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DWS: GICS-Klassifizierung kann Investoren in die Irre führen

Christoph Schmidt, Portfoliomanager des DWS ESG Dynamic Opportunities, erläutert, warum sich Profianleger bei der Risikostreuung auf Portofolioebene nicht blind auf die traditionelle Klassifizierung nach dem Global Industry Classification Standard (GICS) verlassen sollten.

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© Gundolf Renze / stock.adobe.com

Eine der „goldenen Regeln“ des Investierens lautet, das Kapital zur Risikoreduzierung auf unterschiedliche Wertpapiere beziehungsweise mehrere Anlageklassen wie Aktien und Anleihen zu verteilen. Dass diese Diversifikation grundsätzlich weiter funktioniert, hat erst die heiße Phase der Coronavirus-Krise im Frühjahr 2020 wieder gezeigt. Um angesichts negativer realer Anleiherenditen auch noch attraktive Erträge erwirtschaften zu können, liegt der Gedanke nahe, den Aktienanteil von Multi Asset Portfolios zu erhöhen. „Umso wichtiger ist der richtige Umgang mit dem damit einhergehenden höheren Risiko“, schreibt Christoph Schmidt, Portfoliomanager des DWS ESG Dynamic Opportunities, der mittlerweile rund 3,45 Milliarden Euro schwer ist, in einer Kurzanalyse.

Über Schmidts Fonds
Der Fonds gehört zur Multi-Asset-Total-Return-Familie der DWS. Diese Produktreihe besteht aus dynamisch ohne Vergleichsindizes gemanagten Mischfonds mit integriertem Risikomanagement. Die einzelnen Portfolios weisen unterschiedliche Rendite-Risiko-Profile auf, aus denen die Anleger je nach Risikoappetit auswählen können. Der DWS ESG Dynamic Opportunities ist dabei die offensivste Variante und will auf mittlere Sicht aktienähnliche Erträge bei deutlich niedrigerer Schwankungsintensität erzielen.

Die GICS-Sektoren können unerwünschte Nebenwirkungen haben
Die wichtigste Voraussetzung für die Konstruktionen eines ausgewogenen Portfolios ist dabei laut Schmidt die richtige Analyse der Risikotreiber einer Aktie. Die traditionelle Klassifizierung nach dem Global Industry Classification Standard (GICS) in elf Sektoren betrachtet Schmidt als dafür wenig zielführend: „Da wird Amazon als zyklischer Konsumwert einsortiert und Alphabet als Kommunikationsdienstleister. Wer sich von den beiden Aktien aufgrund dieser Sektorzugehörigkeit eine Diversifikation etwa gegenüber Technologiewerten erhofft, dürfte enttäuscht werden."

Umklassifizierung sinnvoll
Stattdessen plädiert Schmidt für eine Aufteilung in verschiedene thematische Töpfe, die den Charakteristika der Aktien besser gerecht würden. „Eine konkrete Möglichkeit ist die Klassifizierung in die Töpfe ‚Wachstumstitel und digitale Ökonomie“, ‚Defensivwerte und Infrastruktur‘ sowie ‚Zyklik‘, die wir so auch in unseren Portfolios anwenden“, so Schmidt.

Bei der Verteilung des Kapitals auf diese Töpfe gehe es aber um mehr als eine „naive“ Diversifikation, also eine schlichte Gleichgewichtung. „Der Grund dafür liegt auf der Hand: Zykliker würden überproportional zum Portfoliorisiko beitragen, weil sich hinter ihnen in der Regel Geschäftsmodelle mit einer hohen Sensitivität gegenüber der wirtschaftlichen Entwicklung verbergen“, erklärt der Portfoliomanager. Die Aufgabe, für ausgewogene Risikobeiträge der drei Töpfe zu sorgen sowie unbeabsichtigte Stileinschläge zu vermeiden, erfordere daher die Unterstützung durch das Risikomanagement.

Wenn die konjunktursensiblen Zykliker zum Portfolio-Hedge werden
Auch beim Umgang mit Zinsänderungsrisiken, einem derzeit sehr aktuellen Thema, könne die Aufteilung in die Themen-Töpfe nützlich sein. Viele Papiere aus dem Topf „Defensivtitel und Infrastruktur“ würden häufig als Anleiheersatz genutzt, litten tendenziell aber in einem Szenario steigender Renditen. Ähnliches gelte für den Topf „Wachstumstitel und digitale Ökonomie“: Diesen Aktien billige der Markt der Discounted-Cash-Flow-Logik folgend bei sinkenden Renditen zwar höhere Bewertungen zu, bei steigenden Renditen drohe jedoch Gegenwind. Bestimmte Papiere aus dem Topf „Zykliker“ hingegen profitierten oft in einem Umfeld steigender Renditen und könnten so zur Absicherung eines Portfolios beitragen.

Gutes Beispiel aus der Praxis
„Ein gutes Beispiel dafür war die Lage in den Monaten September und Oktober des vergangenen Jahres. Seinerzeit hatten wir den Topf Zykliker stärker akzentuiert, da ein Ende der Unsicherheiten durch die US-Präsidentschaftswahlen absehbar war und Neuigkeiten zu den Impfstoffen gegen das Coronavirus zu erwarten waren. Das „Risiko“ war damit also eine wesentlich optimistischere Einschätzung der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung“, erinnert sich Schmidt.

Im November habe dann tatsächlich die von steigenden Zinsen begleitete Sektorrotation eingesetzt, die bis in den März 2021 angehalten habe. Insofern könnten ‚Zykliker‘ in bestimmten Szenarien tatsächlich den Gegenwind bei anderen thematischen Töpfen kompensieren und dazu beitragen, ein Portfolio ausgewogen zu positionieren. (aa)

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