtig sind Gesamtportfolioanalysen (48 Prozent) sowie Kapitalmarktkonferenzen beziehungsweise Webinare (37 Prozent).

Nachholbedarf bei der Diversifikation zweifelsfrei gegeben
Robert Massing, Vorstand der Solutio, sagt angesichts der Studienergebnisse: „Die Studie zeigt, dass viele Banken und Sparkassen trotz steigender Nachfrage nach Alternativen Assets immer noch einen hohen Nachholbedarf bei der Diversifizierung der Depots haben. Ähnlich gilt das für viele Versicherungen und Pensionskassen. Die Erhebung lässt hoffen, dass dieser Mangel an Asset-Vielfalt gerade bei deutschen und österreichischen Instituten in den nächsten Jahren zügig aufgearbeitet wird.“

Secondaries nicht vergessen
Ralph Günther, bei Pantheon für das Geschäft im deutschsprachigen Raum verantwortlich, hält fest: „Wir sehen zurzeit eine Vielzahl von attraktiven Investitionsmöglichkeiten in Alternative Assets, besonders auch in Private Equity und Private Debt. Dies gilt nicht nur für den Primär-Markt, sondern in immer stärkerem Maße auch für Sekundär-Investments, die gerade im Hinblick auf die Preisermittlung hochinteressant sind.“

Potential sollte gehoben werden können
Prof. Dr. Jens Kleine, Leiter der Studie beim CFin, erklärt: „Die Studiendaten belegen das hohe Potential alternativer Geldanlagen. Sowohl die aktuelle Marktlage als auch das Rendite-Risiko-Profil und der Diversifikationseffekt von Alternatives tragen aktuell zu einer steigenden Beliebtheit bei. Der derzeit noch geringe durchschnittliche Portfolioanteil der Banken dürfte sich in den kommenden Jahren weiter erhöhen.“ (kb)

 

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